Erhard-Exponate ziehen ins Stadtmuseum

18.5.2011, 13:00 Uhr
Feuer frei: Olav Bakstad (li.) schenkt Museumsleiter Martin Schramm Gegenstände aus Ludwig Erhards Privatbesitz, die er auf einer Nachlassversteigerung 1997 erstand — darunter eine Zigarre im XXL-Format.

Feuer frei: Olav Bakstad (li.) schenkt Museumsleiter Martin Schramm Gegenstände aus Ludwig Erhards Privatbesitz, die er auf einer Nachlassversteigerung 1997 erstand — darunter eine Zigarre im XXL-Format. © Hans-Joachim Winckler

Dieser Stumpen könnte mühelos die Lungenflügel einer kompletten Fußballelf teeren: Eine rund 40 Zentimeter lange, knackwurstdicke Zigarre aus kubanischer Manufaktur, sorgfältig und wie eben erst gekauft in Zellophan verpackt, zählt zu den Attraktionen unter den neuen Erhard-Exponaten des Stadtmuseums. Olav Bakstad heißt der Mann, der mit seiner generösen Tat dem Haus in der Ottostraße neuen Glanz beschert.

Der bald 69-Jährige, der seit einigen Jahren in München lebt, kam 1941 als Kriegsflüchtling aus dem Baltikum nach Fürth. Hier begann er, der als Kaufmann in der Pelzindustrie tätig war, sich für den Wirtschaftswundermann und ausdauernden Zigarrenraucher — Durchschnittskonsum: 15 bis 20 Stück pro Tag — zu begeistern.

Privates vom Tegernsee

Bei einer Nachlassversteigerung 1997 in München schlug Bakstads Stunde; er bot eifrig mit und ergatterte persönliche Gegenstände und Erinnerungsstücke aus Ludwig Erhards Haus in Gmund am Tegernsee. Bis neulich lag daheim in Bakstads Vitrine, was nun als Schenkung den Fürthern in die Augen fallen soll. Die Kinder und Enkel des Erhard-Fans Bakstad interessiert nämlich weder der Stumpen brennend noch die Sammlung an Zigarrenschneidern und -etuis. Lachender Dritter: Stadtmuseumschef Martin Schramm.

„Als ich im Vorjahr von der Eröffnung des Museums hörte“, so Bak-stad, „beschloss ich, dem Haus meine Erhard-Exponate zu schenken.“ Darunter sind ein Fotoalbum zur Erinnerung an den Besuch des Bundeskanzlers am 22. November 1964 in seiner Heimatstadt („Ich möcht’ mal wieder ein unbekannter Fürther sein“), eine Lederschatulle aus der Hand des Ersten Mannes (1963—1969) der USA, Lyndon B. Johnson, versehen mit dem Präsidentensiegel, ein Kunstband mit persönlicher Widmung des Malers Oskar Kokoschka zu Neujahr 1960 sowie — kurios, aber wahr — ein goldener Erhard-Backenzahn, der sich in einer hölzernen Schatulle aus dem Gmunder Haus versteckt hatte. Nur bei ei-nem Hit aus dem Gmunder Nachlass musste Bakstadt passen. „Einen weißen Hut, den ich zu gern gehabt hätte, hat mir ein anderer Bieter weggeschnappt.“

Gesamtwert der ersteigerten Exponate: rund 1400 Euro. Der ideelle Wert dürfte erheblich höher sein. Oberbürgermeister Thomas Jung gestern bei der Präsentation der Ausstellungsstücke: „Das sind Highlights für das Museum und für die Stadt. Ludwig Erhard ist die Persönlichkeit der deutschen Nachkriegsgeschichte.“

Der Erhard-Ausstellungsbereich im vor einem Jahr eröffneten Stadtmuseum war bislang eher karg ausstaffiert. Die fotografischen Zeitdokumente vervollständigt nun die Vitrine, in der neben Bakstads Pretiosen zwei Ausgaben des Spiegel von 1959 und 1965 mit Erhard-Titeln sowie ein 2-DM-Stück mit seinem Konterfei liegen. Der Fürther Ludwig-Erhard-Initiativkreis steuerte für den Glaskubus drei Zigarren der Hausmarke des Politikers bei. Vom Papierhaus Ludwig Schöll am Obstmarkt stammt ein weiteres Dokument von ungeahnter Aktualität: Ludwig Erhards Doktorarbeit, die er 1925 beim Soziologen Franz Oppenheimer in Frankfurt am Main einreichte. Drei Exemplare ließ der Jungakademiker binden, doch das Geld reichte seinerzeit nur für zwei. So blieb das dritte Exemplar „Über Wesen und Inhalt der Werteinheit“ auf dem Dachboden des Papierhauses liegen und erblickte vor kurzem wieder Fürther Tageslicht — frei von äußeren Schäden und Plagiatsvorwürfen.

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