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Donnerstag, 09.04.2020

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Mehr als ein Mode-Gag

Almut Mahr über die Erfolgsgeschichte eines Gospelchors - 27.02.2012 13:00 Uhr

Gibt den Takt für 87 Sänger samt Band und Solistin vor: Almut Mahr. © Joachim Sobczyk


Sind Gospelchöre hierzulande mehr als nur eine Modeerscheinung, Frau Mahr?

Almut Mahr: Eine gewisse Zeit sind Gospelchöre tatsächlich wie Pilze aus dem Boden geschossen. Da waren auch wir dabei. Begonnen hat alles mit einem Workshop, zu dem zu meiner Überraschung 61 Leute kamen. Daraus ist die feste Einrichtung geworden — mit 87 Mitgliedern, einer Band und einer Solistin. Wir begeistern seitdem unser Publikum und sind wohl mehr als nur eine Mode.

Was fasziniert weiße Europäer so an der Musik der amerikanischen Schwarzen?

Almut Mahr: Gospel ist so schwungvoll, es ist eine mitreißende Musik, sie erlaubt Emotionen zu zeigen, dem kann sich kaum jemand entziehen. Leute, die sonst keine Kirchgänger sind, schätzen Gospelgottesdienste, da sie nicht so steif sind.

Sie gehen mit dem Repertoire Ihres Chors auch zurück zu den Ursprüngen des Gospel nach Afrika.

Almut Mahr: Ja, wir singen auch Lieder in Kisuaheli. Das sind Stücke von einer ganz besonderen Kraft.

Wie wichtig sind Sprachkenntnisse und Textverständnis?

Almut Mahr: Wir sprechen alle kein Kisuaheli. Die Englischkenntnisse sind ganz unterschiedlich, der eine kann nur ein paar Wörter, der andere perfektes Englisch. Unsere Chormanagerin Traudl Hirschsteiner hat für alle Englisch-Fränkisch übersetzt. Darin wird beispielsweise aus dem englischen Wort „Love“ für Liebe lautmalerisch das fränkische „Laff“.

Welche Rolle spielen die Inhalte?

Almut Mahr: Wir wissen alle, worum es inhaltlich geht. Und für unser Publikum erklärt es der jeweilige Moderator. Doch eine genaue Übersetzung machen wir von den wenigsten Liedern. Sie haben oft sehr konservative, alttestamentarische Inhalte. Würden wir das auf Deutsch singen, dann würde sicherlich der ein oder andere sagen, das ist mir zu arg.

Eine Band und eine Solistin — das hat nicht jeder Gospelchor, oder?

Almut Mahr: Das ist richtig, wir werden live von Keyboard, Percussion und E-Bass begleitet. Unser großes Plus ist unsere Solistin Kat Moore. Sie hat die schwarze Soulstimme und wir sind stolz, dass sie uns die Treue hält. Ein weißer Chor kann nie den Soul entwickeln wie ihn schwarze Sänger einer Baptistengemeinde haben, aber mit unserer Solistin können wir dem nahekommen, ansonsten wäre Gospel manches Mal nur ein „Geplätscher“.

Welche Konzerte sind Ihnen als besonders gelungen in Erinnerung?

Almut Mahr: Das ist jedes Jahr unser dreigemeindlicher Weihnachtsgottesdienst am zweiten Weihnachtsfeiertag. Ich erlaube mir dabei, das Publikum zum Mitmachen aufzufordern. Eingeweihte wissen, dass sie für diesen Gottesdienst mindestens 45 Minuten früher kommen müssen, um einen Sitzplatz zu ergattern. Das würde sich bestimmt so mancher Pfarrer häufiger wünschen. Natürlich hatten wir auch herrliche Konzerte in St. Rochus in Zirndorf und St. Michael in Fürth.

Kommen begeisterte Zuhörer zu Ihnen und wollen beim Chor mitmachen?

Almut Mahr: Das kommt häufiger vor. Not haben wir zwar nicht, denn bei jedem Konzert singen zwischen 50 und 60 Leute mit, aber wir laden zum Schnuppern ein.

Was sollte ein Gospelsänger können?

Almut Mahr: Ich lasse nicht vorsingen, aber eine Melodie sollte man schon halten können, außerdem bereit sein, unser inzwischen recht umfangreiches Repertoire zu erlernen. Männer sind immer gerne gesehen, sie sind bisher in der Minderheit.

Ihr Publikum kann vor dem Jubiläumskonzert im Internet für seine Lieblingslieder votieren und sie werden sie dann präsentieren. Gibt es schon eine Tendenz?

Almut Mahr: Ja, aber das wird nicht verraten. Die Top Ten sind eine Überraschung.

Jubiläumskonzert Oberasbacher Gospelchor am Samstag, 3. März, um 18 Uhr in der St. Stephanuskirche Unterasbach. Internet unter www.oberasbacher-gospelchor.de 

Interview: BEATE DIETZ

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