Sonntag, 11.04.2021

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Aufatmen in Burgfarrnbach: Das ICE-Werk erweist sich als Luftnummer

Planungen sind offenbar nicht realistisch, beteuert der OB - 14.03.2021 10:00 Uhr

Ende Januar machten Anwohner aus Altenfurt und Fischbach mit einer Protestaktion deutlich, dass sie das ICE-Werk nicht vor ihrer Haustüre im Nürnberger Südosten haben möchten. In Burgfarrnbach wird es, glaubt man den politisch Verantwortlichen, gar nicht erst ernsthaft zum Thema.

12.03.2021 © Foto: Stefan Hippel


Die Sache war mysteriös und hinterließ in Fürth viele ratlos. Unlängst wurde im Zusammenhang mit Protesten gegen ein von der Bahn im Südosten von Nürnberg angepeiltes ICE-Ausbesserungswerk publik: Das Unternehmen ziehe neben Nürnberg andere Standorte in Betracht, unter anderem in Allersberg, in Baiersdorf – und in Burgfarrnbach.

Burgfarrnbach! In Fürths westlichstem Stadtteil leuchteten die Warnlampen auf, vor dem geistigen Auge der Bewohner gingen bereits riesige landwirtschaftliche Flächen flöten. Schließlich kommen Burgfarrnbacher Areale gern mal ins Gespräch, wenn es um großangelegte Industrieansiedlungen geht.

Die Älteren erinnern sich noch: Im Sommer des Jahres 2000 wollte die Stadt Fürth der Firma BMW für ein neues Automobil-Werk Ackerland nördlich von Burgfarrnbach schmackhaft machen. Die BMW-Fabrik wurde am Ende in Leipzig gebaut, viele Burgfarrnbacher atmeten auf.

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Nun also die Bahn, und wieder ist von sattem Flächenbedarf die Rede – stolze 45 Hektar werden dem Vernehmen nach benötigt. Doch diesmal erstickt einer die Spekulationen im Keim, der damals, wenige Jahre nach der bitteren Grundig-Havarie, durchaus Sympathien für die BMW-Ansiedlung in der Region gehegt hatte: Thomas Jung, anno 2000 noch SPD-Landtagsabgeordneter, heute Oberbürgermeister, sagt auf FN-Anfrage kategorisch: "In Fürth gibt es kein Gelände dieser Größe."

In Burgfarrnbach nicht, in der ganzen Stadt nicht, außerdem müsste dafür der Flächennutzungsplan geändert werden. Mithin sei jegliche Diskussion darüber blanker Unsinn. Punktum.

Er selbst, sagt Jung, habe von den DB-Überlegungen aus der Presse erfahren und sich in einem Telefonat mit Bahn-Verantwortlichen erst einmal schlau machen müssen. Dabei habe sich ergeben: Das Unternehmen muss im gesetzlich vorgeschriebenen Raumordnungsverfahren, das demnächst beginnen soll, zwingend verschiedene Varianten auf den Tisch packen.

In diesem Zusammenhang, so schildert es der OB, sei die Bahn eben auch auf Burgfarrnbach gestoßen, unabhängig von allen Realisierungschancen – und ohne jede Rücksprache mit den Verantwortlichen in Fürth. Klingt komisch, war aber so, beteuert das Stadtoberhaupt.

Ungeschickte Ankündigung

Ein Ärgernis? Jung zögert, das Verhältnis zur DB ist – Stichwort S-Bahn-Schwenk und barrierefreier Hauptbahnhof – ohnehin nicht unproblematisch, um es vorsichtig zu formulieren. Also sagt der Rathauschef: Die Ankündigung sei "ungeschickt gewesen, weil sie Befürchtungen weckt".

Offenbar in diesem Fall ohne Grund. In Burgfarrnbach werden sie einmal mehr tief durchschnaufen, denn zwischenzeitlich hatte sich auch der örtliche Bürgerverein eingeschaltet und äußerst irritiert zu Wort gemeldet.

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Dessen Vorsitzender Max Ammon, zugleich CSU-Fraktionschef im Fürther Stadtrat, ließ unsere Redaktion wissen: Sein Verein habe die Bahn-Pläne ebenfalls "mit großer Verwunderung zur Kenntnis genommen", sei doch ein Betrieb "mit 5,5 Kilometern Länge" im Gespräch.

"Auch wenn die hier entstehenden Arbeitsplätze und Steuereinnahmen natürlich lukrativ wären", wie Ammon einräumt, spreche sich der Bürgerverein "gegen ein Werk in dieser Größe direkt vor der Haustür aus". Es stelle sich ohnehin die Frage: Wo soll ein derartiger Koloss überhaupt hinpassen?

Nirgends, lautet die einhellige Antwort über Fürther Parteigrenzen hinweg. Man darf also mit Fug und Recht annehmen: Burgfarrnbach ist aus dem Standort-Rennen – noch bevor es begonnen hat.

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