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Klimawandel: Wie muss sich Stadtplanung ändern?

Luftschneisen und mehr Grün gegen Hitze-Hotspots - Fürth bewirbt sich - 30.09.2020 11:00 Uhr

Ein Segen: Die Talauen – hier der Blick vom Rathausturm – sind riesige Schneisen, sie gilt es „weiter zu verästeln, in die Stadt hinein“, sagt die Baureferentin.

22.09.2020 © Foto: Tim Händel


Die Bewerbung ist schon abgeschickt. Wenn sich der Wunsch der Verantwortlichen im städtischen Baureferat erfüllt, gehört Fürth bald zum Kreis der Kommunen, die für das Modellvorhaben "Klimagerechter Städtebau" ausgewählt werden. Fürth habe durchaus Chancen, ließ das Referat vor kurzem den Bauausschuss wissen – aber die Konkurrenz der Rathäuser, die ebenfalls von den Fördermitteln des Freistaats profitieren wollen, sei groß.


Ziele für 2035: Fürths neue Klimaschutzmanager legen los


Mit dem Geld sollen Städte dabei unterstützt werden, sich möglichst früh den Folgen des Klimawandels anzupassen und ihre weitere Entwicklung geschickt zu gestalten. Große Anstrengungen seien nötig, heißt es aus dem Baureferat, um auch in Zukunft eine hohe Lebensqualität im urbanen Raum gewährleisten zu können. Ganz konkret soll mit Hilfe der Fördermittel ein sogenanntes "Stadtklimakonzept" erarbeitet werden. Die Kosten schätzt das Baureferat auf 150.000 Euro.

Die Frage, die sich aufdrängt: Wozu braucht es ein Stadtklimakonzept, wo Fürth doch kürzlich den Startschuss für die Erarbeitung eines umfassenden "Integrierten Klimaschutzkonzeptes" gegeben hat? Zwei Klimaschutzmanager – ihre Stellen finanziert der Bund zu 90 Prozent – wurden eigens dafür eingestellt.

Wie leicht man da den Überblick verlieren kann, ahnt Diana Perkins, die im Umweltreferat für das Gebiet Klimaschutz zuständig ist. Sie stellt klar: Das Stadtklimakonzept wäre die vertiefende Analyse eines der vielen Aspekte, die für das Integrierte Klimaschutzkonzept relevant sind. Genauer: des städtebaulichen Aspekts.

Gibt es Hitze-Hotspots?

"Das ist ein zentrales Thema, das alle Städte betrifft", sagt Baureferentin Christine Lippert auf FN-Nachfrage. Mit Hilfe der Fördermittel könnte man sich die Situation in Fürth genauer ansehen: Wie heizt sich die Stadt im Sommer auf? Wo gibt es Hitze-Hotspots? Und muss man tätig werden, um sie zu entzerren oder gar nicht erst entstehen zu lassen? Etwa indem man Luftschneisen freihält und nicht bebaut.

Wie kann man mit mehr Grün für Abkühlung sorgen? Wie schützt man die Gewässer? Wie gestaltet man in Zukunft Plätze? Und Straßen? Wie jüngst schon der OB betont auch Lippert: Die Talauen seien ein Segen für Fürth. "Das sind zwei riesige Schneisen, die gilt es weiter zu verästeln, in die Stadt hinein", erklärt die Baureferentin.

Braucht Fürth wirklich eigene Klima-Ziele?

Mit der Förderung des Freistaats ließen sich eine "stadtweite ganzheitliche Klimaanalyse", so der offizielle Name, durchführen und konkrete Maßnahmenvorschläge erarbeiten. Das wäre auch deshalb hilfreich, so Perkins, weil das umfassende Klimaschutzkonzept wohl erst im Herbst 2022 vorliegen wird. "Wir haben Fragestellungen, bei denen wir nicht zwei Jahre warten wollen."

Während der Bauausschuss dem Vorhaben ohne Diskussion zustimmte, sorgte das Integrierte Klimaschutzkonzept im Umweltausschuss noch einmal für eine etwas hitzigere Debatte. Er könne nicht verstehen, sagte Grünen-Stadtrat Harald Riedel, warum man Zeit damit verliere, für Fürth nun erst eigene Klimaziele zu definieren, bevor man sich daran mache, Maßnahmen festzulegen. "Wir wissen, was wir erreichen müssen." Das Pariser Klimaschutzabkommen gebe das Ziel doch vor.

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Auch dass die Klimaschutzmanager zuerst eine Treibhausgasbilanz der vergangenen Jahre aufstellen sollen, leuchtet den Grünen nicht ein.

Umweltreferent Mathias Kreitinger, Bürgermeister Markus Braun (SPD) und auch der Dritte Bürgermeister Dietmar Helm (CSU) indes verteidigten den Zeitplan: Man wolle wissen, was speziell in Fürth realistisch sei. Vielleicht, so Kreitinger, könne man sich in Sachen CO2-Einsparung ja sogar mehr vornehmen als andere Städte oder der Bund?

Riedels Vorwurf, in Fürth passiere zu wenig in Sachen Klimaschutz, wies Braun verärgert als Versuch der Selbstprofilierung der Grünen zurück: Das Umweltreferat sei enorm verstärkt worden, viele Projekte seien bereits angestoßen worden.

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