Denkmalprämierung 2020: Das sind die Preisträger aus der Stadt und dem Landkreis Fürth

17.3.2020, 18:29 Uhr
Die Scheune aus dem 18. Jahrhundert gehört zum alten Ortskern von Poppenreuth. Dort war sie typischerweise Teil eines Bauernhofes. Inzwischen steht das Bauwerk jedoch inmitten des umgebenden Straßenverkehrs. Nicht nur dadurch entstanden erhebliche Schäden am Denkmal. Die Insellage erschwert auch die Suche nach einer geeigneten Nutzung. Bürgerverein und Kirche versuchen seit längerem, ein Konzept für eine sog. Bürgerscheune zu ermitteln. Zukunftsweisend richtete die Stadt ihre Scheune nun für eine mögliche Nutzung her. 
Hierbei wurden zuerst statische Schäden an Gründung und Tragwerk behoben. Die Gründung unterfing man mit Beton und Ziegeln. Das Fachwerk wurde gereinigt, repariert und teilweise erneuert. Einige Gefache mussten ebenfalls neu aus gemauert und stellenweise der Putz ausgebessert werden. Anschließend wurde das Fachwerk mit Leinölfarben neu gestrichen. Die Farbfassung ging dabei auf eine Befunduntersuchung zurück. Tore und Türen wurden schließlich neu verschalt. Text: Saskia Müller
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Fürth, Poppenreuther Straße 119

© Saskia Müller

Für eine Wiederbelebung der alten Scheune ist diese gelungene Wiederherstellung ein wichtiger Schritt. Auch das Ortsbild hat dank der Herrichtung deutlich gewonnen. Bleibt zu wünschen, dass dem Denkmal nicht nur neue Farbe aufgelegt wurde, sondern bald eine Lösung für eine nachhaltige Weiterentwicklung gefunden wird! Text: Saskia Müller
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Fürth, Poppenreuther Straße 119

© Saskia Müller

Der Eingangsbereich des neobarocken, 1895/95 erbauten Mietshauses wurde mit seinen Blendarkaden, Supraporten und Sockellambris üppig gestaltet. Zuletzt erschien die Durchfahrt allerdings wenig repräsentativ. Stattdessen gaben gealterte und verschmutzte Oberflächen aus den 1960er Jahren, die teilweise schon Risse aufwiesen oder sich ablösten, ein klägliches Bild ab. Ihre neue wirkungsvolle Gestalt verdankt die Durchfahrt der jüngst erfolgten vorbildlichen Restaurierung ihrer Oberflächen. Text: Saskia Müller
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Fürth, Königswarterstraße 66, Eingangsbereich

© Saskia Müller

Die alten Dispersions- und Lackanstriche sowie die Tapetenlage wurden hierzu abgenommen. Der Untergrund wurde vorbereitet und verbessert. Die mehrfarbige Neufassung entspricht heute der befundeten Erstfassung und wurde in Mineraltechnik ausgeführt. Die hölzernen Sockellambris wiederum erhielten eine holzimitierende Lasur in Öltechnik. Auch die Hoftür wurde ertüchtigt. Hier stellte man die ursprüngliche Holzoberfläche wieder her und versah die Tür mit einer transparenten Schutzlasur auf Leinölbasis. 
Für das Mietshaus, das zu seiner Erbauungszeit auf einen hohen Wohnstandard ausgelegt war, erweist sich die Rekonstruktion seines Eingangsbereiches als besonders glücklich. Im Vergleich mit dem vorherigen Zustand präsentiert sich die Durchfahrt heute wieder sehr herrschaftlich. Text: Saskia Müller
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Fürth, Königswarterstraße 66, Eingangsbereich

© Saskia Müller

Die traditionsreiche Gaststätte „Grüner Baum“ darf, zumindest das Vorderhaus betreffend, als einziges Gebäude der Fürther Altstadt gelten, für das Bauphasen aus der Zeit vor 1630 belegt sind. Nachgewiesen werden konnte zudem, dass das Gasthaus, das durchgängig als solches betrieben wurde, bereits in den Jahren 1847/48 noch um ein Saalgebäude und ein Hinterhaus erweitert wurde. Anlass für die jüngste, längst überfällige Sanierung des riesigen Gasthauskomplexes war nach durchwachsener Geschichte die abermalige Übergabe an einen neuen Pächter. Text: Saskia Müller
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Fürth, Gustavstraße 34/Obere Fischerstraße 1

© Saskia Müller

Im Vorfeld der Sanierung wurden zahlreiche neuzeitliche Verkleidungen rückgebaut. Beauftragt wurden außerdem eine dendrochronologische sowie eine restauratorische Untersuchung und eine baugeschichtliche Dokumentation. Auf Grundlage der daraus gewonnen Erkenntnisse veranlasste man eine Wiederherstellung der Fassade. Insbesondere ist allerdings auf die Rekonstruktion der beiden Gaststuben im Vorderhaus und des ehemaligen Tanzsaals im Saalgebäude einzugehen. Text: Saskia Müller
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Fürth, Gustavstraße 34/Obere Fischerstraße 1

