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Corona-Todesfälle in Fürth: Vor allem Awo-Häuser betroffen

"Zufall und Pech": Fürther Heimleiter sieht keine strukturellen Zusammenhänge - 20.04.2020 18:45 Uhr

In der Awo-Seniorenbetreuung in Langenzenn sind inzwischen 21 Bewohner nach einer Corona-Infektion verstorben.

© Foto: Thomas Scherer


Während in der Stadt Fürth die Zahl der Menschen, die in Verbindung mit Covid-19 verstorben sind, übers Wochenende unverändert blieb, stieg sie im Landkreis weiter an: 45 Todesfälle verzeichnet das Landratsamt inzwischen, das sind acht mehr als noch am Freitagnachmittag. Bei allen Verstorbenen wurde das Virus nachgewiesen, sie litten allerdings auch unter Vorerkrankungen.


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Ein 87-jähriger Mann starb daheim. Die anderen Opfer lebten in Pflegeeinrichtungen im Landkreis. In und um Fürth hat sich das Virus vor allem in Häusern der Arbeiterwohlfahrt (Awo) ausgebreitet, mit schlimmen Folgen.

Stefan Siemens, Leiter des Fritz-Rupprecht-Heims in Burgfarrnbach, befürchtet, dass das, worauf er an sich stolz ist, "jetzt ein Fluch sein könnte": In dem Heim (211 Bewohner) leben knapp 50 rüstige Senioren. Ein ungewöhnlich hoher Anteil, erklärt Siemens, der auch das benachbarte Wohnstift Käthe Loewenthal leitet.

Als Ministerpräsident Söder am 13. März ankündigte, das Besuchsrecht in Heimen einzuschränken, reagierte Siemens sofort. Außenstehende hatten von da an prinzipiell keinen Zutritt mehr. Doch könne er Bewohnern nicht verbieten, das Haus zu verlassen. "Wir sind ja kein Gefängnis."

Kam das Virus mit den Senioren herein?

Mitarbeiter wiesen die Leute stets auf Abstandsgebot und Hygienevorschriften hin. Ob aber dies und der Appell, doch lieber daheim zu bleiben, immer auf Verständnis stößt, weiß Siemens nicht. Ein- und ausgehende Senioren aber könnten die Krankheit Covid-19 einführen.


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Von 45 Landkreisbewohnern, die mit dem Coronavirus infiziert waren und nun nicht mehr leben, wohnten 36 in Awo-Einrichtungen. Genauer: Das Haus in Langenzenn hat inzwischen 21 Todesfälle zu beklagen, Roßtal sieben und Cadolzburg acht. Von 22 Fürther Toten waren 18 im Fritz-Rupprecht-Heim untergebracht. Fatale strukturelle Zusammenhänge sieht Siemens aber schon deshalb nicht, weil jeder Awo-Kreisverband organisatorisch unabhängig ist und die genannten Häuser zu drei Verbänden gehören.

"Zufall und leider Pech"

Siemens glaubt, dass es "Zufall ist und leider Pech", wenn sich Sterbefälle in einem Heim häufen, während ein anderes verschont bleibt. Unter den 180 Bewohnern des Käthe-Loewenthal-Stifts gebe es bisher keinen Todesfall. Und: "Es wurde noch keine Corona-Infektion entdeckt."

Verantwortliche in Langenzenn hatten kürzlich das offene Betreuungskonzept als einen Faktor ausgemacht, der die Verbreitung des Virus begünstigt habe. Das Haus ist auch baulich auf Sozialkontakte ausgelegt, so dass insbesondere an Demenz Erkrankte in den Gemeinschaftsräumen Gesellschaft erfahren können. Zudem würden in dem Heim mit 113 Plätzen schwerst Pflegebedürftige betreut. Die Bewohner seien in Pflegeheimen in der Regel hochbetagt und sehr hinfällig. "Da muss man damit rechnen, dass sich Todesfälle konzentrieren, wenn so ein Virus grassiert", sagte Robert Schneider, Geschäftsführer der Awo Neustadt/Aisch-Bad Windsheim als Betreiber der Einrichtung, vor 14 Tagen.


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hbi, heh

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