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Mittwoch, 03.06.2020

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Frauen und Technik? Na klar!

Neue Ausstellung im Museum Frauenkultur räumt mit überkommenen Klischees auf - 19.05.2020 21:00 Uhr

„Wer kocht denn hier den Kaffee?“, fragt eine Installation im Marstall des Schlosses Burgfarrnbach und spielt auf ironische Weise mit dem alten Vorurteil, dass Frauen herzlich wenig mit Technik anfangen können. © Hans-Joachim Winckler


Die Vorurteile sind rasch aufgezählt: Das weibliche Geschlecht kann nicht so logisch denken und ist darum für die Naturwissenschaften wenig geeignet, Frauen-Domäne ist das Gefühl – das Kümmern um andere. Für Handwerkliches sind sie körperlich zu schwach. Ohnehin interessierten Mädchen sich eher für Sprachen als für Mathe.

Dass all das nicht stimmt, zeigt die Ausstellung "Technik#Weiblich#Logisch – Frauen und Technik in der Metropolregion" mit handfesten Beispielen. 46 Frauen aus Franken, die in angeblichen "Männerberufen" arbeiten, werden auf Porträt-Tafeln vorgestellt. Die Bandbreite reicht von Handwerkerinnen wie Schreinerin oder Goldschmiedin über Facharbeiterinnen wie der Klärmeisterin und Kaminkehrerin bis zu Wissenschaftlerinnen aus Natur, Technik und IT. Sie sind von 14 bis 84 Jahre alt.

Die älteste ist Ilse Schmitt aus Nürnberg, Jahrgang 1936. Hinter ihr liegen 40 Jahre Berufsleben als Fernmeldeinspektorin, wobei sie die erste Frau Deutschlands in dieser Position war. Hautnah erlebte sie die Entwicklung der Übertragungstechnik mit, angefangen von der handvermittelten Fernmeldestelle, bei der sie zuerst war. Ihr Resümee: "Völker, die die Frauen mitarbeiten lassen, sind wirtschaftlich besser." Am anderen Ende der Kette steht Reyhan Bell, eine 14-Jährige, die gleich zwei Technik-Camps für Mädchen mitmachte und davon begeistert war. Sie fertigte dort eine Digitaluhr und ein Radio an, durfte bohren, feilen und fräsen. "Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel Spaß macht", lautet ihr Fazit.

Wie aber fanden die Ausstellungsmacherinnen die wenigen Technik-Frauen? "Wir haben Aufrufe gestartet, Firmen und Unis angefragt, uns umgehört", so Kuratorin Gabi Franger. Zudem gab es eine Kooperation mit den Studiengängen Technikjournalismus in Nürnberg und Kommunikationswissenschaft in Bamberg. Abgerundet wird das Ganze von Exponaten, die Frauen als Nutzerinnen von Technik zeigen. Kaffeemaschinen stellen ironisch in den Raum, ob einfache Geräte eher für Frauen geeignet sind und Männer lieber die teuren Hightech-Varianten bedienen. Die weibliche Kreativität belegt die Umnutzung einer Waschmaschine zum Kochen von Würsten. Plakate mit einem rosa Heimwerkergürtel und einem USB-Stick mit Strass-Steinen fragen, ob Frauen spezifische Geräte wünschen und welches Bild das "Gender Marketing" vermittelt.

Künstlerinnen haben sich ebenfalls des Themas angenommen: Irene Kress-Schmidt etwa hat aus alten Metallteilen Insekten gestaltet, ganz ohne zu bohren oder zu kleben. So verwandelt sie Technik-Reste in "Natur" – beispielsweise werden Teile eines Telefons zu Augen einer Gottesanbeterin. Vivian Christlein hat als Ausgangsmotiv das Foto einer Fassade genommen und es als futuristisch anmutende Webarbeit mit Kupfermaterial umgesetzt. Julia Saffer, deren Weg von der Energieelektronikerin zur Keramikerin führte, hat Steinzeug kreiert, das sehr technisch wirkt und an aufgewickelte Kabel erinnert.

Was aber ist es nun, das Frauen abhält, andere Wege zu gehen und beruflich ewig bei Erzieherin oder Verkäuferin oder Übersetzerin zu bleiben? Kuratorin Franger verweist auf die lange Zeit, in denen Frauen an Berufsschulen und Universitäten nicht zugelassen waren. Ein wichtiger Schlüssel sei die Erziehung. Daher dreht sie die Perspektive um: "Die Frauen, die wir hier zeigen, hatten oft Familien, besonders Väter, die ihr technisches Talent gefördert und unterstützt haben."

Bis 31. Oktober im Marstall Schloss Burgfarrnbach, www.frauenindereinenwelt.de

Claudia Schuller

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