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Experten machen es Fahrraddieben in Fürth schwer

Zwei Mitarbeiter kümmern sich bei der Fürther Polizei speziell um Raddiebstähle - 13.10.2020 16:00 Uhr

Fahrräder, hier am Zugang zum Fürther Hauptbahnhof in der Ludwigstraße, sollten gut gesichert abgestellt und, wo vorhanden, an einem unbeweglichen Gegenstand befestigt werden.

11.10.2020 © Wolfgang Händel


Fahrraddiebe haben es in Fürth deutlich schwerer als andernorts in Deutschland. Während bundesweit nur rund zehn Prozent dieser Delikte aufgeklärt werden, liegt die Quote bei der Polizeiinspektion Fürth mehr als doppelt so hoch. Zuletzt waren es 27 Prozent.

Wie viele Räder werden in Fürth gestohlen?

Ein Fahrrad macht unabhängig vom Takt öffentlicher Busse und Bahnen, von den Verkehrsverhältnissen und Benzinpreisen. Auch die Ansteckungsgefahr – eine Lehre der Corona-Zeiten – ist kaum zu befürchten. Da ist es ärgerlich, wenn das nützliche Vehikel geklaut wird. Rund 320 Fahrräder wurden 2019 in Fürth als gestohlen gemeldet, wie es 2020 aussieht, lässt sich noch nicht vorhersagen, heißt es.

Warum ist die Fürther Polizei so erfolgreich?

In der Fürther Polizeiinspektion kümmern sich zwei Mitarbeiter speziell um die Fahrraddiebstähle. "Bei ihnen laufen alle Informationen zusammen. Durch die Spezialisierung wissen sie, nach welchem Modus operandi die Täter vorgehen. Die Beamten verfügen über eine besondere Expertise und erzielen so bessere Ermittlungserfolge", erläutert der neue Leiter der Polizeiinspektion Fürth, Bernd Wolf.

Welche Modelle werden gestohlen?

Gestohlen werden vor allem gängige Modelle. Vor einigen Jahren waren das Mountainbikes, jetzt sind es auch oft E-Bikes. Häufig handelt es sich nach Wolfs Erfahrung um Beschaffungskriminalität im Drogenmilieu. Die Täter verkaufen ihre Beute über einen Hehler, um sich vom Erlös Rauschgift zu besorgen.


Fürths Fahrraddiebe fliegen besonders häufig auf


Nicht selten werden dafür ganze Kellerabteile aufgebrochen, die Türen demoliert und gleich mehrere Räder entwendet. "Da schaukelt sich der Schaden schnell nach oben", weiß der Polizeichef.

Manch einer schlägt aber auch quasi im Vorbeigehen zu, zwickt mal eben ein Schloss durch und schnappt sich das Rad, um so schneller zu seinem Ziel zu gelangen. Solche Gelegenheitstäter haben oft noch nicht einmal ein Unrechtsbewusstsein, haben die Ermittler beobachtet. Doch Fahradklau ist kein Kavaliersdelikt, er wird mit Geldstrafen oder auch Gefängnis geahndet.

Wie schließt man eigentlich richtig ab?

Den Dieben wird es oft zu leicht gemacht. Fehlende oder unzureichende Sicherungen sind geradezu eine Einladung, sich zu bedienen. Das A und O für einen guten Schutz ist ein hochwertiges Schloss. "Grundsätzlich bekommt ein Täter jede Vorrichtung auf. Bei einer billigen braucht er aber nur ein paar Sekunden, bei einer teuren ein paar Minuten.

Entscheidend ist für ihn der Faktor Zeit. Wenn es zu lange dauert, geht er das Risiko lieber nicht ein", sagt Olaf Höhne, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) in Fürth.

Deshalb müsse man sich durchaus überlegen, ob man nicht gleich zwei Sicherungen anbringt. Das mache das Knacken deutlich langwieriger – vor allem, wenn es sich um unterschiedliche Mechanismen handelt.

Zur Auswahl stehen Bügel-, Rahmen-, Speichen-, Steck-, Ketten-, Kabel-, Panzer-, Gelenk- und Faltschlösser. Um das Richtige zu finden, sollte man sich in einem Fachgeschäft beraten lassen oder entsprechende Testberichte studieren.

Wichtig ist außerdem, das Rad mit dem Rahmen an einem festen, nicht beweglichen Gegenstand zu befestigen. Dafür gibt es in Fürth inzwischen an etlichen Stellen, wie etwa dem Bahnhof, in der Gustavstraße oder am Stadttheater, neue, spezielle Abstellvorrichtungen, die ein sicheres Parken des Fahrrads ermöglichen.

"Es macht wenig Sinn, nur das Vorderrad festzuschließen. Das lässt sich zu einfach herausziehen", rät Höhne. Laut dem ADFC-Experten ist es auch besser, das Rad an viel frequentierten, gut beleuchteten Plätzen abzustellen und nicht – wie manche irrtümlich meinen – an Orten, an denen nur wenige Menschen vorbeikommen. "In der belebten Öffentlichkeit haben Täter mehr Hemmungen, sich an einem Schloss zu schaffen zu machen."

Und was hilft darüber hinaus?

Die Polizei rät außerdem, das Fahrrad registrieren zu lassen. "Das ist die beste Möglichkeit, später wieder an sein Eigentum zu kommen", so Polizeichef Wolf. Die Dokumentation der Fahrradnummer ist bei jeder Polizeidienststelle in Bayern möglich. Wichtig: Als Eigentumsnachweis muss die Rechnung vorliegen.

Sinnvoll ist es auch, sein Fahrrad zu fotografieren und jede Eigenheit schriftlich festzuhalten. Wer Opfer eines Fahrraddiebstahls geworden ist, sollte nicht zögern, sofort Anzeige zu erstatten.

Beim ADFC kann man sein Fahrrad auch in der Nürnberger Geschäftsstelle (Heroldstraße) codieren lassen. Erwachsene zahlen 16, Kinder acht Euro. Termine können unter www.adfc-nuernberg.de vereinbart werden. Bei der Codierung wird eine Nummer eingestanzt, die sich dem Besitzer eindeutig zuordnen lässt. Der ADFC-Vertreter betont: "Das wirkt abschreckend auf potenzielle Täter. Das Diebesgut lässt sich dann nämlich nicht mehr gut verkaufen."

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