Kleeblatt unerlaubt abgebildet

Corona-Demo am Samstag in Fürth: Organisatoren nutzen SpVgg-Logo

Claudia Ziob
Claudia Ziob

Lokalredaktion Fürth

E-Mail

11.12.2021, 09:25 Uhr
Im Januar 2021 protestierten bis zu 350 Gegner der Corona-Regeln in der Fürther Innenstadt – trotz eines Demo-Verbots, zu dem sich die Stadt entschlossen hatte. Am Samstag rechnet die Polizei mit deutlich mehr Teilnehmern.

© Foto: Hans-Joachim Winckler Im Januar 2021 protestierten bis zu 350 Gegner der Corona-Regeln in der Fürther Innenstadt – trotz eines Demo-Verbots, zu dem sich die Stadt entschlossen hatte. Am Samstag rechnet die Polizei mit deutlich mehr Teilnehmern.

Große Worte finden sich auf dem Flyer: Es soll ein Umzug sein für Frieden, Freiheit, Demokratie, von einer "Bürgerinitiative zur vollständigen Wiederherstellung unserer Grundrechte". Fettgedruckt ist aber auch noch ein anderer Hinweis: Es gelte "KEINE Maskenpflicht".

Nachdem Gegner der Corona-Maßnahmen am vergangenen Wochenende durch Neumarkt und Ansbach zogen, wollen sie sich an diesem Samstag nun in Fürth treffen. "Es reicht!", heißt es in dem Aufruf. Es ist die Rede von "planloser Politik", "Schikane" und "Bevormundung".

Angemeldet sei eine Versammlung mit 300 Teilnehmern, sagt Fürths Rechtsreferent Mathias Kreitinger auf Nachfrage. Doch nach den jüngsten Erfahrungen stellen sich Rathaus und Polizei auf 1000 bis 1500 ein. In Neumarkt waren 120 Teilnehmende erwartet worden, es kamen 2000. Viele davon waren nicht aus dem Ort; auch Mitglieder der rechtsextremen Kleinpartei "Dritter Weg" liefen mit. In Ansbach gingen statt der angemeldeten 250 rund 1500 Menschen auf die Straße.

Weil die Versammlungsfreiheit ein hohes Gut ist, müsse man den Organisatoren eine "adequate Möglichkeit" zur Durchführung der Demo bieten, erklärt Kreitinger, dabei aber "die Sicherheitsbelange von Stadt und Polizei, insbesondere Infektionsschutzaspekte" berücksichtigen. Konkret bedeutet das: Die Auftakt- und die Abschlusskundgebungen werden am Samstagnachmittag nicht wie von den Anmeldern zunächst gewünscht auf der Fürther Freiheit stattfinden, sondern auf einem Teil der Kleinen Freiheit. Ab 14.30 Uhr wollen sich die Protestierenden versammeln, um 17.30 Uhr soll die Veranstaltung enden. Die öffentlichen Parkplätze auf der Kleinen Freiheit werden in dieser Zeit nicht zur Verfügung stehen.

Nicht durch die Fußgängerzone

Aus "Infektionsschutzgründen" schied für die Stadt die große Freiheit aus. Am Adventssamstag seien dort viele Menschen unterwegs; es gebe wenig Ausweichmöglichkeiten, da die Fläche durch das Wöhrl-Gebäude, die Buslinie und den Wochenmarkt eingefasst sei.

Auch in Sachen Demonstrationsstrecke einigte man sich mit den Organisatoren auf einen Kompromiss: Sie werden über die Gebhardt- und Jakobinenstraße in die Südstadt (Herrnstraße) laufen und über die Schwabacher Straße und den Bahnhofplatz zurück zur Kleinen Freiheit. Dort ist daher zwischen 15 und 17.30 Uhr mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen. Ursprünglich hatten sie sich einen "Spaziergang" durch die Fußgängerzone und die westliche Innenstadt vorgestellt.

Mindestabstände sind Kreitinger zufolge einzuhalten, ebenso wie diverse andere Auflagen. So sind unter anderem Fackeln und Pyrotechnik verboten. Maskenpflicht herrscht bei der Demo nicht, jedenfalls nicht, solange es kein dichtes Gedränge gibt. Einen größeren Protest gegen die Corona-Maßnahmen gab es in Fürth Anfang des Jahres, damals versammelten sich rund 350 Menschen in der Innenstadt - trotz eines Demo-Verbots.

Kleeblatt auf dem Kundgebungsflyer

Für Unmut sorgt unterdessen ein kleines grünes Kleeblatt, das auf dem Kundgebungs-Flyer abgebildet ist – es handelt sich nicht um irgendein Kleeblatt, sondern um das Logo der Spielvereinigung Greuther Fürth. "Wir haben bereits einen Anwalt eingeschaltet und die Nutzung untersagt", sagt Vereinssprecher Immanuel Kästlen auf FN-Nachfrage.

Er ergänzt: "Unsere Haltung zum Thema Impfen sollte hinlänglich bekannt sein." So haben Trainer Stefan Leitl und Geschäftsführer Rachid Azzouzi schon fürs Impfen geworben. Und aktuell beteiligt sich die SpVgg an der großen Kampagne vieler Unternehmen in Deutschland, die ihre Slogans umgetextet haben. "Impf’n auf Fränkisch" heißt es nun auf den Kanälen der SpVgg – statt "Fußball auf Fränkisch".

Wie Stadtsprecherin Susanne Kramer jetzt berichtet, hat sich das Fürther Rathaus bereits im Herbst gegen die Verwendung des städtischen Logos in einem Aufruf von Gegnern der Corona-Politik gewehrt. "Das Logo hat da nichts verloren", sagt sie, "das ist ein klarer Rechtsverstoß." Damals war es bei einer überschaubaren Anzahl von Teilnehmenden geblieben. Die Anmelder wurden aufgefordert, die unerlaubte Nutzung zu unterlassen.