Genialer Querdenker

10.2.2014, 15:30 Uhr
Michael Lerchenberg

Michael Lerchenberg © Thomas Scherer

In ihrem Programm „Karl Valentin - Abgründe eines Komikers“ geht es schon „valentinesk“ los. Die beiden Protagonisten erklären anfangs lapidar: „Jetzt fang ma an, und wenn’s nix is, hör ma glei wieder auf!“ Drehen sich um und verlassen die Bühne. Die Gäste stutzen: Ein Gag? Kommen die wieder? Im selben Moment erscheinen verspätet die letzten sieben Saalbesucher und suchen ihre Plätze. Man ist froh darüber, dass die Vorstellung eigentlich noch nicht begonnen hat. Nachdem sie ihre Plätze gefunden haben, kommen auch die beiden Interpreten wieder auf die Bühne mit der Botschaft ans ausverkaufte Haus: „Sie ham’s net anders gwollt.“ Die Vorstellung kann beginnen.

Valentins Sketche, Stücke und Filme sind Klassiker. Die „Orchesterprobe“ oder den „Firmling“ kennt beinahe jeder und manches wie der „Buchbinder Wanninger“ ist zumindest im süddeutschen Sprachraum sprichwörtlich geworden. Lerchenberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Abgründe im Leben und Werk Valentins auszuloten.

Wenn er liest und rezitiert, spielt und die große Trommel schlägt, muss mancher Franke die Ohren spitzen und angestrengt hinhören, um den Sprachwitz –  serviert im oberbayerischen Dialekt und verstärkt durch Münchner Zungenschläge – genau mitzubekommen.

Weil Lerchenberg die Texte, Couplets und Gedichte, die Valentin der Nachwelt hinterlassen hat, hervorragend interpretiert, wird der Abend zu einem besonderen Erlebnis. Die Wiedergabe des „Firmling“, bei der er in drei Rollen schlüpft, gelingt ihm mit einer schauspielerischen Glanzleistung. Da schlägt die Stunde eines großen Komödianten – ohne Requisiten, ganz allein an einem Tisch sitzend. Freilich muss Cellist Hecker zwischen den Texten Lerchenbergs immer wieder ein bisschen warten, bis er dran kommt.

Dafür legt er dann voll los und bringt eindrucksvoll den Widerspruch im Leben des großen Komikers zum Ausdruck. Beispielsweise als er sich zu Valentins ellenlangem Schnellsprechlied „Rezept zum russischen Salat“ von 1902 selbst begleitet – und das im Wettbewerb mit einem immer schneller werdenden Metronom. Oder bei seinem perfekt vorgetragenen Lied vom „Scheißhäusl“.  Ein wundervoller Abend über Münchens „Blödsinnskönig“, einem einflussreichen und visionären Komiker.

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