Ein Humbser, bitte! Alte Fürther Biermarke wagt Neustart

25.10.2018, 06:00 Uhr
Das neue Humbser spielt laut Tucher-Chef Fred Höfler

Das neue Humbser spielt laut Tucher-Chef Fred Höfler "in einer ganz anderen Liga": Vom Niveau und deshalb auch vom Preis her sei es eher mit ihrem Grüner vergleichbar. © Giulia Iannicelli

Herr Höfler, ist das neue Humbser wirklich neu - oder einfach nur Tucher-Bier in anderen Flaschen?

Höfler: Es ist wirklich ein ganz neues Bier. Aber bevor Sie mich das fragen: Es gibt kein Originalrezept aus den 60er Jahren wie beim Grüner. Wir haben allerdings - durch Gespräche mit unseren alten Brauern - sehr wohl versucht, das alte Humbser Export, wie es bis 1972 gebraut wurde, nachzuahmen. Gleichzeitig geben wir ihm eine völlig neue Note, in dem wir es unfiltriert belassen.

Das heißt?

Höfler: Es wird dadurch süffiger. Die Filtration holt ja nicht nur Hefe oder Trübungsstoffe aus dem Bier, sondern zwangsläufig auch Geschmacksstoffe. Unfiltrierte, also naturtrübe Kellerbiere sind gerade sehr beliebt.

Das zuvor von Ihnen eher nebenbei verkaufte alte Humbser Export und das Pils haben Sie dafür vom Markt genommen.

Höfler: Ja, das haben wir im März 2018 eingestellt.

Vermisst es jemand?

Höfler: Nein. Mich hat kein einziger Brief des Bedauerns erreicht. Es stammte noch aus Patrizier-Zeiten, war nur für den Handel bestimmt, hatte aber ein gutes Preis-Leistungsverhältnis.

Das neue Humbser ist eine ganze Ecke teurer...

Höfler: Das spielt aber auch in einer ganz anderen Liga. Vom Niveau und deshalb auch vom Preis her ist es eher mit unserem Grüner vergleichbar.

Bei der Rückkehr von Grüner gab der Wunsch einiger Wirtsleute den Ausschlag. Wer spielte diesmal die entscheidende Rolle?

Höfler: Ganz einfach die Tatsache, dass die Familie Streng vorhatte, eine Gaststätte in das alte Humbser-Sudhaus zu bauen. Ich war wegen des riesigen Aufwands skeptisch, ob das gelingt, aber dort ist wirklich ein unvergleichlicher Ort entstanden. Es ist einfach schön, dass in diesem Lokal, das nun "Humbser & Freunde" heißt, auch Humbser-Bier ausgeschenkt wird.

Aber die Markenrechte liegen weiter bei Tucher?

Tucher-Chef Fred Höfler braucht kein „Marketing-Chichi“.

Tucher-Chef Fred Höfler braucht kein „Marketing-Chichi“. © Foto: Winckler

Höfler: So ist es. Wir haben dem Sudhaus die Nutzungsrechte in Verbindung mit der Gaststätte eingeräumt.

Sie haben das neue Humbser-Bier bislang so gut wie gar nicht beworben. Spielt da die Erfahrung aus der Grüner-Wiederbelebung eine Rolle? Grüner wurde ohne Werbung zum Bestseller.

Höfler: Das war damals auch für uns eine ganz neue Erfahrung. Früher hast du ja für jedes neue Produkt eine Marketingstrategie gebraucht. Aber tatsächlich ist das Bauchgefühl der Menschen entscheidend, die Sehnsucht nach der vermeintlich guten alten Zeit. Deshalb verzichten wir auch jetzt wieder auf jedes Marketing-Chichi und darauf, den Menschen irgendeine Markenwelt in die Köpfe zu hämmern.

Grüner dadurch in Gefahr?

Läuft das neue Humbser dem Grüner bald den Rang ab?

Höfler: Nein, das wird nicht annähernd so eine Erfolgsgeschichte werden. Grüner trinkt man längst auch in Berlin, an der Nord- und an der Ostsee. Daran wird das Humbser nicht anknüpfen können, allein schon weil es unfiltriert ist, was nicht nach jedermanns Geschmack ist. Aber in Fürth und Umgebung haben wir damit anscheinend einen Nerv getroffen.

Die Nachfrage ist groß?

Höfler: Ja. Am Sonntag bekam ich eine SMS aufs Handy mit der Nachricht, dass im "Humbser & Freunde" das Humbser ausgegangen ist. Da hatten sie offenbar nicht genug bei uns bestellt.

Wie würden Sie den Geschmack des Humbser-Biers beschreiben?

Höfler: Vollmundig mit einem leicht süßlichen Abgang. Für mich als Hardcore-Pilstrinker, der es also eher hopfiger mag, ist das tatsächlich gewöhnungsbedürftig.

Wo gibt es das Humbser zu kaufen?

Höfler: Als Fassbier nur im "Humbser & Freunde". Das wird erst einmal so bleiben. Damit wollen wir den Mut dieser drei jungen Leute belohnen, die an diesem besonderen Ort als Wirtsleute eingestiegen sind. Weil die Absatzmenge dort aber zu gering ist, so kleine Sudgefäße haben wir ja gar nicht, haben wir beschlossen, es auch als Flaschenbier in den Handel zu geben. Mittlerweile steht es in fast jedem Getränkemarkt der Region.

Was verbinden die Fürther heute noch mit Humbser?

Höfler: Es ist erstaunlich, wie viele Menschen sich noch daran erinnern. Ich weiß, dass das Verhältnis der Fürther zu Humbser ambivalent war und nicht nur positiv besetzt wie bei Grüner. Aber wenn man ehrlich ist, muss man sagen, was war das früher für ein tolles Unternehmen!

Das Humbser & Freunde verkauft ja nicht nur Humbser, sondern viele andere Biere - von Pyraser bis Schanzenbräu. Hat Tucher kein Problem damit?

Höfler: Überhaupt nicht. Das ist ein so herrlich gemachtes Gasthaus. Das war es wert, eine alte Marke wieder auferstehen zu lassen.

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