Montag, 09.12.2019

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Cadolzburg: "Wir wollen Entlastung für alle"

Der Verein "Zukunft Cadolzburg" fordert Tempo 30 und Lkw-Fahrverbot in der Nacht - 21.02.2017 06:00 Uhr

„Hier kann man keine Kinder laufen lassen“: Bernd Gebhart (von links), Markus Bernecker und Sandra Ender in der abschüssigen Kurve der Hindenburgstraße. © Foto: Winckler


Eigentlich waren es die Gegner der Staatsstraßen-Verlagerung, die versprachen, sich nach einem Scheitern der Umgehung für Verbesserungen im Kernort einzusetzen. Sind Ihnen von deren Seite Aktionen bekannt?

Gebhart: Nein, wir wüssten nicht, dass sie offiziell etwas im Gemeinderat beantragt hätten. Das ist etwas schade.

 

Ein neuer Verein böte eine gute Basis, um die Gräben, die sich damals auftaten, zu überwinden, oder?

Gebhart: Richtig, aber es ist schon schwierig, weil die Argumente sehr gegensätzlich waren. Die Gegner hatten sich als Verein organisiert, wir waren ein kleiner Kreis in einer losen Initiative mit wenig Schlagkraft. Aus dieser Erfahrung heraus haben wir uns nun auch als Verein eintragen lassen: Unser Ziel ist die Entlastung aller Cadolzburger Bürger.

20 000 Pkw und 1000 Lkw rollen Tag für Tag durch Cadolzburg, inwieweit sind Sie persönlich betroffen?

Gebhart: Vor unserer Tür verläuft mit der Hindenburgstraße die Haupteinfallsstraße, über die der Verkehr von Süden in den Ort hinunterrollt. Direkt vor meinem Haus in der Kurve ist ein Verkehrsteiler, seine Kante ist ramponiert. Für Lkw ist der Kurvenradius zu eng: Die Zugmaschine kommt noch am Teiler vorbei, der Anhänger bleibt dann hängen. Rumpelt er wieder auf die Straße, hebt es uns aus dem Bett.

Ender: Die Topographie Cadolzburgs lädt zum Rasen ein: Bergauf geht’s aufs Gas, bergab lässt man das Auto rollen. Die Kurve ist lebensgefährlich. Sie können hier keine Kinder laufen lassen. Die Straße war niemals für den Verkehr ausgelegt, den sie jetzt aushalten muss.

Bernecker: Und auch nicht für die Last der Lkw, die den Asphalt regelrecht vor sich herschieben und Bodenwellen aufgeworfen haben, die zusätzlich Lärm verursachen. Und das betrifft nicht nur 80 Anwesen an der Straße, wir reden von 1500 Menschen, die massiv belastet sind, weil viele den Stau auf der Hauptstraße über Nebenstraßen umfahren.

 

Im Dezember wurde eine Seniorin angefahren, die an ihren Verletzungen starb. Trotzdem stuft das Landratsamt Ihre Ortsdurchfahrt nicht als Unfallschwerpunkt ein, was verkehrsberuhigende Maßnahmen, die auf einer Staatsstraße per se schwer zu realisieren sind, erleichtern würde.

Gebhart: Diese Bewertung ist uns unverständlich. Schließlich kam es von 2010 bis 2015 zu 75 Unfällen mit Personen- oder schweren Sachschäden. Der Tod der 74-Jährigen war nur die Spitze. Es kracht ständig, das wird nur bagatellisiert.

 

An den Gegebenheiten — dem geringen Platz zum Beispiel — können Sie nichts ändern. Wo also wollen Sie in puncto Sicherheit ansetzen?

Gebhart: In einem ersten Schritt geht es uns darum, das Bewusstsein für Gefahrenstellen zu schärfen. Bei der Gemeinde haben wir beantragt, Smiley-Tafeln mit Tempoanzeige an der Ecke Hindenburgstraße/Steingasse oder an der Ampel auf Höhe der Shell-Tankstelle aufzustellen. Schulweghelfer beklagen dort regelmäßig das Rowdytum der Autofahrer, die sogar rote Ampeln ignorieren. Die erste Tafel steht bereits, die zweite ist im Gemeinde-Etat eingeplant. Sie zählen gleichzeitig den Verkehr. Mittelfristig hoffen wir, dass sie auch mit Dauer-Blitzern ausgestattet werden.

 

Und weitere Schritte?

Gebhart: Kurzfristig wollen wir zumindest so viel Entlastung, dass den Anwohnern ein gesunder Schlaf möglich ist. Wir fordern ein Nachtfahrverbot für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen und Tempo 30 auf der Ortsdurchfahrt Cadolzburg von 22 bis 6 Uhr, was der Gemeinderat auch unterstützt. Und wir setzen auf das Stadtentwicklungskonzept, das die Marktgemeinde angeht.

 

Was erhoffen Sie sich davon?

Gebhart: An der Erarbeitung wird die Bevölkerung beteiligt. Und es wird dann auch um die Infrastruktur gehen. Wir wollen alle Möglichkeiten ausloten. Sollte es darauf hinauslaufen, dass sich innerorts gar keine Lösung auftut, muss man am Ende eben doch wieder über eine Umgehung reden. Aber solange muss die Trasse freigehalten werden.

Ender: In Cadolzburg wird gebaut und gebaut und gebaut, ohne die nötige Infrastruktur zu schaffen. Alle Märkte unten am Kreisel zu platzieren beispielsweise, war eine fatale Fehlplanung. Jetzt muss wirklich jeder zum Einkauf fahren. Seit Jahrzehnten wird über eine Umgehung diskutiert. Es muss etwas passieren.

 

Die Gegner der Umgehung haben durchaus stichhaltige Argumente, finden Sie nicht?

Ender: Dass die Umgehung aus Gründen des Umweltschutzes keine große Zustimmung fand, haben wir durchaus gehört. Vor allem der Flächenverbrauch wurde von den Gegnern kritisiert.

Bernecker: Nur wäre der gar nicht so hoch gewesen, aber das wollte keiner hören. Die 10,5 Hektar, von denen immer die Rede war, hätten alles, auch straßenbegleitende Grünflächen mit einbezogen, von denen Flora und Fauna womöglich mehr gehabt hätten als von vielen Hektar Mais für Biogasanlagen. Tatsächlich wären für das reine Asphaltband 3 Hektar nötig gewesen, weil die Trasse auch auf bestehenden Straßen verlaufen würde. Und kommt das Baugebiet Egersdorf Nord III, braucht Cadolzburg eine Erschließung dorthin, für die der Flächenverbrauch fast identisch wäre.

Ender: Nur müsste die Marktgemeinde die über ihre Bürger finanzieren. Die Umgehung, die Egersdorf mitangebunden hätte, würde der Freistaat zu 100 Prozent zahlen und zwar aus dem Steueraufkommen aller Bürger.

Der Verein "Zukunft Cadolzburg" trifft sich regelmäßig in der Haffnersgartenscheune, Termine und weitere Informationen: www.zukunft-cadolzburg.de

Interview: Sabine Dietz

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