© Saskia Müller

Vorbildlich wurde in der alten Gaststube des Erdgeschosses die historische Lehmstakendecke restauriert. Ebenso beispielhaft richtete man die noch vorhandene Spunddecke in der Gaststube des Obergeschosses her und bildete die dort in Teilen erhaltene Schablonenmalerei nach. Genauso erhielt auch der ehemalige Tanzsaal durch die Freilegung seiner Galerie, genauer der gusseisernen Stützen und Geländer, seine ursprüngliche Gestalt zurück. 
Schließlich erfuhr der „Grüne Baum“, im Besonderen seine Gasträume, eine erfolgreiche Aufwertung. Dank der zahlreichen Maßnahmen kann das Denkmal als geschichtsträchtiges Gasthaus weiter geführt werden. Auch für in Zukunft wird es in der beliebten Fürther Gustavstraße einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Text: Saskia Müller
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Fürth, Gustavstraße 34/Obere Fischerstraße 1

© Saskia Müller

Beim ehemaligen Schulhaus handelt sich um einen zweigeschossigen Sandsteinquaderbau mit zwei Flügeln. Die traufständige Schauseite mit fünf Fensterachsen sowie Zwerchhaus und Haupteingang ist der stark befahrenen Hauptstraße zugewandt. Im 90 Grad Winkel dazu schließt sich ein Anbau mit separatem Eingang an – der Grund, weshalb das Gebäude unter zwei Adressen firmiert. Prägend für das Gebäude sind seine harmonische Sandsteinfassade und die Treppengiebel, die die Satteldächer beider Flügel und das Zwerchhaus säumen.
Vor über einem Jahrzehnt war das städtische Gebäude generell renovierungsbedürftig geworden. Schäden gab es an vielen Stellen, besonders am Dach. Die Stadt nahm an 2008 zunächst eine großangelegte Dachsanierung in Angriff, bei der der historische Dachstuhl und die bauzeitlichen Gauben erhalten bleiben konnten. Auch die charakteristischen Stufengiebel wurden instandgesetzt. Gleichzeitig hat man das Dachgeschoss ausgebaut und einer Büronutzung zugeführt. Ins Dach gelangt man über ein Treppenhaus mit Zugang von der Alexanderstraße, das ebenfalls saniert wurde. Hier hat man verkachelte Oberflächen und die bauzeitliche Holztreppe ertüchtigt. Ins Obergeschoss wurden passende, bleiverglaste Holzfenster eingefügt. 
Im Erdgeschoss aber blieben die störenden Schaufenster weiterhin bestehen.  Nachdem etwa zehn Jahre später der Mieter ausgezogen war, konnte ab 2018 ein zweiter Bauabschnitt umgesetzt werden, bei dem man sich den Räumen im Erdgeschoss zuwandte. Wegen der intensiven Nutzungen war außer einem Gewölbekeller mit Zugangstreppe kaum noch Bauzeitliches erhalten. Dieser wurde vorbildlich trockengelegt und saniert, um hier denkmalschonend bautechnische Anlagen unterzubringen.
Bei der Einrichtung der modernen Büroräume kamen durchwegs denkmalverträgliche Materialien zum Einsatz. Die augenfälligste Veränderung bewirkte der Rückbau der straßenseitigen Schaufenster zu Fensteröffnungen in passender Größe und der Einbau hochwertiger, bleiverglaster Sprossenfenster. Glücklicherweise konnte man sich für deren Zuschnitt an einer historischen Postkarte aus der Zeit um 1930 orientieren. Dieser letzte Schritt einer umfassenden Maßnahme hat dem Gebäude wieder sein nahezu bauzeitliches Erscheinungsbild zurückgegeben. Das historische Zentrum der Stadt profitiert sehr davon. Text: Julia Krieger
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Stein, Hauptstraße 26/Alexanderstraße 1

© Julia Krieger

Im 19. Jahrhundert erfuhr die damalige Gemeinde Stein unter der prosperierenden Bleistiftindustrie großen Aufschwung, der sich heute noch in der baulichen Substanz des historischen Zentrums nachvollziehen lässt. Vieles ist hier geprägt vom Einfluss der Familie Faber, die die Errichtung vieler Bauten unterstützt hat. 
Noch bevor die evangelische Kirche 1861 eingeweiht wurde, hat die Gemeinde 1858 das benachbarte Schulhaus erbauen lassen. Grund und Boden hat Lothar von Faber gestiftet. Nachdem 1884 aufgrund der wachsenden Schülerzahlen ein neues Schulhaus nötig geworden war, diente der Bau als Rathaus. Später folgten wechselnde Nutzungen – als Bücherei, als Vereinsheim, für Wohnzwecke. Zuletzt war ein Schuhladen hier untergebracht. Text: Julia Krieger
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Stein, Hauptstraße 26/Alexanderstraße 1

© Julia Krieger

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