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Gefährdete Haustierrassen: Arche statt Streichelzoo

Beate Dietz

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24.9.2011, 13:00 Uhr

© Scherer

Auf der Ausstellung „Grüne Lust“ sind die seltenen Kälbchen, Schafe oder Ziegen jedes Jahr wunderhübsch anzusehen, nicht nur die Kinder sind fasziniert. Aber die GEH steht sicher nicht dafür, einen Streichelzoo einzurichten, Herr Konzok?

Harald Konzok: Das ist richtig. Obwohl über das Streicheln der Tiere natürlich die ersten Kontakte entstehen. Ich beobachte das immer wieder gerne, wie den Menschen dabei ein Lächeln über das Gesicht huscht. Und schon kommen sie mit den Tierhaltern ins Gespräch und wir können über unsere Arbeit, Aufgaben und Ziele aufklären.

Ein Teil des Anliegens erklärt ja schon der Vereinsname. Warum soll man alte Haustierrassen eigentlich erhalten?

Konzok: Unser Motto ist „Vielfalt statt Einheit“. Denn die alten Rassen bilden einen Genpool, der für zukünftige Generationen unbedingt erhalten werden muss. Hochleistungsrassen sind zwar häufig wirtschaftlich interessant, aber eben auch überzüchtet, kurzlebiger und krankheitsanfälliger. Ihre Haltung führt nicht selten zu wirtschaftlichen Abhängigkeiten. Letztlich sind die alten Rassen für den Bestand von Hochleistungstieren von elementarer Bedeutung, da durch ihr Einkreuzen eine Stabilität erreicht werden kann. Und es gibt noch andere Vorzüge, wie bei der Dunklen Biene: Sie bestäubt mehr einheimische Blütenpflanzen oder die Tiere sind witterungsunabhängiger und können ganzjährig im Freien gehalten werden.

Spielen die alten Rassen auch wirtschaftlich für die Erzeuger eine Rolle? Oder sind sie nur Liebhaberei?

Konzok: Wer hochwertige Lebensmittel möchte, der weiß beispielsweise das Fleisch eines langsam herangewachsenen Lamms zu schätzen. Während ein Lamm sonst mit vier Monaten nach einer Intensivmast geschlachtet wird, erreichen die alten Rassen die Möglichkeit, sich in artgerechter Haltung gut zu entwickeln Das Wohlbefinden der Tiere wirkt sich natürlich auf die Qualität der Produkte aus. Die Züchter alter Rassen verkaufen ihre Produkte meist ab Hof. Meistens übertrifft die Nachfrage ihr Angebot.

Arche-Höfe sind für die GEH von großer Bedeutung. Was hat es damit auf sich?

Konzok: Ein Arche Hof ist Zucht- und Präsentationsstätte alter und in ihrem Bestand gefährdeter Nutztierrassen. Es wird dort nicht nur gezüchtet, sondern bei einigen kommt auch ein pädagogischer Aspekt hinzu. Menschen können sich informieren, die Tiere und ihre Geschichte kennenlernen und alles darüber erfahren, wie das lebendige Kulturgut erhalten werden soll. Auch in Franken gibt es einige Archehöfe. Sie sind in der Landschaftspflege aktiv und vermarkten Fleisch, Wolle oder Filzwaren, aber auch die Erträge alter Nutzpflanzen, Obst, Gemüse und Kartoffeln.

Gehören nur Züchter der GEH an?

Konzok: Nein, wir haben auch unterstützende Mitglieder, die selbst keine Tiere halten. Neben Landwirten sind beispielsweise Biologen oder Landschaftspfleger bei der GEH engagiert. Auch Liebhaber, die neben ihrem eigentlichen Beruf Tiere und Pflanzen züchten, gehören zu uns. Bundesweit hat die GEH zirka 2200 Mitglieder, die Regionalgruppe Franken rund 120.

Berät die GEH auch den Hobbyzüchter?

Konzok: Ja, gerne. Wir können immer an einen Experten verweisen. Manchmal müssen wir die Leute aber auch darüber aufklären, dass sie den Tieren nicht die optimalen Haltungsbedingungen geben können.

Gibt es Projekte, die die Regionalgruppe Franken in den nächsten Monaten anpacken möchte?

Konzok: Wir planen, eine Jugendgruppe zu gründen. Außerdem würden wir gerne einen Lernort einrichten, damit Menschen wieder den direkten Bezug zu unseren natürlichen Lebensgrundlagen bekommen. Ich stelle mir eine Einrichtung vor, die Behinderte und Nicht-Behinderte, Junge und Alte gleichermaßen anspricht. Ein Bauernhof, auf dem man alte Haustierrassen und Nutzpflanzen kennenlernen kann.

Weitere Informationen über die GEH, Archehöfe und ihre Produkte unter www.g-e-h.de oder telefonisch (09146) 942330

 

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