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Donnerstag, 25.04.2019

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Gespür für wahre Werte

Stadtheimatpfleger über den Umgang mit Kunst am Bau - 10.05.2008

Alexander Mayer setzt auf Aufklärung. © Winckler


Herr Mayer, vielfach wird der betagte Fassadenschmuck als nicht mehr zeitgemäß angesehen . . .

Mayer: . . . zu Unrecht, denn Geschichte ist immer zeitgemäß, wirkt sie doch in die Gegenwart hinein. Leider wird Kunst am Bau heute kleingeschrieben. Es gibt keine Künstler mehr die noch so großflächige Arbeiten anbieten, aber auch keine Auftraggeber wie einst hauptsächlich Baugenossenschaften und Schulbehörden.

Ist der geringe Stellenwert nicht auch eine Frage der Mode?

Mayer: Natürlich. Auch der Jugendstil erlebte eine Tragödie. Als nach dem Ersten Weltkrieg die These aufkam, das Ornament sei vertane Arbeitskraft, verschwanden die Verzierungen weitgehend. Und die Sgraffiti aus der Nachkriegszeit waren vielleicht auch eine Gegenbewegung zum Super-Klassizismus der Nazis. In der ehemaligen DDR wurden die Wandgemälde und -mosaike übrigens viel länger gepflegt als im Westen.

Was bedeuten Ihnen die Arbeiten?

Mayer: Für mich persönlich gibt es da schon Unterschiede. Ich schätze vor allem Werke des eigenwilligen Fürthers Hans Langhojer.

Viele Fürther teilen Ihre Begeisterung wahrscheinlich nicht.

Mayer: Es ist schon merkwürdig. Wer in einem verzierten Gebäude lebt, schätzt den Schmuck oft weniger als ein unbeteiligter Passant. Vielleicht empfindet man diese Kunst wegen ihres Alters als lästig. auch Max Grundig war davor übrigens nicht gefeit. Er ließ ein wunderschönes Glasmosaik des legendären Radios Heinzelmann aus dem Treppenhaus des Verwaltungsgebäudes entfernen, weil er sich nicht mit technisch überholten Dingen schmücken wollte. Dennoch wächst im öffentlichen Bewusstsein das Ansehen der Nachkriegskunst.

Wie das?

Mayer: Wenn man einmal vor Augen führt welchen Reichtum an Kunstwerken Fürth auch auf diesem Gebiet vorzuweisen hat, wird automatisch klar, dass es sich hier nicht um Nebensächlichkeiten handelt. Ermutigend ist zum Beispiel, dass die im Stadtparkcafé bei der jüngsten Renovierung entdeckte Wandmalerei nicht überpinselt sondern zum Blickfang hergerichtet wurde.

Aber die energiepolitische Notwendigkeit der Wärmedämmung von Gebäuden steht vielerorts der Fassadenkunst entgegen. Gibt es keine Rettung?

Mayer: Doch. Man kann durchaus dämmen und die Kunst erhalten. Durch Innendämmung nämlich, die inzwischen perfektioniert wurde und nur wenig teurer ist als die herkömmliche Außendämmung. Bei denkmalgeschützten Altbauten wird das mit offenporigen Kalziumsilikatplatten erreicht. Die gedämmte Wand schwitzt nicht, es bildet sich kein Schimmel. Eine Notlösung, die sich nur im Ausnahmefall bei kleineren Arbeiten anbietet ist die Fotokopie von Wandgemälden auf die Dämmung.

Gibt der Denkmalschutz eine Handhabe zum Erhalt dieser Kunst?

Mayer: Das Dumme ist, dass die Gebäude aus der Nachkriegszeit meist noch nicht unter Denkmalschutz stehen. Es gibt aber durchaus die Möglichkeit, auch Gebäudedetails wie Sgraffiti separat unter Denkmalschutz zu stellen. Für die Hausbesitzer bringt das den Vorteil von Abschreibungsmöglichkeiten der Kosten für Unterhaltsarbeiten. Interview: VOLKER DITTMAR 

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