Corona in Fürth: Weniger Todesfälle, Mutation bei 47 Prozent

27.3.2021, 11:00 Uhr
Auch im Fürther Klinikum werden die Corona-Patienten jünger. 25 Covid-19-Fälle werden hier zurzeit behandelt, acht davon auf der Intensivstation.

Auch im Fürther Klinikum werden die Corona-Patienten jünger. 25 Covid-19-Fälle werden hier zurzeit behandelt, acht davon auf der Intensivstation. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen in Deutschland ist aktuell so hoch wie zu den Spitzenzeiten der ersten Welle im Frühjahr 2020. Mehr als 3300 Corona-Fälle werden auf den Intensivstationen behandelt, rund 1800 dieser Patienten werden beatmet, wie das Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) zeigt.

Corona aber hat sich verändert: Die Patienten auf den Intensivstationen werden jünger, berichtet das Robert-Koch-Institut. Es passt zu dem, was man im Fürther Klinikum erlebt. In der ersten Welle war hier das Durchschnittsalter der Covid-19-Patienten, die auf der Intensivstation versorgt wurden, 74,4 Jahre, in der zweiten 68,2. Momentan nimmt der Anteil derer, die unter 60 sind und in Fürth stationär oder intensivmedizinisch behandelt werden, weiter zu.

Auf der anderen Seite sind kaum mehr Menschen über 80 Jahre mit dem Virus infiziert. Das betonte Oberbürgermeister Thomas Jung am Freitag bei einem Pressetermin zur Corona-Lage und schlussfolgerte: "Der Impfstoff wirkt!"

Zwar hat sich die Zahl der positiv Getesteten innerhalb des zurückliegenden Monats in Fürth verdoppelt (von 173 am 26. Februar auf 353 am Freitag, 26. März), ebenso wie die Sieben-Tage-Inzidenz (von 73,9 auf aktuell 155,6). Doch gab es im gleichen Zeitraum "nur" drei Todesfälle. Zum Vergleich: Im Monat zuvor, vom 26. Januar bis zum 26. Februar, starben 35 Menschen.

Dass die Impfkampagne wirkt, sei das Einzige, was Grund zur Euphorie gibt, so der OB. Umso trauriger sei das schleppende Impftempo. Jung hofft auf den April: Angekündigt sei, dass drei bis vier Mal so viel Impfstoff geliefert werde. Dann könnten täglich statt 600 mehr als 2000 Menschen aus Stadt und Landkreis Fürth geimpft werden. "In zehn Tagen wären das 20.000 Menschen."


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Auch der Blick auf die Gesamtzahl der aktuell positiv Getesteten in Fürth zeigt, dass viele Jüngere betroffen sind: Die meisten Fälle (75) gibt es in der Altersgruppe 20 bis 29, dahinter folgen die 30- bis 39-Jährigen (57), die 40- bis 49-Jährigen (53) und die 50- bis 59-Jährigen (51).

39 Fälle sind bei den 10- bis 19-Jährigen verzeichnet, 26 Fälle bei Kindern bis 9 Jahre. Bei den 60- bis 69-Jährigen sind derzeit 34 Menschen nachweislich infiziert, bei den 70- bis 79-Jährigen 15, bei den 80- bis 90-Jährigen 5 und bei den über 90-Jährigen 4.

Die aggressivere britische Mutation macht inzwischen schon einen Anteil von 47 Prozent aus. Bei den Covid-19-Patienten, die im Klinikum behandelt werden, sind sogar 65 Prozent damit infiziert.

Auch wenn die Lage im Klinikum angespannt ist, müsse sich keiner Sorgen machen, versicherte Jung: Es gebe ausreichend freie Betten.

Hausärzte starten ohne Astrazeneca

Ab 1. April werden auch in Fürth die ersten Hausärzte mit dem Impfen beginnen, zunächst mit rund 20 Dosen pro Praxis – allerdings werden sie zum Start doch nicht das Vakzin von Astrazeneca erhalten, sondern das von Biontech/Pfizer. Der Bund stelle diesen zur Verfügung, in den folgenden Wochen werde auch Astrazeneca hinzukommen, hieß es auf FN-Nachfrage aus dem bayerischen Gesundheitsministerium.

Biontech/Pfizer liefere Anfang April die größten Mengen an Impfdosen, erklärte das Bundesgesundheitsministerium laut dem Nachrichtenmagazin Spiegel. Angesichts der geringen Liefermengen des britisch-schwedischen Herstellers wolle man zunächst die Zweitimpfungen mit Astrazeneca in den Impfzentren sicherstellen.

Dafür werden nun unverhofft 600 Dosen Astrazeneca ans Fürther Impfzentrum geliefert, das befürchtet hatte, zugunsten der Hausärzte erst mal auf Astrazeneca verzichten zu müssen. Das Zentrum kann aktuell mit den drei Impfstoffen mit etwa 560 Terminen am Tag planen. Auch über Ostern wird man hier keine Pause machen.

Elf Prozent sind erstgeimpft

Bisher haben 26.300 Menschen aus Stadt und Landkreis die erste Impfung bekommen, das sind elf Prozent der Bürger, und 12.067 die zweite (fünf Prozent).