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Freitag, 04.12.2020

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Davide Grisolia boxt sich durch

Der junge Roßtaler Filmemacher hat sein neues Werk "Die Nacht in mir: Anbeginn" vollendet - 25.02.2015 14:00 Uhr

Zwei Fäuste gegen die Mafia: Markus Herbst spielt den blinden Boxer Sam in "Nacht in mir: Anbeginn", zu sehen am kommenden Sonntag im Babylon.

25.02.2015 © Film


Seit einem Autounfall ist Sam (gespielt von Markus Herbst) blind. Dennoch hat er seinen Lebenstraum nie aufgegeben: Boxer zu werden. Ein solches Talent fällt schließlich sogar der Polizei auf, die Sam darum bittet, den Lockvogel in einem schwierigen Fall zu spielen: Als lebender Köder soll er den Mafiapaten Don Laurenti in eine Falle locken.

Der einstündige Thriller „Die Nacht in mir: Anbeginn“ ist das Werk des 21-jährigen Roßtalers Davide Grisolia. Der Student an der Nürnberger Ohm-Hochschule produzierte damit seinen zweiten Langfilm – und blieb seinem Lieblingsthema treu.

Bereits 2012 drehte er — die FN berichteten — den ersten Film über den blinden Boxer Sam. „Und eigentlich sollte dieser Streifen auch Teil 2 werden“, erinnert sich Grisolia. „Doch nachdem bereits ein paar Wochen lang gedreht worden war, sprang mir der Hauptdarsteller ab, und ich musste unterbrechen.“ Das Projekt aufzugeben, schien keine Alternative: „Ich hatte über 120 Schauspieler, dazu Sponsorengelder der Sparkasse und vom Markt Roßtal.“

So entschloss er sich, die Geschichte noch einmal ganz neu zu beginnen. Mit Markus Herbst fand er einen neuen Hauptdarsteller, mit dem er die Geschichte von Sam ein zweites Mal anpacken wollte. Doch da gab es ein Problem: „Markus ist älter – und dunkelhäutig! Und ich hatte schon Sams Kindheits-Erinnerungen abgedreht, die von einem hellhäutigen Jungen gespielt wurden.“ Was tun? „Der Junge wäre natürlich total traurig gewesen, hätte ich ihn nicht mehr vorkommen lassen.“ Deshalb bearbeitete Grisolia das Material digital und verstärkte den Kontrast, so dass jetzt auch der kleine Sam ein dunkelhäutiger Sam ist.

Auch sonst wurde viel improvisiert: „Am Ende flog das Drehbuch ganz in die Ecke, und jeden Tag entstand etwas Neues. Das war eine sehr spannende und inspirierende Art, einen Film zu machen.“ Doch das dicke Ende sollte erst noch kommen: Nachdem der Film endlich im Kasten war, stellte der Jungregisseur fest, dass 85 Prozent des Tons aus technischen Gründen unbrauchbar waren. Ein Alptraum.

„Drei Monate lang saß ich dann daheim und hab’ den Film nachvertont, habe Schritte aufgenommen, gelacht, geatmet und geschrien. Meine Mutter dachte schon, ich sei schizophren geworden.“ Das Ergebnis dieser wahnwitzig wilden Produktionsgeschichte kennt momentan auch nur Davide Grisolia selber: „Nicht einmal der Hauptdarsteller weiß genau, was im Film alles passiert!“ Umso spannender dürfte die Premiere werden: An diesem Sonntag zeigt das Babylon-Kino im Stadtpark (Nürnberger Straße 3) „Die Nacht in mir: Anbeginn“ (freigegeben ab 12 Jahren) um 17, 18.30 und 20 Uhr.

PETER ROMIR

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