Fürth-Monopoly: Ein Stück Filz für die Gustavstraße

7.8.2016, 10:00 Uhr

© Foto: Ziob

Am Ende dürften einige kleine Liebesbriefchen in diesem Spielset zu finden sein. Liebesbriefe an die Kleeblattstadt. Natürlich werden sie wie bei anderen Monopoly-Versionen „Gemeinschaftskarten“ und „Ereigniskarten“ heißen – doch wer sie liest, dürfte eine augenzwinkernde Zuneigung zu dieser kleinen Großstadt namens Fürth spüren.

Das jedenfalls lassen die Vorschläge ahnen, die aus den Fürthern und Fürtherinnen geradezu herausgesprudelt sind. Auf der Facebookseite „Monopoly Fürth“ baten die beiden Macher der Sonder-Edition um Ideen für Straßennamen, Spielkarten und -figuren und wurden großzügig bedient. Ein Nutzer schlägt als Ereignis vor: „Das Kleeblatt ist aufgestiegen. Gehe sofort ans Rathaus zur Aufstiegsfeier.“ Ein anderer textet: „Du willst im City-Center einkaufen. Zahle zwei Jahre Parkgebühr.“ Und ein Dritter: "Du weißt nicht, ob Waltraud oder Mariechen deine Großmutter/Mutter ist. Mach einen DNA-Text! Zahle 250 Euro."

Schön ist auch: ""Die Feuerwehrmänner winken dir an der Fürther Kärwa von ihrem Balkon aus zu. Setze eine Runde aus und winke zurück." Und besonders gut gefällt uns natürlich: „Du machst im Wiesengrund ein Foto von einem entlaufenen Nilpferd und verkaufst es an die Fürther Nachrichten: 50 Euro“.

Zehn andere Städte-Ausgaben, darunter auch Nürnberg, haben sich Timo Schap (25) und Florian Berlinger (28) zuvor genauer angesehen und beschlossen, dass sie bei der Individualisierung ihres Spiels noch viel weiter gehen wollen. Die Konkurrenzversionen wurden eher oberflächlich auf die Städte angepasst, finden sie. Da wurde etwa aus „Gehe in den Zoo“ einfach: „Gehe in den Nürnberger Tiergarten“.

"Du wirst mit einem rotschwarzen Schal erwischt"

„Die Vorschläge der Fürther sind viel besser“, sagt Berlinger. Da spiegelt sich – auf humorvolle Art - zum Beispiel die Rivalität zwischen Fürth und Nürnberg wider („Du wirst mit einem rotschwarzen Schal im Stadion erwischt. Zahle … “). Und auch der Gustavstraßenstreit wird kreativ verarbeitet. Für die „Gustavstraße“, die ebenso wie die „Michaeliskirchweih“ und die „Fürther Freiheit“ definitiv auf dem Spielbrett zu finden sein wird, haben Nutzer ein Stück Filz als „Flüsterasphalt“ angeregt. Schap und Berlinger wollen den Wunsch erfüllen und einen Stoffaufkleber beilegen. In grün, wenn es nach den Nutzern geht.

Unterschätzt haben Schap und Berlinger – beide sind übrigens Nürnberger – den zeitlichen Aufwand, den das Projekt erfordert. Der Filz etwa muss extra abgenommen werden. Auch die Suche nach Sponsoren war Neuland und zieht sich. Das Konzept sieht vor, dass sich lokale Unternehmen und Vereine beteiligen können (ab 500 Euro), im Gegenzug stehen ihre Namen auf dem Brett oder auf Karten.

Schap und Berlinger arbeiten neben ihren eigentlichen Jobs an dem Spiel, unterstützt von der Nürnberger Werbeagentur 1Agency, die sich um die grafische Gestaltung kümmert. Auf den Markt gebracht wird das Ergebnis in Kooperation mit dem Düsseldorfer Spieleverlag Winning Moves. Ein Teil des Erlöses soll, wie berichtet, in wohltätige Zwecke fließen.

Bestellung aus den USA

Die jungen Geschäftspartner wollen die Möglichkeit nutzen, auch sechs der acht Spielfiguren zu individualisieren. Waltraud und Mariechen sowie ein Bobbycar sind Favoriten, dazu könnte das Rathaus kommen, die Adler-Lokomotive oder der Gauklerbrunnen. . . Vom Plan, ihr Produkt noch in diesem Sommer auszuliefern, haben sich die Macher jedoch verabschiedet. Spätestens vor Weihnachten aber, versichern sie, kommt es in den Handel. 44,95 Euro soll es kosten. Rund 600 Vorbestellungen sind bei ihnen bereits eingegangen (möglich unter www.monopoly-fuerth.de) – darunter eine aus den USA und ja, tatsächlich noch keine einzige aus Nürnberg.

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