Donnerstag, 09.04.2020

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Großer Wurf in Zirndorf: Landratsamt plant Anbau

Siegerentwurf für Behörde im Pinderpark steht fest - 13.01.2020 20:57 Uhr

Der Siegerentwurf im Modell: An das bestehende Landratsamtsgebäude in Zirndorf schließt unten ein Büroriegel an, an den wiederum der neue Sitzungssaal andockt. © Hans-Joachim Winckler


Wer sich in der Woche vor Weihnachten ins alte Landratsamt am Fürther Stresemannplatz aufmachte, durfte sich als Wanderer zwischen den Welten fühlen. Auf dem Weg vom Foyer bis in die erste Etage war genügend Zeit, das Flair der 1960er Jahre zu inhalieren. Oben angelangt, wartete im Sitzungssaal die Zukunft – zumindest in Form von Modellen und Plänen.

Bekanntlich will der Landkreis seine Verwaltung künftig in Zirndorf konzentrieren. Und dafür muss ein Anbau an das 2003 bezogene Amt im Pinderpark her. Die Alternative, die Immobilie in Fürth zu sanieren, hatte der Kreistag bereits im Oktober 2015 verworfen. Einerseits schreckten die hohen Kosten, anderseits sprachen kurze Wege und damit viel Zeitersparnis für die Bibertstadt als alleinigen Standort. Ein erster Schritt dazu wurde bereits vor drei Jahren getan, als rund 40 Mitarbeiter von Gesundheits- und Veterinärbehörde Fürth den Rücken kehrten und in den Pinderpark 4, das ehemalige Madeleine-Gebäude, umsiedelten.

Nun soll also der große Wurf in Zirndorf folgen, aber in welcher Form? Dazu hatte der Landkreis einen sogenannten Realisierungswettbewerb initiiert, begleitet von einem Fachbüro. Von "einer komplexen Aufgabenstellung" sprach Landrat Matthias Dießl.

Ein Beispiel: das sogenannte "Adressing". Bisher fahren Besucher, die mit dem Pkw von Zirndorf kommen, durch den Torturm um das Gebäude herum. Denn dort – auf der Nordseite – liegen Parkplatz und Eingang. Das wird anders: Von der Straße im Pinderpark geht es entweder gleich in die Tiefgarage oder über eine neue Verbindung zum bestehenden Parkplatz. Wer mit dem Bus kommt, um Amtsgeschäfte zu erledigen, gelangt künftig direkt von der Haltestelle an der Vogelherdstraße zum neuen Haupteingang. Der große Schriftzug "Landratsamt" an der Fassade erleichtert die Orientierung.

Kurze Wege erwünscht

Weil "der Bürger als Kunde", so Dießl, im Mittelpunkt stehen soll, wird der entsprechende Servicepunkt zentral im Eingangsbereich etabliert. Kurz sollen die Wege auch zu den publikumsträchtigen Bereichen wie Kfz-Zulassung und Führerscheinstelle werden. Das alles verlangt viel vom Bürokonzept. Von "Multispace" ist die Rede, das heißt, die Möglichkeiten sollen vielfältig und funktional zu nutzen sein. Von Besprechungs-Inseln für Mitarbeiter und Bürger, über Rückzugsräume oder Einzelzimmer reichte das Anforderungsprofil. Als weitere Eckpfeiler mussten die Planer im Projekt einen Sitzungssaal und eine Kantine integrieren.

An einer Ausschreibung im Europäischen Amtsblatt beteiligten sich 58 Bewerber, wobei immer ein Team aus Architekten und Freiraumplanern gefordert war. Das vom Landkreis beauftragte Büro prüfte Leistungsfähigkeit, Referenzen, Knowhow und lichtete so den Kreis der Kandidaten. Weil das Feld noch immer zu groß war, wurde danach noch gelost. Letztlich nahm das 13-köpfige Preisgericht – besetzt mit Fachleuten und Kreisräten – 21 Beiträge unter die Lupe. Nach zwei Tagen stand der Favorit fest: der Entwurf von Ey Architektur (Berlin) und Terraform (Kleinmachnow).

Noch sitzen 122 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Landkreisverwaltung in der Dienststelle am Fürther Stresemannplatz. In ein paar Jahren soll das Geschichte sein. © Hans-Joachim Winckler


Die Sieger entwickelten die T-Form des bestehenden Amtsgebäudes mit einem viergeschossigen Büroriegel im Osten zu einem "H" weiter. In seinem Protokoll lobt das Preisgericht unter anderem die funktionale Schlüssigkeit des Konzepts. Das Erdgeschoss als zentrale Verteilungsebene überzeuge mit klaren, kurzen Wegen zu Bürger-Service-Büro, Mitarbeiterkantine und Sitzungssaal, heißt es. Weniger gefiel dagegen die "trockene architektonische Anmutung". Abstellmöglichkeiten für 50 Räder und zwölf E-Bikes sind vorgesehen. Außerdem erhöht sich die Anzahl der Parkplätze von derzeit 217 auf 290.

"Eye-Catcher" mit Knackpunkten

Es wirke, als sei es schon immer so geplant gewesen, sagte der Landrat mit Blick auf den Gewinner-Entwurf. Mehr Pep hätte freilich das Modell der Zweitplatzierten geboten. Die Hascher Jehle Design GmbH und Weidinger Landschaftsarchitekten, beide aus Berlin, konzipierten einen Neubau in Form eines Dreiecks. Jede Menge Lob seitens des Preisgerichts kassierte der "Eye-Catcher" dann auch. Nur gab es zwei große Knackpunkte: die langen Wege zwischen den Gebäuden und der Verbindungsgang zum Altbau – ein potenzielles "Nadelöhr",so die Befürchtung.

Über ein Preisgeld von 34.500 Euro durften sich die Wettbewerbssieger freuen, denen der Landkreis nun angeboten hat, das Projekt zu realisieren. Man wartet aktuell auf ein entsprechendes Angebot. Kommt man zusammen, beginnen noch in diesem Jahr die Planungen.

2021 oder 2022 könnte der Spatenstich sein, und dann zwei bis drei Jahre später der Umzug weg aus Fürth erfolgen. "Sehr grob" sind diese Zeiträume laut Dießl. Was die finanzielle Seite angeht, stehen 19,6 Millionen Euro im Raum. Eine Summe, die aber lediglich auf Kostenwerten inklusive abgeschätzten Preissteigerungen beruht, und deshalb "sehr vage" ist, so Landkreisarchitekt Klaus Egerer.

Als sicher gilt dagegen: Die Immobilie in Fürth muss zur Finanzierung des Mega-Projekts beitragen. Die Dienststelle steht am Stresemannplatz auf rund 6700 Quadratmetern in bester Stadtlage. Der sanierungsbedürftige Altbau mindert bei einer Vermarktung aber den Wert.

Summe wird aufgeteilt

Und da ist noch ein Punkt: Zwar gehören Fläche und Gebäude dem Landkreis, der bayerische Staat hat jedoch ein Wörtchen mitzureden. Weil er dem Landkreis früher eine Liegenschaft in der Fürther Amalienstraße zu Verwaltungszwecken überlassen hatte, die inzwischen längst die Fachoberschule nutzt, resultieren daraus noch finanzielle Ansprüche.

Das bedeutet: Wird das Objekt am Stresemannplatz verkauft, käme es zu einer Aufteilung der Summe. Sollte der Freistaat das Ensemble selbst nutzen wollen, würde der Landkreis dementsprechend entschädigt. Da dürfte noch einiges zu verhandeln sein, bis sie dann kommt, die schöne neue Welt im Zirndorfer Pinderpark.

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