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Frankenschnellweg: Fürth gibt grünes Licht

„Ja“ zum kreuzungsfreien Ausbau der A 73 signalisiert - 16.10.2010 13:00 Uhr

Der Verkehrslärm nervt. In Fürth wendet sich seit Jahren schon eine Interessengemeinschaft von Anwohnern — hier bei einer Lärmmessung auf der Karl-Bröger-Brücke — gegen die ohnehin große Belastung. © Kögler


Leicht hat sich der Bauausschuss die Entscheidung allerdings nicht gemacht. Angeheizt wurde die Diskussion vom Grünen-Stadtrat Harald Riedel. Er warnte vor einer Zunahme der Verkehrslärm- und Abgasbelastung in der Stadt. Baureferent Joachim Krauße wies das zurück: Eine Verkehrsstudie habe keine Zunahme der Fahrzeuge auf dem ausgebauten Schnellweg prognostiziert.

Der bislang durch Kreuzungen unterbrochene und stauanfällige Frankenschnellweg ist in Kraußes Augen „einer Metropolregion unwürdig“. Und Oberbürgermeister Thomas Jung betonte mit Hinweis auf die 80-prozentige Förderung des 400-Millionen-Euro-Projekts durch den Freistaat: „Wir müssen froh sein, wenn überhaupt Geld in die Region fließt.“ Dabei dachte Jung auch an die Milliarden, die Oberbayern für die Olympischen Winterspiele erhält.

Die Rechnung hat für Riedel jedoch einen Haken: Wenn der Freistaat so viel Geld für den Frankenschnellweg-Ausbau lockermacht, wird er es sich nach Ansicht des Grünen sehr genau überlegen, weitere Fördermittel für andere Projekte nach Mittelfranken zu pumpen. Das wiederum könne auch Fürth bei künftigen Förderanträgen zu spüren bekommen.

Für CSU-Fraktionschef Joachim Schmidt ist der Ausbau der A73 längst überfällig. Schließlich, so Schmidt, schaden die Abgase der an den Ampeln haltenden Autos auch der Umwelt. Die Wirtschaft wiederum könne von einem besseren Verkehrsfluss nur profitieren. Auch für den OB steht der Sinn des Ausbauvorhabens außer Frage.

Riedel jedoch rechnet damit, dass der ausgebaute Frankenschnellweg vor allem Lkw-Verkehr anziehen wird. Der Weg durch Nürnberg sei auf der A73 schließlich 14 Kilometer kürzer als die Vorbeifahrt auf der A3 und A6. Bleibe es bei der bisherigen Regelung, sparten sich die Fuhrunternehmer auf der A73 zudem die Maut.

Aber auch zusätzlichen Individualverkehr könnte ein verbesserter Verkehrsfluss nach Ansicht des Grünen mobilisieren. Berufspendler nämlich, die wegen der Staus bislang lieber mit der Bahn fahren. Völlig absurd ist für Riedel der Umstand, dass quasi eine Autobahn entstehen soll, aber der für die Autobahnfinanzierung zuständige Bund nicht dafür aufkommen muss. Als sogenannte Trägerin öffentlicher Belange war die Kommune im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens zur Stellungnahme aufgefordert.

Bereits seit Jahren laufen Fürther Anwohner des Frankenschnellwegs gegen die Lärmbelastung Sturm. Während in Nürnberg und Erlangen maximal Tempo 80 gefahren werden darf, rauscht der Verkehr mit Tempo 100 durch Fürth. Flüsterasphalt, wie er in Erlangen zur Geräuschminderung aufgetragen wurde, ist zudem in Fürth Fehlanzeige. Die Interessengemeinschaft Verkehrslärm hat im Bereich von Brücken Lärmspitzen von 90 Dezibel gemessen. An Schallschutzwänden hapert es immer noch. Und das, obwohl die Grenzwerte für Lärmschutzmaßnahmen in Wohngebieten nachts bei 60 Dezibel und tagsüber bei 70 Dezibel liegen. Teurer Flüsterasphalt wird in der Regel nur bei neu angelegten Fahrbahnen wie jetzt in der Karolinenstraße bezuschusst. Eine dritte Fahrspur ist auf dem Frankenschnellweg im Zuge des ab 2013 geplanten Ausbaus zwischen Doos und Gostenhof geplant. Zwischen Rothenburger Straße und Sandreuth soll ein Tunnel entstehen. Auch in Nürnberg bekämpfen die Grünen den Ausbau.

 

Volker Dittmar

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