Sonntag, 01.11.2020

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Fürther Bier-Ärger: Ehepaar schickt Frankenfahne gen Norden

"Geismann ist fränkisch": Familie will ein Unternehmen in Brandenburg "aufklären" - 08.09.2020 12:00 Uhr

Robert und Margit Göpfert mit ihrer Frankenfahne, die sich bald auf den Weg nach Brandenburg macht.

© Marion André


Margit Göpfert war sauer und zwar richtig. Nicht auf die FN, wir waren ja nur die Überbringer der aus ihrer Sicht sehr schlechten Nachricht. Keinesfalls sind wir dafür verantwortlich, dass eine Firma im Norden Deutschlands eine Fürther Biermarke vertreibt und dafür mit den Worten "Bier aus Bayern" wirbt sowie mit einem Plakat, das einen alpinen Bergsee zeigt, den es in unserer Gegend garantiert nicht gibt.

Was Göpferts Laune zusätzlich trübte, war das Foto, das zu unserem Artikel erschienen ist. Darauf zu sehen: ein Berliner Schaufenster voller Geismann-Bier, dahinter mehrere Bayern-Fahnen. Das hält kein Franke aus, dachte sich die gebürtige Fürtherin, die heute in Veitsbronn lebt – und schritt zur Tat: Mit ihrem Mann Robert bestellte sie im Internet eine rotweiße Fahne mit dem Fränkischen Rechen, um sie nach Groß Kienitz zu schicken.

Geismann gibt es nicht bei uns

In dem Ortsteil der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow, südlich von Berlin, steht die Zentrale von Getränke Hoffmann, jener Firma, für die Tucher seit drei Jahren exklusiv das Fürther Geismann-Bier braut. Kurz gesagt: Geismann gibt es nur dort, wo es eine von 460 Getränke-Hoffmann-Filialen gibt: in sieben Bundesländern, darunter Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Berlin, aber nicht in Bayern.

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Die "großen Fünf" aus Fürth: Die lange Brautradition der Kleeblattstadt

Im Jahr 2016 feierte das Reinheitsgebot 500-jähriges Jubiläum. Laut dem Gebot, das am 23. April 1516 erlassen wurde, soll Bier nur Hopfen, Malz und Wasser enthalten. Grund: In das damalige Grundnahrungsmittel gelangten oft auch andere Stoffe, beispielsweise giftige oder berauschende Pflanzen wie Pilze und Tollkirschen. Auch der Standort Fürth glänzte lange Zeit mit großen Brauereien. Zu den "großen Fünf" zählten seit Mitte des 19. Jahrhunderts Geismann, Grüner, Humbser, Bergbräu und Evora.


Den Nordlichtern preisen die Marketing-Experten von Getränke Hoffmann das Geismann als bayerisches Produkt an, womöglich zieht das besser als der Slogan "Bier aus Franken". Aber das muss man so ja nicht hinnehmen, denken sich die Göpferts.

Die Fahne werden sie deshalb in den kommenden Tagen auf den Weg nach Groß Kienitz, Gemeinde Blankenfelde-Mahlow, schicken, beilegen wollen sie diesen Zeitungsartikel und den dezenten Hinweis, dass ein Fürther Bier doch ein fränkisches sei — und allenfalls in zweiter Linie bayerisch.

JOHANNES ALLES

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