Barockbau

Fürther Marstall: Diese Pläne hat Investor MIP

13.5.2021, 21:00 Uhr
Die fürstlichen Stallungen unweit des Schlosses wurden 1734 in Betrieb genommen. Typisch ist die rundbogige Durchfahrt.

Die fürstlichen Stallungen unweit des Schlosses wurden 1734 in Betrieb genommen. Typisch ist die rundbogige Durchfahrt. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Am Kauf des Marstalls auf dem Gelände des Schlosses Burgfarrnbach ist der Fürther Immobilieninvestor MIP mehr als nur interessiert. Die Prüfungsphase läuft bereits, wie OB Thomas Jung den FN bestätigt.

Wohnungen und Büros sollen in dem 290 Jahre alten Barockbau unterkommen. "Wir sind noch ganz am Anfang", sagt MIP-Geschäftsführer Philipp Streng. Mit dem Verkauf der Immobilie an MIP bestünde Jung zufolge die Chance, "einer schönen Substanz wieder Leben zu geben".

In der Tat haben die einstigen Stallungen der Burgfarrnbacher Fürsten schon weit bessere Tage erlebt. 1731 war Grundsteinlegung, Inbetriebnahme 1734. 1970 kaufte die Stadt den langgestreckten, zweigeschossigen Sandsteinquaderbau in unmittelbarer Nähe zum Schloss. Während aber Süddeutschlands größte klassizistische Schlossanlage – Sitz von Stadtarchiv, Stadtbibliothek und Städtischen Sammlungen – weitgehend intakt ist, gilt der Marstall als "unser Burgfarrnbacher Sorgenkind".

"Es tränen einem die Augen"

So formuliert es CSU-Fraktionschef Max Ammon, zugleich Vorsitzender des Bürgervereins Burgfarrnbach. Den markanten Torbogen etwa kenne er, Jahrgang 1984, gar nicht anders als mit absichernden Stützen. Doch das ist längst nicht der größte Schocker. Drinnen schaue es "abenteuerlich aus", an vielen Stellen sei Efeu in die Räume gewachsen. "Es tränen einem die Augen", so Ammon.

Zwar renovierte die Stadt im Lauf der Jahre immerhin den Dachstuhl und achtete auf eine intakte Dachrinne, "weil Feuchtigkeit das Allerschlimmste wäre". Mehr tat sich jedoch nicht in dem Bau, der in den siebziger Jahren als BRK-Schulungszentrum fungierte; 1988 startete im Erdgeschoss das Rundfunkmuseum und blieb bis 2001.

Eine Investorenlösung hält Ammon für "okay"; MIP habe – siehe die jüngsten und aktuellen Fürther Sanierungsprojekte Malzböden, Grüner Baum und Hauptbahnhof – das Knowhow, während die Stadt vermutlich viele Jahre bräuchte, um den Marstall wieder fit zu machen.

Fünf Jahre Blockade

Mit Streng gebe es, so Jung, seit einem Jahr Gespräche über das Gebäude. Warum die Sache jetzt Fahrt aufnimmt, kann Jung erklären: "Weil wir für die nächsten fünf Jahre völlig handlungsunfähig sind, über die Themen Schulen und Kitas hinaus größere Sanierungsprojekte zu stemmen." Ob es zum Deal zwischen Stadt und MIP kommt, muss beizeiten der Stadtrat entscheiden.

Wenig begeistert fällt indessen die Reaktion des Nürnberger Vereins Frauen in der Einen Welt aus. Er betreibt seit 2003 im Marstall-Erdgeschoss das Museum Frauenkultur Regional-International. Jung habe zwar Kontakt zum Verein, die jüngste Entwicklung aber sei nicht abgesprochen – "sehr ärgerlich" nennt dies Susanne Auer vom Vorstand.

Jung hingegen äußerte am Mittwoch, dass das Museum informiert sei. "Ohne Ersatz", so der OB, "wird niemand auf die Straße gestellt", nach einer Räumlichkeit in der Innenstadt halte man Ausschau. Für "sehr wünschenswert" hält Ammon eine weitere kulturelle Nutzung des Erdgeschosses. Er begrüße es, würde das Frauenmuseum nach der Sanierung wieder einziehen. Alternativ plädiert er für eine Kleinkunstbühne.

Bleibt die spannende Frage, was das wohl alles kosten wird. Streng diplomatisch: "Die Statik wird ein heikles Thema." Jung: "Der Marstall ist kein Gebäude für einen Investor, der den schnellen Euro sucht."

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