Heinrich Fausts Klinik-Aufenthalt

27.7.2007, 00:00 Uhr
Der Tragödie amouröser Teil: Probenszene mit Karsten Kunde (Faust) und Rike Weiherer (Gretchen) im Wirtschaftshof des Fürther Klinikums. Dort ist Platz für 200 Zuschauer.

© Hans-Joachim Winckler Der Tragödie amouröser Teil: Probenszene mit Karsten Kunde (Faust) und Rike Weiherer (Gretchen) im Wirtschaftshof des Fürther Klinikums. Dort ist Platz für 200 Zuschauer.

Natürlich führt Ute Weiherer Regie beim Sommertheater der Fürther Bagaasch, einer Koproduktion übrigens mit dem Klinikum. Noch immer kann sie sich dem Flair dieses ungewöhnlichen Spielortes nicht entziehen, der Open-Air-Anmutung bietet, aber trotzdem überdacht ist und 200 Sitzplätze bietet. Faust und Krankenhaus, sagt sie, das passt: «Da fallen mir sofort verbindende Themen wie der Drang des Menschen nach ewigem Leben und die Stammzellenforschung oder der kursierende Jugendwahn samt irgendwelchen Schönheitsoperationen ein.»

Goethes große Menschheitsparabel ist der Regisseurin sehr vertraut: «Das hat schon was von einer frühkindlichen Prägung. Daheim haben wir zeitweise nur in Faust-Zitaten gesprochen.» Nicht weiter erstaunlich also, dass sie jetzt «viel Wert auf den Text und den Umgang mit der Sprache» legen will. Gekürzt hat sie trotzdem. Nicht auf handliche «Tatort»- Länge, wohl gemerkt, sondern auf rund drei Stunden.

Auf der improvisierten Bühne im Wirtschaftshof des Klinikums werden «die üblichen Verdächtigen» (Ute Weiherer) aus der freien Szene stehen. Karsten Kunde spielt die Titelrolle, Rike Weiherer ist das Gretchen. Brigitte Döring wird zum Beispiel dabei sein, Marco Orwen, Udo Martin, Ute Rüppel, Sandra Bauer.

Eine Traumrolle

Den Mephisto gibt Uwe Weiherer: «Eine Traumrolle seit 25 Jahren», gesteht er und gibt doch zu, dass es schwer ist, «den eigenen Mephisto» zu finden: «Beim Einlesen habe ich gemerkt, dass ich durch zig Interpretationen geeiert bin. Da kam Gründgens raus, Brandauer, Boy Gobert . . .». Die Last, den gewichtigen Part neu erfinden zu müssen, spürt er nicht. Seine Aufgabe vergleicht er mit der Kreation eines neuen Parfüms: Die Stoffe bleiben stets mehr oder weniger die gleichen, doch auf die individuelle Abmischung kommt es an. Und: «Die Grundessenz hat eh der Herr Geheimrat gemacht.»

Die Aufgabe, das zweckdienliche, dezent betongraue Ambiente des Wirtschaftshofs in einen Theaterplatz zu verwandeln, hat Peter Frei übernommen. Neutral, minimalistisch und nicht zeitlich definiert, lauten die Stichwörter zu seinem Bühnenbild. Videoprojektionen gehören dazu sowie Objekte von «Monstermacher» Patrick Preller und Holzkunst von Josef Wurmer, die die Spielfläche eingrenzen.

Seit April wird intensiv geprobt. «Länger, anstrengender und viel härter noch als sonst» seien die Vorbereitungen für die 15 Mitwirkenden, versichert Ute Weiherer. «Und für die Regisseurin erst recht.» Und dann lacht sie ihr unverwechselbares, unternehmungslustiges Lachen und sieht kein bisschen danach aus, als müsste man sie bedauern. SABINE REMPE

«Faust I» von der Fürther Bagaasch in Koproduktion mit dem Klinikum wird vom 9. bis 11. August jeweils ab 19.30 Uhr im Wirtschaftshof des Klinikums gespielt. Eingang Robert-Koch-Straße, unterhalb der Ambulanz. Informationen im Internet unter www.faust-eins.de. Karten gibt es unter anderem in der Kantine des Klinikums, bei «Vom Fass» in der Schwabacher Straße 7 oder telefonisch in der Galerie Foerstermühle (73 10 87).