Mittwoch, 13.11.2019

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Herr über Schloss und Museum

Der Bayreuther Historiker und Archivar Martin Schramm folgt auf Brenner-Wilczek - 19.03.2010

. . . der 34-jährige Martin Schramm die Regie. © Winckler, privat


Schramm setzte sich gegen 60 Mitbewerber durch. Der Wissenschaftler, zuletzt Archivassessor am Staatsarchiv Bamberg, folgt auf Sabine Brenner-Wilczek, die Fürth im vergangenen Herbst in der Aufbauphase des Museums Richtung Düsseldorf verließ und in ihrer Eigenschaft als Stadtarchivarin binnen zweieinhalb Jahren dem Schloss eine völlig neue Außenwirkung bescherte.

»Meine Vorgängerin hat eine hervorragende Basis geschaffen, auf der wir aufbauen können», so Schramm, der sich »sehr freut», im Sommer die Doppelaufgabe von Schloss- und Museumsleitung zu übernehmen. »Ein Historiker schlägt normalerweise zwei Wege ein: Archiv oder Museum. Dass sich in Fürth beides vereint, ist ein Glück und eine schöne Herausforderung.»

In der Nähe von Hollfeld in der Fränkischen Schweiz kam er zur Welt, in Bayreuth wuchs er auf. In der Wagnerstadt folgte nach dem Abitur ein Studium der Neuesten Geschichte, bayerischen und fränkischen Landesgeschichte, weitere Studien-Stationen waren Berlin und die Coventry University. Anfang 2006 promovierte er über das Deutschlandbild in der britischen Presse in der Zeit von 1912 bis 1919. Von Bayreuth führte der Weg nach München auf die Bayerische Archivschule, die er mit dem Staatsexamen in der Tasche 2008 verließ. Im Bamberger Staatsarchiv war er zuletzt als wissenschaftlicher Archivar tätig, Erfahrungen mit Führungen und der Konzeption von Ausstellungen bringt er mit.

Mit der Fürther Stadthistorie ist er noch nicht auf Du und Du, seiner Vorgängerin ging es zum Amtsantritt allerdings kaum anders. »Jetzt ist kräftiges Pauken angesagt», so Schramm, den an seiner Arbeit besonders fasziniert, »dass man den Hauch der Geschichte spürt». Der Umgang mit Archivalien verschaffe »Einblicke darüber, wie es wirklich gewesen ist, man kann hinter die Kulissen schauen».

Sein besonderes Augenmerk wird in Fürth auf dem Bestand des Burgfarrnbacher Schlosses ruhen. Einerseits gehe es darum, »dass die Archivalien erhalten bleiben», zum anderen will Schramm den Online-Auftritt vorantreiben. Bislang sind die Bestände fast ausschließlich hand- und maschinenschriftlich erfasst, der Wechsel in die digitale Erfassung sei überfällig.

45 000 Bände

Das Schloss beheimatet das Stadtarchiv, die Stadtbibliothek und die Städtischen Sammlungen von Fürth. Das Archiv erschließt Akten, Amtsbücher und Urkunden, die bis ins Jahr 1314 zurückreichen. Darüber hinaus bewahrt es Nachlässe von Persönlichkeiten, Firmen und Vereinen. Die Stadtbibliothek wiederum umfasst etwa 45 000 Bände, darunter eine 1485 gedruckte Weltchronik. Die Bibliothek bietet eine große Auswahl zu den Themen Kunst-, Kultur- und Regionalgeschichte.

Das Stadtmuseum im Schloss eröffnete 1981, fristete zuletzt jedoch ein Schattendasein und blieb von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt. 2004 beschloss der Stadtrat daher den Aufbau eines völlig neu zu konzipierenden Museums in der Innenstadt. Die Standortwahl fiel auf das ehemalige Ottoschulhaus unweit der Fußgängerzone.

Nach einem kleinen »Appetithappen» zur Stadthistorie, der unter dem Titel »Fürther Mosaiksteine» im Jubiläumsjahr 2007 zu sehen war, schlossen sich die Türen wieder, weil das Museumsteam unter Brenner-Wilczeks Leitung am großen Wurf tüftelte. Für das - nach dem Fürther »Vater des Wirtschaftswunders» und Ottoschul-Zögling benannte - Stadtmuseum Ludwig Erhard schlägt am Freitag sozusagen die zweite Geburtsstunde.

Konzeptionell trägt das Haus vollständig die Handschrift Brenner-Wilczeks, die zum Festakt für geladene Gäste am kommenden Donnerstag auch dabei sein wird. Am 28. März gibt es einen Tag der offenen Tür. MATTHIAS BOLL

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