Hospizhaus für Fürth: Die Stadt macht Druck

14.2.2021, 21:00 Uhr
Menschen, die ihren letzten Weg antreten, werden dem Vorsitzenden des Hopizvereins zufolge in einer stationären Einrichtung am besten betreut.

Menschen, die ihren letzten Weg antreten, werden dem Vorsitzenden des Hopizvereins zufolge in einer stationären Einrichtung am besten betreut. © Imago

Ursprünglich hätte die Entscheidung Ende Oktober fallen sollen. Seither sind Monate ins Land gegangen, getan hat sich nichts: Immer noch ist unklar, ob die Krankenkassen die Kosten für ein stationäres Hospizhaus übernehmen, in dem Bürger aus der Stadt und dem Landkreis Fürth während ihrer letzten Lebenstage angemessen betreut werden.


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Pläne für eine solche Einrichtung gibt es schon länger, konkret wurden sie 2018, als die vier Hospiz-Apartments im Zirndorfer Helene-Schultheiß-Heim der Arbeiterwohlfahrt aufgelöst werden mussten. Grund dafür war auch, dass die geforderte, aber aufwändige Dokumentation der Rundumpflege nicht sichergestellt werden konnte.

Der Hospizverein kümmerte sich in den Apartments Roland Hanke zufolge um rund 60 Menschen im Jahr. Ginge es nach dem Vorsitzenden des Hospizvereins, nach der Stadt und dem Landkreis, entstünde in der Region ein Hospizhaus.

Zwei Grundstücke dafür haben die Initiatoren im Auge: Es soll entweder in Cadolzburg oder in Zirndorf gebaut werden. Zehn Betten sollen dann für Menschen bereitstehen, die von Fachkräften auf ihrem letzten Weg begleitet und umsorgt werden. Ein Hopizhaus mit weniger als acht Betten lasse sich nicht finanzieren, so Hanke, eines mit mehr als 16 "ist nicht statthaft". Denn: Man wolle in einem derart sensiblen Bereich keinen Massenbetrieb.

Ehrenamtliche irgendwann am Ende

Ein potenzieller Betreiber ist mit dem Humanistischen Verband seit längerem gefunden. Die Grundsteine sind also gelegt; was fehlt, ist die Entscheidung der Krankenkassen, ob sie die Kosten für ein Hospiz übernehmen. Ausschlaggebend ist dabei, ob sich nachweisen lässt, dass es ein solches Haus tatsächlich braucht.

Für Hanke, selbst Mediziner, steht das freilich außer Frage. Sein Verein und das hiesige Palliative-Care Team, dessen Geschäftsführer er ist, haben ihm zufolge im vergangenen Jahr 23,7 Prozent aller Sterbenden in der Region Fürth begleitet. "Damit ist bewiesen, dass wir leistungsfähig sind", sagt er. Doch weil die Ehrenamtlichen "irgendwann am Ende" seien, brauche es ein stationäres Angebot.

Entlastung für Angehörige

112 Freiwillige gehen zurzeit trotz Corona zu Sterbenden in Altenheime, ins Klinikum und zu ihnen nach Hause, um sie professionell bis zum Schluss zu begleiten. Doch irgendwo, so Hanke, "ist auch im häuslichen System ein Versorgungsende".

Die Vorteile eines Hospizhauses liegen für ihn auf der Hand: Zum einen sei rund um die Uhr jemand da. Zum anderen haben die Pflegekräfte eine spezielle Ausbildung, "sie können es ertragen, wenn jemand stirbt". Das sei schon im Altenheim schwer auszuhalten und für Angehörige zu Hause umso schwerer. Auch um die Familien zu entlasten, wünscht sich Hanke ein Hospizhaus. Doch es geht nicht so schnell voran, wie es ihm lieb wäre: Seitdem der Antrag im November 2019 eingereicht wurde, habe es vonseiten der Krankenkassen "immer wieder monatelanges Schweigen" gegeben.


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Inzwischen machen sich auch die Städte Ansbach und Roth für eine solche Einrichtung in ihrer Region stark – bisher haben beide Orte laut Hanke jedoch erst "bloße Willenserklärungen" ausgesprochen. Fürth sei da weiter: Man habe die Zahlen, Bewertungen und Berechnungen beisammen, um zu beweisen, dass eine stationäre Versorgung notwendig ist.

Der Freistaat allerdings hat den Bedarf an Hospizplätzen für Mittelfranken Hanke zufolge auf 32 beziffert – und genau so viele gibt es derzeit im Regierungsbezirk. Die Fürther müssen sich folglich ins Zeug legen, um ans Ziel zu kommen.

Dafür engagierte sich zuletzt nicht nur der Seniorenbeirat, sondern auch die Stadtspitze: Um den Druck auf die Krankenkassen zu erhöhen, hat sie sich an die AOK Bayern gewandt – die Allgemeine Ortskrankenkasse tritt als Verhandlungsführerin der Kassenverbände in Sachen Versorgungsvertrag auf. In ihrem Brief untermauern Oberbürgermeister Thomas Jung und sein Stellvertreter Markus Braun "den dringenden Bedarf einer solchen Einrichtung".

Entscheidung fällt noch im ersten Quartal

Ein Versorgungsvertrag sei für das Vorankommen des Projekts entscheidend. "Trotz mehrfacher Interventionen von unterschiedlicher Seite ist hier offensichtlich kein substanzieller Fortschritt zu erkennen", schreiben die Rathauschefs.

Ob ihr Brief die Dinge beschleunigt, bleibt abzuwarten. Schon vor längerem haben die Krankenkassen angekündigt, im ersten Quartal eine Entscheidung treffen zu wollen.

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