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Dienstag, 07.07.2020

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Mit Musik und Megafon für die Pfisterschule

Demonstranten machten sich bei einem Protestzug durch die Innenstadt für die bedrohte Hauptschule stark - 22.02.2010

Neben einigen Schülern und Eltern beteiligten sich auch Stadträte verschiedener Parteien an der Demonstration. Dennoch blieb die Teilnehmerzahl überschaubar. Bei der Abstimmung hofft man nun auf SPD-Abweichler. © Hans Winckler


Die Gruppe der Demonstranten ist überschaubar, aber sie verschafft sich Gehör. «Prima Pfister, prima Pfister», skandieren die rund 50 Teilnehmer des Protestzugs immer wieder, einige haben Tröten bei sich, dazu schallt Party-Musik von Lou Bega aus einem CD-Spieler.

Dennoch: Nach Partystimmung ist den Demonstranten nicht zumute. Wie mehrfach berichtet, plant die Stadt Fürth im Zuge der Umwandlung der Haupt- zu Mittelschulen die Pfisterschule zu schließen. Die Rektoren der Fürther Hauptschulen haben bereits einem Reformmodell zugestimmt, in dem die Innenstadtschule nicht mehr vorkommt, und der städtische Schulausschuss hat sich vor zwei Wochen mit SPD-Mehrheit und gegen die Stimmen der restlichen Parteien für eine Schließung ausgesprochen.

Und so laufen denn auch bei der Demonstration – neben einigen Schülern und Eltern – Vertreter von Parteien Seite an Seite, die sonst in vielen Fällen nur selten gemeinsame Ziele verfolgen: von der Linken über die Grünen bis zu den Freien Wählern und der CSU. «Kommunalpolitik ist immer Sachpolitik, so ein Bündnis ergibt sich eben manchmal», sagt Joachim Schmidt, Fraktionssprecher der Fürther Christsozialen, und fügt hinzu, was für ihn und seine Parteifreunde unumstößlich ist: «Die Innenstadt braucht eine Hauptschule.»

Aufwerten statt aufgeben

Ulrich Schönweiß, als Stadtrat Pfleger der Pfisterschule, betont, dass in der bedrohten Bildungseinrichtung «gute Arbeit» geleistet werde. Und Grünen-Rätin Brigitte Dittrich pflichtet bei, dass die Sanierung des Gebäudes mitnichten so teuer käme, wie von Seiten der Stadt behauptet. Der Protestzug führt die Teilnehmer von der Schule durch die Fußgängerzone bis vors Rathaus, wo sich auch Frieder Kleefeld zu Wort meldet. «Werten Sie die Pfisterschule auf, anstatt sie und ihre Jugendlichen aufzugeben», fordert Kleefeld, der selbst in der Pfisterstraße wohnt und am Helene-Lange-Gymnasium unterrichtet, von den Entscheidungsträgern der Stadt, die am Mittwoch über den Fortbestand der Schule entscheiden werden.

Besteht angesichts der klaren SPD-Mehrheit im Stadtrat überhaupt Hoffnung unter den Demonstranten, die Schließung doch noch abzuwenden? «Die Chance existierst, wenn in der Mehrheitsfraktion einige Vernunft walten lassen und nicht unter Fraktionszwang entscheiden», sagt CSU-Politiker Schmidt. Zum Schluss ergreift Rainer Neumann, der Rektor der Pfisterschule, das Megafon. Er lädt alle Fürther Stadträte dazu ein, sich am heutigen Montagabend von der «Funktionsfähigkeit» seiner Schule zu überzeugen.

Auch Bürgermeister und Schulreferent Markus Braun (SPD) will dann zugegen sein, obwohl er sich nach eigenen Worten nicht mehr von den Schließungsplänen abbringen lassen wird. Angesichts der Sanierungskosten für das Schulgebäude und sinkender Hauptschülerzahlen sei es die richtige Entscheidung. Sauer stößt ihm zudem auf, wenn «pauschal» behauptet werde, an der Pfisterschule laufe alles bestens und wunderbar. «Da liegen uns ganz andere Untersuchungen und Erkenntnisse vor», sagt Markus Braun. Mehr wolle er dazu allerdings nicht sagen.

Johannes Alles

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