Evakuierung für 16.000? Klinikum bereitet sich auf Bombenfund vor

Claudia Ziob
Claudia Ziob

Lokalredaktion Fürth

E-Mail

2.7.2020, 14:41 Uhr
Das Gelände des Fürther Klinikums zählt zu den sogenannten Verdachtsflächen, auf denen mit dem Fund von Blindgängern gerechnet werden muss.

© Hans-Joachim Winckler Das Gelände des Fürther Klinikums zählt zu den sogenannten Verdachtsflächen, auf denen mit dem Fund von Blindgängern gerechnet werden muss.

Noch ist überhaupt nicht klar, ob es soweit kommt. Aber: Die Verantwortlichen im Rathaus, im Klinikum, bei Feuerwehr, THW und BRK wollen gut vorbereitet sein, sollten sie in Fürth womöglich die größte Evakuierungsmaßnahme seit dem Zweiten Weltkrieg durchführen müssen. Sie haben bereits ein detailliertes Konzept ausgearbeitet, einen Termin für den logistischen Kraftakt ins Auge gefasst - und binden jetzt auch die Bürger ein: Alle, die im Radius von 1000 Metern um das Klinikum herum wohnen, werden gebeten, sich mit dem Gedanken zu befassen, ob sie - falls die Evakuierung nötig wird - am Sonntag, 19. Juli, bei Verwandten und Freunden unterkommen könnten oder vielleicht einen Ausflug machen wollen.


Von Fürth bis zum Hauptbahnhof: Die letzten Bombenfunde im Überblick


Bei einer Pressekonferenz am Klinikum wurden die Planungen am Donnerstagnachmittag vorgestellt, unter anderem von Fürths Ordnungsreferent Mathias Kreitinger, den Klinikvertretern Peter Krappmann und Dr. Manfred Wagner sowie Fürths Feuerwehrschef Christian Gußner.

Dass sie sich seit längerem mit verschiedenen Szenarien befassen, hat folgenden Grund: Das Klinikumsgelände zählt zu den sogenannten Verdachtsflächen, bei denen mit Blindgängern zu rechnen ist und die vor einer Baumaßnahme sorgfältig auf Sprengmittel im Boden untersucht werden müssen. Nach Angaben der Stadt Fürth konnten anhand von Luftbildaufnahmen der Alliierten aus dem Jahr 1945 und einer Sondierung des Bodens acht auffällige Stellen ausgemacht werden, die es zu überprüfen gilt.


Riesige Baumaßnahme: Das Fürther Klinikum wächst


"Dass es sich dabei um Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg handeln könnte, liegt zwar im Rahmen des Möglichen, aber nicht im Rahmen des Wahrscheinlichen", heißt es dazu aus dem Rathaus. Dennoch müsse man dies sicher ausschließen können, bevor die Bauarbeiten für die Erweiterung des Krankenhauses beginnen können.

Was man weiß: An so einer Verdachtsstelle kann auch nur ein harmloser Stahlhelm liegen. Sollte es aber eine Fliegerbombe sein, wäre die Evakuierung für die Entschärfung durchaus herausfordernd. Im schlimmsten Fall müsste ein Gebiet im Radius von 1000 Metern evakuiert werden. Das würde bedeuten: Das komplette Klinikum und vier Altenheime (mit insgesamt rund 500 Bewohnern) wären betroffen, außerdem müssten rund 16.000 Bürgerinnen und Bürger ihre Häuser verlassen. Es geht um das Eigene Heim, aber auch um Teile der Hardhöhe, von Unterfarrnbach und der Altstadt.

"Wahrscheinlich ist, dass gar nichts gefunden wird oder ein kleinerer Radius reicht", sagt Ordnungsreferent Mathias Kreitinger. Und Dr. Manfred Wagner, Medizinischer Direktor des Klinikums, ergänzt: Während des Zweiten Weltkriegs stand das Fürther Klinikum schon, darauf wurde damals vielleicht Rücksicht genommen. Beim Bau der anderen Klinikgebäude habe es jedenfalls keine Probleme gegeben, so Krankenhauschef Peter Krappmann.

Am Montag, 13. Juli, soll die genaue Untersuchung des Bodens beginnen. Spätestens am Mittwochabend, 15. Juli, soll feststehen, ob gehandelt werden muss.

Die wichtigsten Informationen für den Fall einer Evakuierung:

  • Für alle Maßnahmen werden Corona-Hygienekonzepte festgelegt. Die Bürger werden aufgefordert, Corona-Regeln (Abstand, Maske) einzuhalten.
  • Die Soldnerschule und die Hans-Böckler-Schule werden als Quartiere für alle Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung stehen, die nicht bei Verwandten, Bekannten oder Freunden unterkommen. (Haustiere sind nicht erlaubt.)
  • Es werden Sonderbusse der infra und Sonderzüge der U-Bahn fahren.
  • Betroffen wären beim größen Radius folgende Seniorenheime: Grete-Schickedanz-Heim, Stiftungsaltenheim, Kursana-Residenz, Haus Förstermühle 4. Für jedes Heim wird - mit Blick auf Corona - eine eigene Unterkunft zur Verfügung gestellt. Die Bewohner würden in Sporthallen im nahen Landkreis gebracht, sofern sie nicht zu Angehörigen geholt werden.

© Stadt Fürth

  • Das Klinikum wird seine Patientenzahl vorsorglich senken und schon in den Tagen vorher mit der Verlegung von Patienten in umliegende Krankenhäuser durch das BRK beginnen. Ab Fund eines Sprengmittels wird die Patientenzahl kontrolliert durch mögliche Entlassungen und einen Aufnahmestopp weiter reduziert, heißt es. Am 19. Juli sollen nur noch maximal 110 Patienten transportiert werden müssen. Notunterkünfte sind dann: Schönklinik, Waldkrankenhaus Erlangen und Julius-Hirsch-Halle. Alle Patienten, die zu Beginn der Evakuierungswoche noch im Klinikum sind und verlegt werden müssen, werden noch einmal auf Corona getestet.

© Thomas Scherer

  • Ab Montag, 6. Juli, ist ein Bürgertelefon der Stadt unter der Rufnummer (0911) 9743698 jeweils von 8 bis 16 Uhr erreichbar. Gehbehinderte, bettlägerige und transportunfähige Personen im Sperrkreis werden gebeten, sich dort oder über ein noch nicht verfügbares Online-Formular zu melden, damit der BRK einen entsprechenden Transport organisieren kann.
  • Bei einer Evakuierung würde es zu Straßensperrungen kommen.
  • Beim größten Radius wären betroffen: der gesamte Stadtteil Eigenes Heim, Teile Unterfarrnbachs (westlich der Bahnlinie: Falkenstraße, Eichhornstraße, Haselbuck/Falkenstraße, Dr. Wildstraße/Habichtstraße, Würzburger Straße), Teile der Hardhöhe (Würzburger Straße/Breslauer Straße/Hardstraße, Cadolzburger Straße/Berlinstraße, Coseler Straße, Fürthermare, Scherbsgraben) und ein kleiner Teil der Altstadt (Flutbrücke, Kapellenstraße bis Julius-Hirsch-Halle, Pegnitzstraße, Untere Königstraße/Marktplatz, Angerstraße, Löwenplatz, Geleitsgasse, Staudengasse, Schlehenstraße, Weiherstraße). Zur hochauflösenden Grafik der Stadt Fürth geht es hier.

2 Kommentare