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Frauenpower: Grüne küren Fürther Landratskandidatin

Die Ökopartei will mit Angelika Igel ins Rennen gehen - 15.07.2019 21:00 Uhr

Mit Blumen in den Wahlkampf: Die grüne Landratskandidatin Angelika Igel, flankiert von (v. li.) Wolfram Schaa, Norbert Schikora, Barbara Fuchs und André Höftmann. © Harald Ehm


"Es geht darum, Flagge zu zeigen und die Grünen voranzubringen", gab die Fürther Landtagsabgeordnete Barbara Fuchs die Losung aus. Zuvor hatten die anwesenden Mitglieder des Kreisverbands der Grünen – 18 von rund 140 fanden den Weg nach Wilhermsdorf – gerade Angelika Igel zur Landratskandidatin gekürt. Angesichts des Wahlergebnisses von 100 Prozent sagte die Roßtalerin, Blumen in der Hand, in ihren Dankesworten schmunzelnd, sie hoffe, es ergehe ihr damit nicht so, wie Martin Schulz. Der war von seiner Partei, der SPD, bekanntlich in der Folge schnell wieder als Bundesvorsitzender abgehalftert worden.

Um erst gar keine irgendwie gearteten pessimistischen Gedanken aufkommen zu lassen, sprang erneut Barbara Fuchs in die Bresche und appellierte an die Mitglieder, ab jetzt keinerlei negativen Aussagen zu tätigen, sondern sich vielmehr auf die Spitzenkandidatin und deren Unterstützung zu fokussieren. Wenigstens bei Frieder Kleefeld, Kassier im Kreisverband, fiel diese Aufforderung gleich auf fruchtbaren Boden. "Wir sind Landrat", rief er in den Saal.

Angelika Igel, die ohne Gegenkandidat angetreten war, verkniff sich in ihrer viertelstündigen Bewerbungsrede dagegen laute Töne. Die Diplom-Sozialpädagogin weiß trotz des Rückenwindes, den die Grünen seit längerem aus Berlin erfahren, um die Schwere der Aufgabe. Geht es doch bei den Kommunalwahlen im März 2020 gegen einen Landrat, der dann seit zwölf Jahren im Amt und "beliebt" ist, wie sie sagte.

Über ein Mandat hat sich die 59-Jährige bisher noch nicht politisch engagiert. Zwar hatte die dreifache Mutter im Frühjahr 2014 zunächst den Sprung in den Kreistag geschafft. Doch als die Wahl aufgrund der von der Regierung von Mittelfranken beanstandeten Wahlwerbung in den Mitteilungsblättern von Langenzenn und Großhabersdorf wenige Monate später wiederholt werden musste, war Angelika Igel plötzlich wieder außen vor.

Im Landkreis ist sie dennoch keine Unbekannte, was auch mit ihrer beruflichen Tätigkeit zu tun hat: Gemeinsam mit einer Kollegin leitet sie das Familienbüro in Stein, das Eltern berät und sie unter anderem bei der Kinderbetreuung in der Tagespflege unterstützt.

Warum ist die Scheidungsrate im Landkreis so hoch?

An "guten Ideen für den Landkreis" schwebt ihr einiges vor: Den Klimanotstand würde sie ausrufen, weil dann alle auf Kreisebene getroffenen Maßnahmen auf ihre Klimaschädlichkeit abgeklopft werden müssten. Die Förderung lokaler Wirtschaftskreisläufe und des Ökolandbaus hat sie auf ihrer Agenda. Landwirte sollen unter fairen Bedingungen und ebensolchen Preisen produzieren. Weitere klassische grüne Kernthemen – das genaue Wahlprogramm wird in den kommenden Monaten ausgearbeitet – sind erneuerbare Energien und die Stärkung des ÖPNV. Ein kleines Start-up-Zentrum für Gründer würde sie sich zudem wünschen.

Angelika Igel möchte aber auch der Frage der Kinderarmut vor Ort bzw. dem Phänomen nachgehen, warum der Landkreis eine der höchsten Scheidungsraten in Bayern hat. Und: Als frühere Berufsbetreuerin habe sie noch kein Seniorenheim gesehen, bei dem ihr in den Sinn gekommen sei: "Da will ich hin."

Seit 2002 engagiert sich die Roßtalerin bei der Ökopartei. Mit der Kandidatur sei es ihr nun als Grüne "wichtig zu zeigen, dass wir Verantwortung übernehmen wollen". 

Harald Ehm

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