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Donnerstag, 22.10.2020

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Glücksspielsucht: Protestaktionen gegen laxere Regeln

Bundesweiter Aktionstag am 30. September - Auch die Fürther Caritas ist dabei - 28.09.2020 11:00 Uhr

Glücksspiele machen viele Menschen süchtig.

© Foto: Amelie Geiger/dpa


"Vom Glücksspielvirus infiziert", heißt es in deren Pressemitteilung, "geraten Menschen in eine Krankheit der psychischen, finanziellen und sozialen Selbstzerstörung." Am Mittwoch besteht von 12 bis 13.30 Uhr in der Gustav-Schickedanz-Straße/Ecke Fürther Freiheit und von 14 bis 15.30 Uhr in der Fußgängerzone Schwabacher Straße/Ecke Blumenstraße die Möglichkeit, mit Beratern zu sprechen. Außerdem warnt die Caritas mit einer "anschaulichen Szenerie" vor den Verlockungen der Glücksspielindustrie.


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2019 sagte Geschäftsführer Michael Bischoff, immer mehr Menschen suchten die Hilfe der Caritas, weil sie aus eigener Kraft nicht aus ihrer Sucht fänden. Bischoff kritisierte Online-Casinos und Sportwetten als "Riesenproblem" und klagte: "Fatalerweise werben Promis wie Oliver Kahn gezielt für solche Angebote", die via Smartphone stets verfügbar und so extrem verführerisch seien.

Länder dulden illegale Online-Glücksspiele

Betroffene und Suchtexperten sind in Aufruhr, seit Medien wie die Süddeutsche Zeitung kürzlich berichteten, dass die Bundesländer jetzt illegale Online-Glücksspiele dulden wollen. Der Betroffenenbeirat Bayern prangert an, dass der neue Glücksspielstaatsvertrag, der 2021 verabschiedet werden soll, die Lizenzierung von Online-Glücksspielportalen vorsieht. Und: Noch vor dem Inkrafttreten beabsichtigten die Länder, bisher illegale Websites ausländischer Anbieter zu dulden.

Den Machern wirft der Beirat vor, Spielende in die Abhängigkeit zu führen, "was letztendlich zur Zerstörung ihrer Existenz führen kann". Die Betroffenen fragen: "Wie kann es sein, dass illegale Geschäftemacher plötzlich geduldet und lizenziert werden?" Wer jahrelang ohne Führerschein Auto fahre, erhalte vom Staat ja auch keine Straffreiheit.

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Nachts in der Spielhalle: Geld, Gier und Gegner

Abends haben Spielhallen Hochbetrieb. Die Menschen zieht es vor die kunterbunt blinkenden Automaten. Der große Gewinn lockt, die Mitarbeiter schenken Kaffee und Cola aus. Doch auch Suchtkranke und Überfälle gehören zum täglichen Geschäft. Das passiert nachts in einem Spielhalle.


Konrad Landgraf, Geschäftsführer der Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern (LSG), spricht von einer "Katastrophe für den Spielerschutz". Die neuen Regelungen seien "ein Schlag ins Gesicht jener Menschen, die durch Glücksspiele alles verloren haben." Völlig absurd aus seiner Sicht: Die Aufweichungen kämen, obwohl eine länderübergreifende Aufsichtsbehörde zur Überwachung noch gar nicht einsatzbereit sei.

Glücksspielsucht mit dramatischen Folgen

"Die Folgen einer Glücksspielsucht sind mitunter dramatisch", betont Landgraf. Betroffene verspielen ihm zufolge häufig ihr ganzes Geld, verlieren ihren Arbeitsplatz, ihre Familie und Freunde, bekommen oftmals Depressionen und werden mitunter kriminell. Hinzu komme eine überdurchschnittlich hohe Suizidgefahr.

Die Glücksspielindustrie stelle Glücksspiele gerne als "ganz normale Freizeitbeschäftigung dar, was sie aber nicht sind", sagt Landgraf. Bundesweit hätten nach offiziellen Angaben über 400.000 Menschen glücksspielbezogene Probleme.

fn

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