Freitag, 16.04.2021

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Fürther Tickets für Bus und U-Bahn werden teurer

Der Stadtrat hat grünes Licht für eine Anhebung der Preise um 5,5 Prozent ab Januar 2022 gegeben - 26.02.2021 20:00 Uhr

Nach drei Jahren Pause wird Busfahren in Fürth ab 2022 wieder etwas teurer.

25.02.2021 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Es ist ein Dilemma, das kaum auflösbar erscheint: Eigentlich will die Kommunalpolitik geschlossen, dass man möglichst günstig mit Bus und Bahn unterwegs sein kann – denn je mehr Fahrgäste, desto besser ist das für Umwelt und Luftqualität, vor allem in den Städten. Doch das dadurch entstehende Millionendefizit reißt gewaltige Löcher in die Etats der Verkehrsbetriebe und am Ende der Kommunen, die dafür aufkommen müssen.

Vor diesem Hintergrund hat der Stadtrat am Mittwoch grünes Licht für die neuerlichen Steigerungen gegeben – nachdem 2019, 2020 und 2021 nicht an der Preisschraube gedreht worden war. Unabdingbar sei das, argumentieren die für den Fürther ÖPNV zuständige Infra, die Stadtkämmerin und die Befürworter aus der lokalen Politik, von einem "falschen Signal" hingegen sprechen Grüne und Linke, die sich deshalb dagegen aussprachen.

Gerade in Zeiten, in denen der öffentliche Nahverkehr wegen der Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus und immer mehr Homeoffice drastische Einbußen verzeichnet, mache man damit "den guten Willen" der Bevölkerung zunichte, wieder stärker Busse und Bahnen zu nutzen, meint etwa der Grüne Philipp Steffen. Und Linke-Sprecher Niklas Haupt moniert, man bestrafe diejenigen, "die zwingend auf den ÖPNV angewiesen sind" – vor allem also sozial Schwächere.


Fürth kämpft für stabile Fahrpreise


Die politische Mehrheit allerdings schreckt vor den enormen finanziellen Lasten weiterer Nullrunden zurück. Die Infra rechnet vor: Das Defizit im Fürther ÖPNV wird sich nach 12 Millionen im Jahr 2019 und 14 Millionen 2020 im laufenden Jahr auf 17 Millionen erhöhen; dafür gerade stehen muss bei weiter wachsendem Minus auch die Stadt.

Von "erschreckenden Zahlen" spricht der CSU-Fraktionsvorsitzende Max Ammon, nicht weiter zu verantworten sei das, befindet SPD-Mann Matthias Dornhuber. Und es gefährde den Zusammenhalt des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN) mit seiner grenzübergreifenden Tarifstruktur, wenn einzelne Städte immer wieder ausscheren.

"Saftige Erhöhung"

Infra-Chef Marcus Steurer tritt auch der Einschätzung der Kritiker entgegen, es handle sich bei den 5,5 Prozent um eine "saftige Erhöhung". Nach seiner Lesart handelt es sich vielmehr um eine "Kostenanpassung", denn die Ausgaben, etwa für Gehälter und Material, steigen stetig.

Bei aller Bedeutung, die auch die Infra-Verantwortlichen günstigen Tarifen zubilligen: Sie verweisen auf die "Meinung von Experten", denen zufolge weit wichtiger die Qualität des ÖPNV-Angebots sei. Sie schlagen vor, auf Komfort, Zuverlässigkeit, Erreichbarkeit, Busbeschleunigungen und attraktive Takte zu setzen. Die Diskussion dürfe "nicht auf den Fahrpreis verengt werden".


ÖPNV-Flaute: Die Infektionsangst treibt Nürnberger zum Auto


Einig sind sich alle an der Diskussion Beteiligten ungeachtet dessen: Bund und Land müssen sich dauerhaft an der Finanzierung des ÖPNV beteiligen – vor allem, indem sie die Kosten eines 365-Euro-Tickets für alle zu zwei Dritteln tragen. Nur so könne der Kostendruck auf die Kommunen gemindert werden.

In einer aktuellen Online-Petition fordert die SPD aus Fürth sowie sieben weiteren Städten und Landkreisen der Region die bayerische Staatsregierung deshalb dazu auf, entsprechende Zusagen einzuhalten: Bis 2023 müsse das 365-Euro-Ticket Realität werden.

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