Samstag, 17.04.2021

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Hat die Politik Jugendliche zu wenig im Blick?

Die Pandemie befördert soziale Isolation, warnt der Stadtjugendring - 20.12.2020 21:00 Uhr

Zu selten ging es heuer um die Bedürfnisse und Aktivitäten von Jugendlichen außerhalb des Unterrichts, sagt der Stadtjugendring.

17.12.2020 © Foto: Hans-Joachim Winckler


In der öffentlichen Debatte werde oftmals nur von Jugendlichen in der Schule geredet. Zu selten bekämen diese aber Gehör für ihre Bedürfnisse, Interessen und Aktivitäten außerhalb des Unterrichts, heißt es seitens der Organisation, die die Jugendvereine und -verbände in der Stadt vertritt.

Ein wichtiges Zeichen der Politik sei es deshalb gewesen, die Jugend(verbands)arbeit im Zuge des "Lockdown light" zunächst nicht weiter zu beschränken. Es galt zwar weiterhin, die bestehenden Hygienekonzepte umzusetzen, aber Jugendzentren und -gruppen konnten ihre sozial relevante Arbeit fortführen.

Die Bedeutung dieser politischen Entscheidung belegt auch eine Umfrage der Bundesarbeitsgemeinschaft Landesjugendämter unter den 590 deutschen Jugendämtern. Sie bestätigt die Befürchtung, dass Kinder und Jugendliche auf die aktuelle Krise mit Isolation und sozialem Rückzug reagieren, dass Bildungsnachteile besonders gravierend wirken und die psychosoziale Entwicklung erschwert wird.


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Auch der innerfamiliäre Druck dürfte steigen, Kindeswohlgefährdungen würden wahrscheinlicher. Personen in der Jugendarbeit, die außerhalb der Schule als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, werden deshalb noch wichtiger.

Umso enttäuschender sei es daher, klagt der Stadtjugendring, dass kürzlich, noch im Lockdown light, ein Verbot der Präsenz-Jugendarbeit beschlossen wurde. Die zahlreichen Ehrenamtlichen, Kinder und Jugendlichen sowie deren Eltern seien darüber nur unzulänglich informiert worden.

Eine Ersatzbetreuung innerhalb von Tagen, teilweise sogar Stunden zu organisieren, "ist eine Zumutung für alle Betroffenen". Gerade in der "dunklen Jahreszeit" hätte man sich ein sozialsensibleres Verhalten von der Politik erwartet.


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Der Stadtjugendring hat sich auch deshalb dazu entschlossen, die vielfältigen Aktionen zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu unterstützen. Unter Jugendlichen, heißt es zur Erklärung, werden vor allem Mädchen und junge Frauen Opfer von Gewalt. Zwar gibt es bereits viele Projekte wie das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen", das auch eine pädagogische Beratung anbietet. Eine aktuelle Studie der TU München stellte jedoch fest: Zwei von drei Opfern kennen dieses Angebot nicht.

Gefördert durch das Bundesprogramm "Demokratie leben", hat der Stadtjugendring in den vergangenen Wochen Fürther Fraueninitiativen in der Organisation und Finanzierung verschiedener Aktionen rund um den 25. November unterstützt.

fn

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