"Gulli, Gulli": Dullnraamer vor der Premiere

6.2.2020, 21:00 Uhr
Lieber bunt als braun: Die Dullnraamer sind meinungs- und sangesfreudig unterwegs, mit Hang zu schrillen Kostümen inklusive. Das Foto entstand bei der „Sidzung“ im vorigen Jahr.

Lieber bunt als braun: Die Dullnraamer sind meinungs- und sangesfreudig unterwegs, mit Hang zu schrillen Kostümen inklusive. Das Foto entstand bei der „Sidzung“ im vorigen Jahr. © Hans-Joachim Winckler

Und dann wäre da noch ein Thüringer FDP-Abgeordneter, der bis gestern Nachmittag nur seiner Frau ein Begriff war. Aber nun ist er, ausgesprochen plötzlich, mit AfD-Stimmen Ministerpräsident. Pures Kabarett-Gold, wenn es nicht so erschütternd traurig wäre.

Aber da ist das Gespräch mit Ute Weiherer schon ein paar Tage alt. Und in der Dullnraamer-Chefetage gilt die Devise: Nach 32 Nummern ist nun mal Schluss, komme noch nach, was da wolle. Keine 33. Nummer. Wie immer. "Und wie immer fällt mir nach 32 Nummern auch nichts mehr ein", sagt Autorin Weiherer. Mit 32 Nummern ist übrigens auch garantiert, dass nach drei Stunden Schluss ist. Eine Frage des Timings. Zumal irgendwann auch Zuschauer-Hintern auf Bierbänken unruhig werden.

Alles beim Alten also bei den Kanalräumern, die den Kampfbegriff "Fasching" auch in der 27. "Sidzung" auf sehr spezielle Weise ausdeuten. Ja, es gibt einen Elferrat, einen Schlachtruf, der "Gulli Gulli" heißt, Sketche und Tänze und zum Finale den Song "Für immer bleeed!"; doch den Dullnraamer–Neuling dürfte schon nach wenigen Minuten die Erkenntnis schütteln, dass närrisches Treiben tatsächlich auch ohne Kindergarde, Herrenwitze, Vegetarier-Bashing und Ordens-Gedöns, um nur ein paar ganz wenige Beispiele zu nennen, über die Bühne gehen kann.

"Alternativ-Fasching", ein Aufkleber mit inzwischen leichten Gebrauchsspuren, heißt übrigens nicht, auf dem linken Kabarettisten-Auge blind zu sein. 2020 kriegen die Grünen ebenso einen der berüchtigten Dullnraamer-Songs wie SPD - Weiherer: "Man versteht immer weniger, was bei denen abgeht" - und Linke. Auch heuer nämlich hat sich Weiherer im Schulterschluss mit der Dullnraamer-Band auf Rock- und Pop-Klassiker einen Reim gemacht, denn die Fürther Kanalräumer sind keine reine Quassel-, sondern auch eine Mitsing- und Abtanzbude. Mit einem Lachen, das dir schon auch mal im Hals stecken bleibt.

Keinen Bock auf Trump

"Es wird von Jahr zu Jahr furchtbarer", glaubt Weiherer, Herrin über 17 närrisch bewegte Ensemble-Damen und -Herren, erkannt zu haben - und meint einen Verkehrsminister im Chaos-Modus, wahnwitzige Wurst-Rückrufaktionen und irrwitzigen Fachkräftemangel, Klimakrisen, Kreuzfahrt-Sauereien und E-Scooter-Rambos. Trump und Johnson meint sie nicht, "Ich hab’ einfach keinen Bock mehr auf die zwei", zu denen alles bereits gesagt sei, und zwar mehrfach.

Dann aber flugs zur Gretchenfrage der Witzebastler-Branche: Wie hältst du’s anno 2020 mit Greta-Scherzen? Weiherer: "Machen wir auf keinen Fall. Ich denke, man sollte sich nicht mit der Person, sondern mit dem Thema inhaltlich auseinandersetzen."

Dass der GroKo auch heuer und noch immer nicht die Herzen der Dullnraamer zufliegen, dürfte an einigen der 32 Nummern unschwer zu erkennen sein. Zu den - auch aus bühnentechnischer Warte - wagemutigsten Ideen dürfte diesmal eine live kommunizierende WhatsApp-Gruppe "Regierung" zählen, in der es garantiert zugeht wie in einer WhatsApp-Gruppe. Eher überschaubar soll hingegen die Breitseitendichte gegen die lustige Stadt namens Fürth bleiben. Warum? So kurz vor den Kommunalwahlen "machen wir keine Beeinflussung von oben herab", so Weiherer.

Dullnraamer-Sidzung 2020: 14./15./21./22. Februar, jeweils 20 Uhr, Kulturforum (Würzburger Straße 2). Karten mit ZAC-Rabatt in der FN-Geschäftsstelle (Schwabacher Straße 106, Tel. 2 16 27 77) und ohne Rabatt an der Kufo-Kasse.

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