Bilanz der Landwirte

Ernte: Wenigstens den Bauern machte der Regen Freude

20.7.2021, 16:00 Uhr
Vier Männer im Weizenfeld (v. li.): Geht es nach Sven Leber, Johannes Strobl, Peter Köninger und Gerd Düll, dürfte der Regen pausieren und die Sonne kommen. Bevor die Landwirte mit ihren Maschinen auf die Äcker können, muss der Boden abtrocknen.

Vier Männer im Weizenfeld (v. li.): Geht es nach Sven Leber, Johannes Strobl, Peter Köninger und Gerd Düll, dürfte der Regen pausieren und die Sonne kommen. Bevor die Landwirte mit ihren Maschinen auf die Äcker können, muss der Boden abtrocknen. © Foto: Armin Leberzammer

Nach drei Jahren mit zu wenig Niederschlägen erwarten die hiesigen Landwirte in diesem Jahr normale bis überdurchschnittliche Ernten. Vorm Einholen des Getreides sollte es nun sogar wieder ein paar Tage am Stück schön und regenfrei bleiben.

"Sonst haben wir gejammert, dass es zu trocken ist", sagt Peter Köninger, der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), rückblickend auf die vergangenen Jahre, "jetzt warten wir aufs Erntewetter." Nach den jüngsten starken Regenfällen sind die Ackerböden zum Teil noch nicht befahrbar und die Pflanzen selbst oft zu feucht.

Insgesamt aber, das war beim Erntegespräch des Fürther BBV zu spüren, herrscht allenthalben Erleichterung über den Segen aus den Wolken.


Erntebilanz 2020: Zuerst zu kalt, dann zu trocken


Dabei hatte sich 2021 gar nicht gut angelassen, woran Gerd Düll, der Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth-Uffenheim (Aelf) erinnerte: "Erst hatten wir einen extrem trockenen Winter und dann den kältesten Frühling seit 30 Jahren." Nun, Mitte Juli, sind die Sorgenfalten der Bauern längst einem hoffnungsvollen Glanz in den Augen gewichen. Denn bei den drei wichtigsten Ackerkulturen im Landkreis – Mais, Gerste und Weizen – geben sowohl die zu erwartende Menge als auch die Qualität Grund zum Optimismus.

"Der Silomais steht sehr gut bei uns", berichtet Johannes Strobl aus Cadolzburg-Greimersdorf stellvertretend für jene, die diese Pflanze anbauen – auf 7500 von 45 000 Hektar in den Landkreisen Fürth und Erlangen-Höchstadt (deren Zahlen beim Aelf zusammengefasst sind). Für Weizen und Gerste erwartet Strobl ebenfalls eine gute Ernte, allerdings seien Qualitätsprobleme vorhersehbar.

"Wir sollten also das Fell des Bären nicht zu früh verteilen", mahnt er. Die Preise beim Getreide sind aus Bauernsicht aber schon jetzt erfreulich, liegen sie doch zum Teil deutlich über jenen des Vorjahres; bei der Wintergerste etwa um 20 Prozent höher.


Landwirtschaft hat in Fürth Zukunft


Die Gründe dafür sind laut Gerd Düll globaler Natur. Weil der riesige chinesische Markt so intransparent sei, konnte und könne niemand abschätzen, wie groß dort der Bedarf sei. In den vergangenen Monaten hatte das bevölkerungsreichste Land der Erde jedenfalls sehr viel eingekauft. "Eine Prognose abzugeben, ist aber schwierig", so der Experte, "und die Preise könnten auch wieder radikal nach unten gehen."

Sogar rekordverdächtig gut sind die derzeitigen Marktpreise für Raps, der auf 1500 Hektar angebaut wird. Eine Fläche, die zuletzt kleiner geworden ist, sich aber nun auf "einem guten Niveau stabilisiert hat", wie Johannes Strobl sagt. Gerade der Landkreis Fürth, in dem sich ja auch eine Ölmühle befindet, habe bei der Verwertung und Vermarktung von Rapsöl noch viel Potenzial. Nicht vorhersagen lasse sich die Entwicklung bei Strobls "Lieblingskultur", der Zuckerrübe.

"Gewachsen ist sie gut, aber zur Zuckerbildung braucht sie jetzt noch viel Sonne." Auf gerade einmal 350 Hektar wird die Feldfrucht im Landkreis kultiviert. Nachdem die Preise mit dem Auslaufen der EU-Zuckermarktordnung 2017 eingebrochen waren, hätten sie sich nun wieder stabilisiert.

Zurück zum Wetter: Ganz so verregnet, wie es manchem Sonnenanbeter vorkommt, war der bisherige Sommer indes gar nicht. An der Messstation der Landesanstalt für Landwirtschaft in Greimersdorf wurden etwa bis dato 370 Liter gemessen. "Und das entspricht genau dem langjährigen Durchschnitt", betont Johannes Strobl. Ob zu viel oder zu wenig – das liegt letztlich noch immer im Auge des Betrachters.

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