Samstag, 05.12.2020

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Gerät das Fürther Trinkwasser in Gefahr?

Ein Industriegebiet bei Allersberg rückt den Tiefbrunnen der Fernwasserversorgung nahe - 30.08.2019 21:00 Uhr

Aus 20 Tiefbrunnen des Wasserwerks Guggenmühle am unteren Bildrand bezieht Fürth 43 Prozent seines Trinkwassers. Die geplanten Allersberger Industriegebiete grenzen unmittelbar ans Wasserschutzgebiet. Kritiker befürchten Verunreinigungen.

29.08.2019


"Gegen Handwerksbetriebe und regionalen Mittelstand hätten wir gar nichts einzuwenden", sagt die Fürther Landtagsabgeordnete Barbara Fuchs. Das große Industriegebiet sei jedoch mit viel mehr Flächenversiegelung und Verkehrsaufkommen verbunden. Befürchtet wird die Ansiedlung eines internationalen Logistikunternehmens. Dagegen will die Bürgerinitiative Lebenswertes Allersberg ein Bürgerbegehren starten. Fuchs klagt über mangelnde Transparenz bei der Entwicklung des Industriegebiets.

Mit Vertretern der Bürgerinitiative und des Bundes Naturschutz haben sich jetzt Fürther Grüne vor Ort umgesehen. Neben der Landtagsabgeordneten waren auch die Stadträte und infra-Aufsichtsräte Waltraud Galaske und Harald Riedel mitgekommen. "Wenn es ums Trinkwasser geht, müssen sofort die "Alarmglocken läuten", sagt Riedel. Die Trinkwasserbrunnen seien schließlich nur etwa 300 Meter vom geplanten Industriegebiet entfernt.

Was den Kritikern Sorgen bereitet, ist auch der Umstand, dass das Regenwasser Richtung Brunnenfassung abläuft. Damit könnten nach Ansicht der Grünen Schadstoffe in die Schutzzone gelangen. Denn bei einer Flächenversiegelung der rund 33 Hektar könne Regen nicht mehr natürlich versickern, sondern müsse über Bäche direkt in die Rednitz geleitet werden, was erhebliche Auswirkungen auf die Ökologie habe. Manfred Kinzler vom Bund Naturschutz erläutert, dass das Niederschlagswasser nach Westen wandere, allmählich in die unteren Grundwasserschichten gelange und sich so auch auf die Trinkwasserversorgung auswirke.

Vom Gewerbegebiet unterscheidet sich ein Industriegebiet durch Ansiedlung von Betrieben, die ein ortsunübliches Maß an Umweltbelastung produzieren. Die infra dürfe hier keine Kompromisse eingehen, fordern die beiden Aufsichtsräte. Bedroht werde auch ein vom Landesbund für Vogelschutz betreutes Biotop mit einem kleinen Teich. Eine Austrocknung führe unweigerlich zum Verschwinden der dortigen Fauna und Flora.

Auf mehreren Standbeinen

Die infra, zuständig für die Fürther Trinkwasserversorgung, baut gerade eine neue Wasseraufbereitung neben dem Mannhofer Wasserwerk. Hier werden bisher nur rund 7 Prozent des Fürther Trinkwasserbedarfs gefördert. Der Löwenanteil kommt aus der städtischen Wasserfassung im Rednitztal mit Wasserwerk in Dambach. Bei Hochwasser sind die Brunnen im Flusstal aber nur bedingt nutzbar. Deshalb legt die infra großen Wert darauf, ihre Wasserversorgung auf mehrere Standbeine zu stellen.

Hartmut Täufer und Volker Dittmar

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