Lebensmittelretter legen jetzt auch in Fürth los

24.8.2015, 06:00 Uhr

© Archivfoto: Michael Müller

Die Facebook-Nachricht, die Mitglieder erhalten, wenn Nachschub da ist, sieht zum Beispiel so aus: „Wieder frische Backwaren am Fair-Teiler! Ganz viele Brötchen, Brot und auch Süßes!“ Oder auch so: „Es gibt wieder Backwaren und zusätzlich Brokkoli.“ Obst war ebenfalls schon im Angebot, und sogar Krabbenchips. Wer die Nachricht liest, kann sich bedienen. Anders als bei der Tafel spielt Bedürftigkeit keine Rolle.

Noch sind es in Fürth kleine Mengen, die am sogenannten „Fair-Teiler“, einem öffentlich zugänglichen Regal, angeboten werden. Die Fürther Foodsharing-Gruppe ist noch recht neu, 85 Mitglieder hat sie bisher, die Facebookseite gibt es seit Juni. In Nürnberg haben die Foodsaver (deutsch: Essensretter) schon vor eineinhalb Jahren losgelegt; sie verteilen Essen nicht nur, sondern kochen auch regelmäßig gemeinsam.

Inzwischen findet man die ehrenamtlichen Retter in vielen Städten in Deutschland und Österreich. Groß geworden ist die Bewegung dank der Internetseite www.foodsharing.de, die vom Dokumentarfilmer Valentin Thurn und vom Nachhaltigkeitsaktivisten Raphael Fellmer gegründet wurde. Thurn ist 2011 mit seinem Dokumentarfilm „Taste the Waste“ bekannt geworden, in dem er zeigt, wie Industriegesellschaften mit Nahrungsmitteln umgehen. Laut einer 2012 vom Bundesernährungsministerium vorgestellten Studie landen allein in Deutschland elf Millionen Tonnen Essen im Jahr im Müll. Jeder Bundesbürger wirft 82 Kilo weg. Die Foodsaver wollen das ändern.

Teilen statt wegwerfen

„Teile Lebensmittel, anstatt sie wegzuwerfen“, ist ihr Motto. Jeder, ob Privatperson oder Betrieb, kann mitmachen und hergeben, was übrigzubleiben droht: ob es nun die Äpfel sind, die man geerntet hat und nicht allein verbrauchen kann, Brötchen, die der Bäcker nicht verkauft hat, oder Produkte, die ein Supermarkt aussortiert.

Wer sich der Bewegung anschließt, muss wissen, dass das Essen-Weggeben eine verantwortungsvolle Sache ist, betonen die Verantwortlichen auf der Internetseite. Es gibt Regeln, Einführungen und Ausweise für die Mitglieder. Verschenkt werden kann alles, was man selbst essen würde. Darunter können Lebensmittel sein, bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, die aber noch genießbar sind. Tabu sind jedoch hygienisch riskante Produkte, etwa rohes Fisch, Geflügel, Hackfleisch oder rohe Eierspeisen, „es sei denn es kann durch Lieferscheine sichergestellt werden, dass die Kühlkette lückenlos war“. Ein Leitfaden findet sich auf der Homepage, ebenso wie der Hinweis: Verzehr auf eigene Gefahr.

Nach Angaben von foodsharing.de engagieren sich inzwischen mehr als 9000 Menschen, sie haben seit Mai 2013 mehr als zwei Millionen Kilogramm vor der Tonne gerettet.

Unterstützung gesucht

Wo etwas abzugeben ist, erfährt man im Internet. Foodsaver können dort „Essenskörbe“ anbieten. Mitglieder der Aktionsgruppen bitten aber gezielt auch Laden- und Hotelbesitzer, ihnen Essen zu überlassen, das sonst im Müll landen würde. Sie holen es ehrenamtlich ab und bieten es im Tausch-Regal an. Der Fürther Fair-Teiler wurde vor kurzem aufgestellt, er befindet sich im Hof der Diakonie in der Königswarterstraße 56-60, die den Platz zur Verfügung stellt.

Wegen der Urlaubszeit wird sich dort in den nächsten Tagen nicht so viel tun. Aber im September soll es weitergehen, dann will sich die Gruppe auch offiziell vorstellen, wie Monika Schelenz sagt, die die „Botschafterin“ von Foodsharing in Fürth ist. Weitere Mitstreiter und Betriebe dürfen sich gerne aber schon vorher melden.

Die Gruppe findet man auf Facebook unter „Foodsharing Fürth“.

Keine Kommentare