Entscheidung im Tauziehen ums Fürther Schliemann-Gymnasium steht an

19.12.2016, 06:00 Uhr
Das Luftbild aus Google Earth zeigt in der Mitte die Wache, die in etwa zwei Jahren von der Feuerwehr geräumt wird und dann als Erweiterung für das Gymnasiums denkbar wäre. Dessen bisherige Gebäude erstrecken sich rechts daneben bis hinunter zur Pegnitz.

© Google Earth Das Luftbild aus Google Earth zeigt in der Mitte die Wache, die in etwa zwei Jahren von der Feuerwehr geräumt wird und dann als Erweiterung für das Gymnasiums denkbar wäre. Dessen bisherige Gebäude erstrecken sich rechts daneben bis hinunter zur Pegnitz.

Wenn Klaus Madinger über seinen Entwurf spricht, ist ihm die Begeisterung anzumerken. „Schliemann-Campus“ ist der Arbeitstitel für das, was sich der Architekt ausgedacht hat, um dem Innenstadt-Gymnasium eine Zukunft am althergebrachten Standort zu ermöglichen. „Eine einmalige Chance“ sieht Madinger, selbst Vater einer Schliemann-Schülerin, hier etwas Einzigartiges zu entwickeln.

Seine Idee: Fünf Gebäude – das historische Schulhaus an der Königstraße, der neuere Schliemann-Trakt dahinter, die in den nächsten Jahren freiwerdende Feuerwache nebenan, ein daran andockender Neubau zum Hemplatz hin und das Helmschulhaus dahinter — werden miteinander verbunden. Dadurch, so Madinger, entsteht der nötige Raum – und in der für herkömmliche Klassenzimmer nicht geeigneten Feuerwache könnten eine großzügige Aula mit Mensa, Räume für den musischen Unterricht und die Verwaltung untergebracht werden.

„Wunderschöne Skizze“

In professionellen Visualisierungen und 3-D-Darstellungen hat Madinger das ausgearbeitet, zusammen mit Mitstreitern aus der Elternschaft an der Schule warb er mehrfach dafür. Auch Bürgermeister Markus Braun, als städtischer Schulreferent zuständig für die Causa Schliemann, hat Madingers Entwürfe gesehen, und er bekennt auf Anfrage der Fürther Nachrichten ohne Zaudern: „Das ist eine wunderschöne Ideenskizze.“

Die Visualisierung des Architekten Klaus Madinger zeigt, wie er sich seinen "Schliemann-Campus" vorstellt: mit einem Neubau (weiß)  hinter der Feuerwache zum Helmplatz hin und überdachtem Atrium im Zentrum der verschiedenen Gebäudeteile.

Die Visualisierung des Architekten Klaus Madinger zeigt, wie er sich seinen "Schliemann-Campus" vorstellt: mit einem Neubau (weiß) hinter der Feuerwache zum Helmplatz hin und überdachtem Atrium im Zentrum der verschiedenen Gebäudeteile. © Entwurf: Klaus Madinger

Aber eben auch nicht mehr, wie er hinzufügt. In der Praxis seien gerade derartige Umbauten in denkmalgeschützter Altsubstanz „mit vielen Unwägbarkeiten“ verbunden, in der Regel ließen sie „sich nicht eins zu eins umsetzen“.

Das, sagt Braun, habe er gerade am Beispiel der Grundschule Rosenstraße wieder sehen können, „einem Abenteuer“. Immer wieder sei man auf völlig unerwartete Probleme gestoßen, erheblich verzögert habe sich die Sanierung. „Himmelangst“ werde ihm da beim Blick aufs Schliemann-Gymnasium. „Das ist so verschachtelt auf engstem Raum, das ist hochkomplex“, warnt der Bürgermeister.

