29°

Sonntag, 25.08.2019

|

Kulturpreise: Mut zur Veränderung

Stadt setzt auf neues Konzept mit Schwung - 06.11.2012 19:00 Uhr

Die mit dem Förderpreis ausgezeichnete Malerin Julia Frischmann (v. re.), der Komponist und Kulturpreisträger Heinrich Hartl und der mit dem neuen Sonderpreis geehrte Autor Bernd Noack beim Festabend. © Hans-Joachim Winckler


Lange, sehr lange lauscht er mit geneigtem Kopf dem verklingenden Schlusston nach. Und erst als die Andeutung eines Lächelns auf Heinrich Hartls Gesicht zu erkennen ist, beginnt der Applaus.

Die Zurückhaltung hatte Fürths neuer Kulturpreisträger freundlich eingefordert, bevor er sich mit drei Stücken aus seinem Klavierzyklus „Lebenslied“ für die Ehrung bedankte. Was der Komponist und Pianist erbeten hatte, prägte zuvor den Abend. Erfreulich zurückhaltend erschien diesmal die Programmgestaltung. Straffer, schlanker, schneller ging es um das Wesentliche: die ausgezeichneten Künstler und die Vielfalt ihrer Arbeiten.

Tänzer Christoph Schedler (oben), Geiger Julius Beck und Bandleaderin Carina Madsius (li.) mit Musikern.


Kulturamtsleiterin Claudia Floritz, die beschwingt moderierte, nutzte die Gelegenheit für einen Appell. Mit Blick auf die anstehenden Etatberatungen bat sie die Verantwortlichen: „Vergessen Sie die Kultur nicht. Wir bewegen uns derzeit auf 6000 Meter Höhe – ohne Sauerstoff. Geben Sie uns Luft zum Atmen.“ Oberbürgermeister Thomas Jung versicherte: „Wir sind alle guten Willens.“ Mit einer sich erholenden Situation der Finanzen bliebe auch wieder mehr Luft für die Kultur.

Live-Beiträge und Einspielfilme richteten den Fokus auf die Preisträger. Carina Madsius (Leonhard und Ida Wolf Gedächtnispreis) stellte sich mit zwei Songs vor. Gemeinsam mit Pia Allgaier schrieb die Pianistin und Bandleaderin „Still The Same“ und „Change a thing“. Lieder, die komplexe Welten eröffnen. Violinist Julius Beck, für den es ebenfalls den Leonhard und Ida Wolf Gedächntnispreis gab, eröffnete einen weiten Spielraum und stellte sich mit Johann Sebastian Bach und Astor Piazzolla vor. Sein Bruder Moritz Beck begleitete ihn an der Gitarre.

Schwieriger vielleicht, aber nicht unlösbar, der Versuch, an diesem Abend vor das Publikum zu bringen, was die Kunst von Julia Frischmann und Christoph Schedler ausmacht. Beide wurden mit Kulturförderpreisen geehrt, die eine im Bereich Bildende Kunst, der andere für den Tanz. Schedler, der mit sechs Jahren in Fürth bei Julia Vitez zum Ballett kam, zählt heute als Tänzer zum Ensemble des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin. Der 21-jährige Fürther, der 2004 bereits den Talentpreis des Theatervereins bekam, beließ es nicht beim kurzen Interview-Film, der an seinem Arbeitsplatz aufgenommen wurde, sondern tanzte auf der diesmal schmal bemessenen Kufo-Bühne. Ein Balanceakt zwischen kraftvoller Technik und überlegter Raumausnutzung.

Auch die Malerin, Grafikerin und Objektkünstlerin Julia Frischmann wurde in einem pfiffigen Einspielfilm vorgestellt und bleibt zum Beispiel präsent mit dem schönen Satz: „Ich kann nur Sachen, die ich erlebt habe, wieder ausspucken.“ Ihrem Interviewer, dem Künstler Philipp Moll, beschied sie auf seine Frage nach Geheimbotschaften in ihren Bildern schlicht, dass diese Botschaften ja geheim sind, wenn es sie denn gibt. Da hilft nur eines: Selbst genau hingucken, was Julia Frischmann macht.

Eine Verleihungs-Premiere gab es auch: Zum ersten Mal wurde der Sonderpreis Kultur der Stadt Fürth vergeben. Die Auszeichnung für „kontinuierliche und/oder herausragende Akzente im Kulturleben der Stadt Fürth“ geht an Bernd Noack. Der Journalist und Autor las aus „Spurensuche“, seiner Serie in den FN, von der mittlerweile 50 Folgen erschienen sind. Ernst-Ludwig Vogel – bewaffnet mit Original-Zensurenbuch und Hardenberg-Jahresberichten aus den 70ern – würdigte Noacks Arbeit.

Das vorübergehend fusionierte „Elisen-Klanglust-Quartett“ spielte drei Sätze aus Heinrich Hartls Streichquartett „Back to the roots oder die immerwährende Suche nach Liebe“, bevor Autor Ewald Arenz engagiert und persönlich die Arbeit des Kulturpreisträgers 2012 beleuchtete. Hartls Werk sei sehr umfangreich und gleichzeitig unglaublich vielfältig. Der Komponist kenne keine Scheuklappen und sei in den unterschiedlichsten Genres zu Hause: „Er erschafft wunderbar stille, innige Kirchengesänge, hat keine Furcht vor wildem Schlager und vor bayerischen Gstanzl, schreibt Musicals mit nicht weniger Hingabe als große Orchesterwerke und Opern.“ Arenz verriet auch, warum ihn mit Hartl „eine robuste Männerfreundschaft“ verbindet und kam zu dem nachvollziehbaren Schluss: „Heinrich Hartl ist ein cooler Hund.“ 

SABINE REMPE

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Fürth