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Corona-Krise: In Fürth starten mehrere Hilfsinitiativen

Kleeblattfans haben 120 Helfer zusammen - Stadt Fürth will Strukturen aufbauen - 22.03.2020 11:00 Uhr

„Fürther sind solidarisch!“: Unter diesem Motto bietet ein Zusammenschluss Nachbarschaftshilfe an © Foto: Hans-Joachim Winckler


Die Corona-Pandemie vereinzelt die Menschen und verbannt sie in ihr Zuhause. Zum Glück zwingt sie die Krise nur zur räumlichen Trennung – den Zusammenhalt nämlich wollen sich viele nicht rauben lassen. Das zeigt die Welle der Hilfsbereitschaft, die immer größer wird. Sie beginnt dort, wo erwachsene Kinder für ihre Eltern einkaufen gehen, um die Älteren vor einer Ansteckung zu schützen.

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Auch an die, die niemanden haben, wird gedacht: In Treppenhäusern hängen Zettel, auf denen Nachbarn ihre Unterstützung anbieten, in Facebook-Gruppen vernetzen sich Helfer und Hilfsbedürftige; die Facebook-Seite "Nordbayern hilft" unseres Verlags etwa hat schon mehr als 9000 Mitglieder. Und inzwischen haben sich auch in Fürth mehrere Initiativen gebildet, die organisiert anpacken wollen.

Seit einigen Tagen etwa hängen in der Süd- und Innenstadt weiß-grüne Plakate und Flyer in Apotheken, Arztpraxen und an Haustüren: "Fürther sind solidarisch!" heißt die Aktion, hinter der maßgeblich Fan-Gruppierungen der SpVgg Greuther Fürth stehen. Die Gruppen Horidos 1000, Stradevia 907 und Sportfreunde Ronhof haben sich dafür mit dem Fanprojekt, dem Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus, dem Infoladen Benario und der Antifaschistischen Linken zusammengetan.

"Wir sind alle von dieser neuartigen Pandemie überrollt worden", sagt Fabian Northmann für die Initiative. Klar war für alle, dass zivilgesellschaftliches Engagement jetzt besonders gebraucht wird. Auch andernorts in Deutschland, erzählt er, unterstützt die Fanszene in der Krise.

Rund 120 Helferinnen und Helfer hat die Gruppe schon gefunden, sie können anderen — ob es Alleinerziehende sind oder Angehörige der Risikogruppen — das Einkaufen, den Gang zur Post oder zur Apotheke abnehmen. Und so funktioniert’s: Montag bis Freitag sind von 12 bis 15 Uhr drei Telefonnummern freigeschaltet (für die Postleitzahl 90763: die Mobilnummer 0151/71728921; für die 90762 und 90765: 0151/71728879; für die 90766 und 90768: 0151/71728922). Über die Nummer bekommt man einen festen Helfer vermittelt.

Hamsterkäufe sind ausgeschlossen

Die Einkaufstüte — Hamsterkäufe sind ausgeschlossen — stellt er zum vereinbarten Zeitpunkt vor der Tür ab, das Geld für den Einkauf wird im Umschlag übergeben. Auch mit der Tafel ist die Initiative in Gesprächen. So hofft man, den Bedürftigen, die es am nötigsten haben, weiter Essen ausgeben oder liefern zu können.

Eine zweite große Initiative ist ab Montag über die Internetseite www.fuerther-helfen.de zu finden. Hier haben sich vier Partner zusammengeschlossen: die Evangelische Allianz (mit der Aktion "Hilf deinem Nächsten", die Facebook-Gruppe "Fürther helfen!" mit mehr als 900 Mitgliedern, das Freiwilligenzentrum und das Sozialreferat der Stadt. Man schaffe eine Plattform, um die vielfältigen Hilfsangebote zu bündeln und auf einen Blick abrufbar zu machen, sagt Sozialreferentin Elisabeth Reichert auf FN-Nachfrage.

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Auf der Internetseite können sich Helfer ebenso melden wie Hilfsbedürftige. Koordinatoren, die vom Freiwilligenzentrum geschult werden, sollen passende Paarungen zusammenbringen. Es kann um Besorgungen gehen, das Ausführen des Hundes oder ein Telefonat, um sich weniger einsam zu fühlen.


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Reichert ist es wichtig, dass hier gut funktionierende Strukturen entstehen. Sie baut dabei auf Erfahrungen auf, die Fürth sammelte, als viele Flüchtlinge in Notunterkünften zu versorgen waren. Zugleich, sagt Reichert, müsse die Hilfe diesmal anders sein, kleinteilig. Es sollen Menschen füreinander da sein, die im gleichen Stadtteil wohnen, damit die Wege kurz sind. Das Sozialreferat will auf der Seite auch auf weitere Hilfsangebote hinweisen und wird sie bei Wohlfahrtsverbänden, Stadtteilnetzwerken, Kirchen und Seniorenclubs bekannt machen.

Die Hochzeit muss warten

Das Freiwilligenzentrum schaltet ab Montag zudem eine Hotline (Tel. 2174782, Mo. 9.30 bis 18 Uhr, Di. bis Do. 9.30 bis 16 Uhr). Daneben gibt es die Hotline der Aktion "Hilf deinem Nächsten" der Evangelischen Allianz Fürth (95325118, täglich 8 bis 18 Uhr). Das Team um Lennart Gröhn von der Chapel Fürth macht zurzeit auch mit Flugblättern in der Südstadt auf sich aufmerksam.

Die Facebook-Seite "Fürther helfen!" wiederum hat Klaus Demant ins Leben gerufen. Seine Hochzeit musste er wegen Corona verschieben, in der Firma merkte er, dass Aufträge zurückgingen. Um das Gefühl des Zusammenhalts zu spüren, gründete er "Fürther helfen!". Und war rasch überwältigt von der Resonanz.

CLAUDIA ZIOB

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