Deshalb bleiben er und die Stadtspitze bei ihrer Haltung: Ein Neubau „aus einem Guss“ erspare nicht nur derlei Schwierigkeiten, sondern auch, dass eine ganze Schülergeneration unter Baulärm zu leiden habe. Letzteres, hält Architekt Madinger dagegen, vermeide sein Konzept durch sukzessive Sanierung und Bau, durch geschickte Rochaden zwischen den Trakten. Eine Belastung aber, beharrt Braun, bleibe immer.

Diese Argumente haben offenbar auch am Gymnasium selbst Wirkung gezeigt – denn die so oft zitierte Schulfamilie hat Farbe bekannt. Schon früh sprach sich, wie berichtet, die Schulleitung klar für den Neubau auf dem Wolfsgruberareal aus, laut einer internen Umfrage sind nun auch 65 Prozent des Kollegiums dafür. Bei den Schülern stimmten 44 Prozent für den Neubau, 42 Prozent für den Verbleib. Bei den Eltern ergab sich – bei einer allerdings unfassbar geringen Beteiligung von nur 19 Prozent der Befragten – eine knappe Mehrheit für die Altbauvariante.

In einer Bewertung der Schulleitung, die dem Rathaus zuging, heißt es: „Der Stadtrat möge daher beschließen, dass dem Wunsch der Schulfamilie nachgekommen wird und der zukünftige Standort des Heinrich-Schliemann-Gymnasiums an der Wolfsgrubermühle liegt.“ Für OB Thomas Jung ist das ein klares Signal, denn er hat stets postuliert: Entscheidend sei eben dieses Votum der Schule.

Die Drohnenaufnahme zeigt rechts unten den mächtigen Klinkerbau der Wolfsgrubermühle, neben dem der Neubau entstehen soll. Etwa in der Bildmitte und links davon sind die bisherigen Gebäude des Gymnasiums und die benachbarte Feuerwache zu sehen, die als Erweiterung dienen könnte.

Die Drohnenaufnahme zeigt rechts unten den mächtigen Klinkerbau der Wolfsgrubermühle, neben dem der Neubau entstehen soll. Etwa in der Bildmitte und links davon sind die bisherigen Gebäude des Gymnasiums und die benachbarte Feuerwache zu sehen, die als Erweiterung dienen könnte. © Skyling/Tobias Dotzauer

Doch ist das Wolfsgruberareal überhaupt geeignet?, fragen die Gegner aus dem Lager der Traditionalisten und werfen der Stadt vor, dies zu wenig abgeklopft zu haben. Markus Braun widerspricht: Alle Rahmenbedingungen, die man vor dem – noch nicht erfolgten – Kauf des Geländes habe prüfen können, seien geprüft worden. Flächengröße etwa, Abstandsflächen, Hochwasserschutz und auch, ob die Zufahrt von der sehr viel höher gelegenen Henri-Dunant-Straße aus möglich sein wird. Ist sie, versichert Braun; andere zweifeln das vehement an.

Profit im Visier?

Und dann wäre da noch die Sache mit den Motiven der Stadt. Sie wolle sich Schliemann-Altgelände und Feuerwache unter den Nagel reißen, wird gemunkelt, weil sie ein neues, schickes Wohnquartier dort schaffen möchte – mit sattem Profit für die Stadtkasse. „Unsinn“, sagt Braun, der keineswegs verhehlt, dass es „hochattraktiv wäre, das Areal zu entwickeln“; von einem „schönen Nebeneffekt“ spricht OB Jung.

Ein Geschäft aber sei das für die Kommune keinesfalls, denn der Erlös werde in etwa die Kosten für den Grundstückserwerb an der Wolfsgrubermühle decken. Insgesamt komme ein Neubau in etwa so teuer wie eine Renovierung im Altbestand.

Mit 25 bis 30 Millionen Euro sowie acht bis zehn Jahren Planungs- und Bauzeit rechnet die Stadt. Und unter dem Strich, betonen Braun und Jung unisono, zähle unabhängig von allen Zahlen und Spekulationen nur eines: „Was das Beste für die Schule ist.“

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