Groß angelegte Aktion: Fürth geht gegen die Tigermücke vor

6.5.2021, 06:00 Uhr
Ihr gehen Blutsauger buchstäblich auf den Leim: Judith Auer von APC zeigt eine der Fallen, in denen Tigermücken gefangen werden. Sie bleiben dann an Klebekarten hängen.

Ihr gehen Blutsauger buchstäblich auf den Leim: Judith Auer von APC zeigt eine der Fallen, in denen Tigermücken gefangen werden. Sie bleiben dann an Klebekarten hängen. © Foto: APC

Die Tatsache, dass sie ihre Opfer auch untertags aggressiv verfolgen und nicht nur in der Dämmerung wie die heimischen Arten, könnte man noch unter "lästig" verbuchen. Gefährlich sind die Vertreter von Aedes albopictus, weil sie als potenzieller Überträger schwerer Krankheiten gelten. Sie können laut Helge Kampen vom Friedrich-Loeffler-Institut mindestens 20 Viren verbreiten. Dazu gehören Erreger, die Tropenkrankheiten wie Dengue-, West-Nil-, Zika- und Gelbfieber oder Chikungunya verursachen.

Die Asiatische Tigermücke kann gefährliche Krankheiten übertragen.

Die Asiatische Tigermücke kann gefährliche Krankheiten übertragen. © Foto: Imago

Die Viren geben die Insekten allerdings nur weiter, wenn sie vorher infizierte Menschen gestochen haben. Das ist leider auch in Deutschland nicht ausgeschlossen. Es muss sich nur ein Urlauber während einer Fernreise angesteckt haben. Sobald ihn nach der Rückkehr in heimische Gefilde eine Tigermücke sticht, könnte diese den Erreger auch an andere weitergeben. Die weiblichen Tiere, die das Blut für die Entwicklung der Eier aufnehmen müssen, begnügen sich nämlich nicht mit einer Mahlzeit, sondern stechen mehrmals zu.

Mit der Zahl steigt das Risiko

Je größer die Population, desto größer ist auch das Risiko, dass es zu Ausbrüchen tropischer Krankheiten in Deutschland kommt. Dann könne man nicht mehr bei der Mücke ansetzen, indem ihre Population dezimiert wird, sondern beim Erreger. "Man müsste einen Impfstoff entwickeln", so Kampen.

Der Biologe hält es deshalb für dringend geboten, dass man gegen die Asiatische Tigermücke so schnell und so intensiv wie möglich vorgeht, wenn sie sich erst einmal angesiedelt hat. Genau das hat nun die Stadt Fürth vor: Nächste Woche startet eine groß angelegte Aktion.

Beauftragt ist die Firma APC, mit der die Stadt schon im letzten Jahr zusammengearbeitet hat. Das Unternehmen ist bundesweit vertreten und unterhält eine Niederlassung in Nürnberg. APC ist die Abkürzung für Allround Pest Control – zu Deutsch: Universelle Schädlingsbekämfung.

"Es geht darum, die Vermehrung mit verschiedenen Methoden zu unterbinden: Die Mücken werden in Fallen gefangen, ihre Larven unschädlich gemacht und Wasserstellen trockengelegt oder abgedeckt", sagt Jürgen Tölk, Leiter des Amts für Umwelt, Ordnung und Verbraucherschutz in Fürth. Ab nächster Woche werden APC-Mitarbeiter dafür in dem betroffenen Gebiet Gärten und Parzellen aufsuchen, um Wasserstellen wie Zisternen und Regenwassertonnen zu behandeln.

Zum Einsatz kommt der Eiweißweißstoff BTI, der aus dem Bakterium Bacillus thuringiensis israelensis gewonnen wird. BTI tötet Mückenlarven extrem zuverlässig ab. Er ist zwar in Bau- und Gartenmärkten für jedermann erhältlich. Im Fall der Fürther Tigermückenplage übernehmen aber erst einmal Profis die Anwendung.


Klein und aggressiv: Tigermücke in Fürth lässt sich nicht mehr ausrotten


Besonders wichtig ist das in der Kalbsiedlung. Hier haben viele Gärten eine Zisterne, aus der die Bewohner aufgefangenes Regenwasser mit Pumpen heraufbefördern und zum Gießen nutzen. Diese Auffangbecken haben sich letztes Jahr als Brutstätten erwiesen. "Als wir eine geöffnet haben, sind uns gleich jede Menge Tigermücken entgegen geschwirrt", sagt Judith Auer, die die für Fürth verantwortliche Projektleiterin bei APC ist und es sonst eher mit Ratten, Schaben oder Motten zu tun hat.

Mit BTI behandelt werden auch die Sinkkästen des öffentlichen Kanalnetzes, von Laien gerne als Gullys bezeichnet. In den Schächten steht oft Wasser, in dem sich die Insekten vermehren können. In den betroffenen Kleingärten liegt der Fokus auf den Regentonnen. Sie werden mit dichten Netzen abgedeckt, um eine Eiablage zu unterbinden.

Weibchen legen bis zu 100 Eier

In Fallen sollen außerdem möglichst viele weibliche Exemplare der exotischen Mückenart gefangen werden. Die Tiere fühlen sich von den mit Flüssigkeit gefüllten Behältern angezogen. Sie versuchen, ihre Eier im Inneren abzulegen und bleiben an einer Klebekarte hängen. Letztes Jahr wurden in Fürth laut Auer innerhalb von vier Wochen in 150 aufgestellten Fallen 2500 weibliche Tigermücken gefangen, von denen jede bis zu 100 Eier legen kann. "Auf diese Weise hat man das Schlüpfen von 250.000 Tigermücken verhindert."

Neben all diesen professionellen Maßnahmen darf eines laut Tölk und Auer nicht fehlen: Man müsse so viele Leute wie möglich für das Problem sensibilisieren. Die Mithilfe von Bewohnern und Kleingärtnern ist unerlässlich. Wichtig ist, dass sie zum Beispiel Wasseransammlungen in Gießkannen und Pflanzenuntersetzern vermeiden, das Wasser in Planschbecken und Vogeltränken regelmäßig erneuern und diese penibel reinigen.

Bevor die neue Bekämpfungsoffensive startet, will man die Bevölkerung in den betroffenen Gebieten noch einmal mit Aushängen und Briefen darüber informieren. Die APC-Mitarbeiter haben ein Schreiben des Umweltamtes dabei, um nachzuweisen, dass sie in offizieller Mission unterwegs sind und Grundstücke betreten dürfen.

Wie es in den Folgejahren weitergeht, wird das Monitoring zeigen, das letztes Jahr begonnen hat und heuer fortgesetzt wird. Für dieses Jahr sind rund 200.000 Euro eingeplant, um den Asiatischen Tigermücken das Leben und vor allem die Fortpflanzung schwer zu machen.

Auch andere Städte betroffen

Fürth ist übrigens mit dem Problem, dass sich die tropische Art angesiedelt hat, nicht alleine: Auch in Heidelberg, Weinheim und Meckesheim stehen heuer groß angelegte Aktionen zur Dezimierung an. Eine umfassende Beobachtung der Lage startet im Rhein-Neckar-Kreis sowie in Sinsheim.

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