Billy Cobham trommelt in Fürth

30.1.2019, 11:07 Uhr
Er spielte mit Miles Davis und schireb Jazzgeschichte: Billy Cobham. /dpa

© Foto: Jacek Bednarczyk Er spielte mit Miles Davis und schireb Jazzgeschichte: Billy Cobham. /dpa

"Wie ich zu dem Gig komme?" Auf diese Frage hat Udo Martin natürlich gewartet. Lapidare Antwort: "Betriebsgeheimnis." Das, wie der "Koffer"Chef hinterherschiebt, gar so geheimnisvoll nun auch wieder nicht ist. "Das ist normale Arbeit über viele Jahre hinweg. Zwischenzeitlich reden Bands in New York über die Kofferfabrik und empfehlen uns als Geheimtipp."

Eine kleine Bühne irgendwo in Süddeutschland — aber sie hat Platz für einen, den Jazzfans, deren Leidenschaft noch in der Vinylplatten-Ära erblühte, ohne zu zögern als Großen seines Fachs würdigen. Drummer Billy Cobham erlangte in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren durch seine Auftritte an der Seite von Trompetengott Miles Davis, bei dessen Fusion-Album "Bitches Brew" er mitwirkte, und mit dem Mahavishnu Orchestra Berühmtheit. 1987 wurde er in die Modern Drummer Hall Of Fame eingeführt, 2013 in die Classic Drummer Hall Of Fame. Der Rolling Stone listete ihn 2016 auf Rang 45 der 100 besten Schlagzeuger aller Zeiten.

Am 16. Mai wird der in Panama geborene, in der Schweiz lebende Musiker 75 Jahre alt; zuvor packt er die Koffer für eine Tour, die ihn nach Skandinavien, Deutschland, Österreich und die Schweiz führt. Einziger süddeutscher Halt ist Fürth, dort gibt es gleich zwei Auftritte an einem Tag, um 19 und 22 Uhr.

Bei seinem "Crosswinds Project" wird Cobham begleitet von Holzbläser Ernie Watts, Gitarrist Fareed Haque, Scott Tibbs an den Keyboards und Bassist Tim Landers. Mit dem Album "Crosswinds" schuf er 1974 eine epochale Fusion-Aufnahme — Fusion im Sinn der bewussten Aufhebung der Trennwand zwischen Rockmotorik und Jazzrhythmik. Cobham schrieb alle Stücke für das Album selbst. 2019 bringt er "Crosswinds" auf den neuesten Stand.

Zwei Konzerte an einem Abend? "Amerikanische Musiker sind das gewohnt", sagt Udo Martin, "und anders war das auch nicht zu kalkulieren, da wir ja nur 180 Stehplätze haben". Zudem hätten alle großen Musiker einst auf Bühnen von der Dimension der "Koffer" begonnen, bevor die Säle größer und aus Sälen Stadien wurden. Wie sagte Al Di Meola zu Martin: "Weißt du, in Prag hab’ ich vor 70 000 Menschen gespielt, Bühne vier Meter hoch, davor zehn Meter Sicherheitszone. Bei dir weiß ich, dass mir die Leute im Zweifelsfall in die Gitarre langen könnten. Ich bin einfach wieder ganz nah dran, wie damals."

Billy Cobham’s Crosswinds Project: 12. März, 19 + 22 Uhr, Kofferfabrik (Lange Straße 81). Karten mit ZAC-Rabatt in der FN-Geschäftsstelle (Schwabacher Straße 106, Tel. 2 16 27 77) und ohne Rabatt an der Kofferfabrik-Kasse

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