Donnerstag, 01.10.2020

|

Jeden Freitag: Gaukler und Co. beleben Fürths Fußgängerzone

An sieben Nachmittagen bietet die freie Künstlerszene Unterhaltung in der Innenstadt - 06.08.2020 13:00 Uhr

Die Corona-Polizei ist da: Philipp Thomas (li.) und Marc Vogel brachten mit ihrem Zorb die Passanten vorm LEZ zum Staunen.

© Foto: Tim Händel


Lustig ist die Lage nicht, auch wenn das Gauklerduo Marc Vogel/Philipp Thomas beim Pressetermin sein Bestes gibt und macht, was Gaukler so machen. Mitgebracht haben sie den "Zorb" - ein durchsichtiges Gummimonster, 3,20 Meter Durchmesser, eine Art steuerbare Kugel in der Kugel, die mit ihren stachelartigen Innenverstrebungen im Sommer 2020 sofort Assoziationen weckt.

"Die Situation ist und bleibt eine Katastrophe", sagt Vogel, dem rund 80 Prozent seiner Einnahmen seit dem Shutdown verlustig gegangen sind, "und da geht es mir noch vergleichsweise gut".


Wegen Corona-Flaute: Die Fürther City bekommt Hilfe


Nun greifen das Wirtschaftsreferat und die Innenstadtbeauftragte Karin Hackbarth-Herrmann der freien Künstlerszene unter die Arme. "Kultur am Freitag" heißt die am Freitag startende Veranstaltungsreihe an wechselnden Schauplätzen in der Fußgängerzone. "Wir sind uns bewusst, dass das Virus den Schaustellern und Künstlern übel mitspielt", sagt Wirtschaftsreferent Horst Müller. Die großen Weichen würden in München und Berlin gestellt; die Kleeblattstadt jedoch könne im Rahmen ihrer Möglichkeiten dafür sorgen, "dass wir das kulturelle Leben hier aufrecht halten", so Müller, der aktuell auch die erkrankte Kulturreferentin Elisabeth Reichert vertritt.

Aus dem im Juni verabschiedeten 355.000-Euro-Etat für innerstädtische Maßnahmen gegen die Auswirkungen der Pandemie fließen nun 20 000 Euro in "Kultur am Freitag" – 10.000 in die ersten sieben Nachmittage, ein zweiter Programmblock soll folgen.

Aufenthaltsqualität im Fokus

"Die Zeiten des reinen Zweckeinkaufens in der Innenstadt sind vorbei", betont Hackbarth-Herrmann, zu deutsch: Es braucht nicht nur, aber besonders in Corona-Zeiten mehr als nur offene Ladentüren. Die Fußgängerzone, ergänzt der Referent, werde nach der Pandemie "nicht mehr so sein wie sie vorher war", mehr denn je zähle das Thema Aufenthaltsqualität. In diesem Sinne sei "Kultur am Freitag" eine Vitaminspritze für die hiesige freie Kulturszene und für die Fußgängerzone.

Jeweils von 14 bis 18 Uhr (und vorerst bis einschließlich 18. September) ist Programm, auf die Fürther warten Walkacts, Gauklershows und Musik. Vogel, zugleich Initiator von "Kultur vor dem Fenster" und der Solidaritäts-Demos für die Kultur, hat den Warenkorb bestückt und bringt an diesem Freitag zum Auftakt The Rockin’ Lafayettes an den Start. Das rhythmusgeschüttelte Trio zieht ebenso durch die Stadt wie Vogels Gauklerensemble Un Poco Loco. An den folgenden Freitagen halten sich Clowns und Stelzenakrobaten bereit, Musik machen unter anderem das Indie-Folk-Duo Another Mother (21. August) und die Kärwa-erprobte Volxmusik-Kapelle Rohrfrei.

Damit Zuhörer, Zuschauer und Musiker den erforderlichen Abstand halten, versieht die bildende Künstlerin und designierte Fürther Kulturförderpreisträgerin Barbara Engelhard Fußgängerzonen-Stellen mit Wolken-Aufklebern – sozusagen himmlische Stehplätze, die Engelhard mit dem sinnigen Projekttitel "Auf Wolken schweben" versehen hat.

Und der Zorb? Natürlich rollt er gleich am Freitag wieder durch die Innenstadt.

MATTHIAS BOLL

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Fürth