Der Wunschzettel für die Wache wird länger

5.2.2019, 06:00 Uhr
Eine Immobilie im Blickpunkt: Die Begehrlichkeiten für die historische Feuerwache am Helmplatz, die im nächsten Jahr frei wird, nehmen stetig zu.

Eine Immobilie im Blickpunkt: Die Begehrlichkeiten für die historische Feuerwache am Helmplatz, die im nächsten Jahr frei wird, nehmen stetig zu. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Transparenz und Mitsprache: Das wünschen sich die Mitglieder von "Fürth-Ort" von der Stadtspitze auf dem womöglich langen Weg bis zur Entscheidung darüber: Wer darf sich einmal in den Räumen einquartieren, die die Feuerwehr nach ihrem Auszug im Jahr 2020 hinterlässt? Die Chance, im Herzen der Stadt eine Art Bürgerzentrum, Platz für Kreativität und Engagement zu bekommen, will man nicht verstreichen lassen.

Um Transparenz hat sich die Initiative, zu der sich mehr als 20 Vereine und Gruppen – viele davon mit einem Fokus auf nachhaltiges Handeln – zusammengeschlossen haben, nun auch selbst bemüht: In der Grünen Scheune von St. Michael lud "Fürth-Ort" zum Austausch, rund 100 Menschen nahmen die Einladung an.

"Alle Ideen sollten mal auf den Tisch kommen", sagt Florian Friedrich, der sich im Verein Bluepingu engagiert. Vertreter der "Aktion Protestgarten", die für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum kämpfen, entdeckte man im Publikum ebenso wie einige Stadträte, die sich offenbar ein Bild vom Geschehen machen wollten.

Auch zwei Experten, die von ihren Erfahrungen berichteten, hatten die Organisatoren dazu geholt: Johanna Schäfer, die in Bonn das BonnLab ins Leben gerufen hat, und Bertram Schulze, verantwortlich für die Entwicklung des Areals "Auf AEG" in Nürnberg. Beide zeigten sich überzeugt davon, dass Fürth am Helmplatz etwas Besonderes schaffen könnte, nah an der Stadt und an der Natur.

Wenn man Bürgern kostenfrei oder für eine geringe Miete Fläche überlässt, "dann entsteht ganz schnell etwas", glaubt Johanna Schäfer. Noch als Studentin hatte sie das BonnLab gegründet, das Bürger ermuntert, Stadtentwicklung mitzugestalten. Anfangs standen ihr mietfrei Räume zur Verfügung, erzählt sie, rasch wurden sie genutzt für Treffen, Konzerte, Ausstellungen . . . Das habe die Stadt lebendiger gemacht.

Die Pinnwand in der Grünen Scheune, an der Ideen für die künftige Nutzung des Areals am Helmplatz hinterlassen werden konnten, war am Ende ein buntes Zettelmeer. Raum wird unter anderem gewünscht für: Theater, Lebensmittelretter, Coworking, Werkstätten, Ateliers und Probenräume, für Vereine wie Fürth Wiki, ADFC oder das Sozialforum, für ein Menschenrechtsbüro, integrative Kinderbetreuung, für benachteiligte oder diskriminierte Menschen, für jugendliche Kreativität, eine ökologische Mobilitätszentrale, eine "Speakers’ Corner", also für Meinungsäußerung und Diskussion; dazu für die kunst galerie und Ausstellungen der Fürther Kunstfreunde. Angeregt werden auch ein Café, ein Night Market und ein "Biergarten, nicht klassisch fränkisch". "Was Cooles halt", wie eine Frau sagt.

Erstmals vor Ort

Eine Kerngruppe von "Fürth-Ort" will sich nun Gedanken machen, wer sich mit wem Räume teilen könnte. Hilfreich dürfte ein Termin in dieser Woche sein: Erstmals werden sich Mitglieder von "Fürth-Ort" in der Wache umsehen. Man will vorbereitet sein – auch wenn noch völlig unklar ist, ob die Stadt am Helmplatz ein Bürgerzentrum verwirklichen möchte und sich die erste Enttäuschung schon angekündigt hat. Wo sich Grüppchen unterhielten, hörte man an dem Abend auch diese Befürchtung: dass die Stadtspitze eine rasche Zwischennutzung der freiwerdenden Gebäude womöglich schon deshalb nicht will, weil es schwer wäre, den Akteuren das Quartier irgendwann wieder wegzunehmen.

Oberbürgermeister Thomas Jung hatte in der letzten Stadtratssitzung deutlich gemacht, dass er eine Übergangslösung für die Feuerwache angesichts des immensen Modernisierungsbedarfs für wenig realistisch hält – und man vermutlich besser gleich Geld in die Generalsanierung stecken sollte. Wie berichtet, will die Stadt eigens eine Fachkraft einstellen, die den Sanierungsaufwand für Wache und Eichamt untersucht. Versprochen hat das Rathaus bereits, die Frage, wer einziehen darf, in einem "geordneten Prozess" mit einem externen Moderator zu klären.

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