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Freilichtbühne: Oans, zwoa, Shakespeare!

Das TKKG macht sich auf die Komödie "Viel Lärm um Nichts" einen urbayerischen Reim - 01.08.2020 15:19 Uhr

Einer geht noch: Der verwitwete Gouverneur Leonato (Frank Strobelt) heißt in Markus Nondorfs Inszenierung Leonhard und hat beim Fassanstisch alle Hände voll zu tun.

© Foto: Thomas Scherer


Regisseur Markus Nondorf hat bei weitgehender Texttreue das Geschehen aus dem sizilianischen Messina ins Postkarten-Bayerische verlegt; er lässt gleich im Eröffnungsbild einen weiß-blauen Kärwa-Baum aufstellen, um den das Ensemble im Dirndl, in karierten Baumwollhemden und Lederhosen zum Rundtanz mit korrektem Abstand anmarschiert.

Dann setzt das muntere Masken- und Intrigenspiel ein: mit dem zunächst widerspenstigen, erst am Ende gezähmten Paar Beatrix (Varvara Imas, die auch Ausstatterin und Regieassistentin ist, mit vollem emotionalen Einsatz) und Benedikt (Erik Streit, der einmal zur Ukulele eine deutsche Version von "When I’m 64" singt) sowie mit den beiden naiv-schwärmerisch Verliebten, bei denen Claudio nun Klausi (Tillmann Schreier) und Hero Heidi (Sabrina Müller) heißt - ein bisschen Spaß muss sein!

Aus den Lautsprecherboxen kommt passende Bierzelt-Musik (Heinrich Filsner), dazu intonieren die beiden Intriganten im Dienste des Grafen Gregor als lustige Holzhacker-Buam den Klassiker "O du schöne Hobelbank", bevor sie schließlich in zwei BHs als Ersatz-Handschellen abgeführt werden. Wachmann Dogberry, der jetzt Kommissar Holzapfel genannt wird und als trenchcoatige Columbo-Parodie mit Fremdwort-Schwäche brilliert (David O. Riedel), hat sie nämlich zusammen mit seinen sichtlich vertrottelten Hilfs-Sheriffs Karl Knödel und Norbert Nudel der Falschaussage überführt, sodass einer finalen Doppelhochzeit mit herzförmigen Luftballons - nur vier statt 99! - nichts mehr im Wege steht. Das befriedet auch endgültig das Verhältnis zwischen den beiden Senioren Leonhard (Frank Strobelt) und Graf Korbinian (Michael Nowak) - wie es uns allen in diesen konfliktreichen Zeiten eben gefällt.

Vor der Pause haben die Akteure noch mit ein paar Längen zu kämpfen, danach nimmt das Geschehen sichtlich Fahrt auf, über den lauschig illuminierten Stadtpark senkt sich die Dunkelheit, und die Besucher sind sich sicher, keinen Sommernachts-Alptraum, sondern einen engagierten Theater-Abend erlebt zu haben.

"Viel Lärm um Nichts": TKKG auf der Freilichtbühne im Stadtpark. Weitere Termine: täglich bis einschließlich 7. August, jeweils 19.30 Uhr. Karten an der Abendkasse und mit ZAC-Rabatt in der FN-Geschäftsstelle (Schwabacher Straße 106, Tel. 2 16 27 77).

Wolfgang Reitzammer

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