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Mit „positivem Ich“ an die Rathausspitze

Die CSU hat Adelheid Seifert (44) als Kandidatin für die Bürgermeisterwahl in Zirndorf im März 2012 nominiert - 25.03.2011 09:00 Uhr

Von Adelheid Seifert erhofft sich Jürgen Grötsch (rechts), woran er selbst vor fünf Jahren scheiterte: Sie soll Amtsinhaber Thomas Zwingel in der Wählergunst übertrumpfen. © Scherer


Am Eingang erhält jeder Besucher einen Schraubhaken, als Reminiszenz an den Gastgeber, die Maschinenbaufirma Gö-gelein in Bronnamberg. Die Verbundenheit mit Unternehmern wollte die CSU mit der Wahl dieses Veranstaltungsortes zum Ausdruck bringen. Mit den weißen Tischdecken und Blumengrüßen auf den Bierbank-Tischen wirkt die Werkshalle fast heimelig. In einer Ecke warten Rosensträuße, in die kleine Fahnen gebunden sind. „Adelheid, wir stehen hinter Dir“ ist auf den Papierstreifen zu lesen.

Eindringliche Appelle, sich ge-schlossen hinter die Bewerberin zu stellen, wiederholen sich wie ein Mantra in den Redebeiträge aller, die ans Mikrofon treten, um für die einzige Bewerberin um die Kandidatur zu sprechen. Angefangen bei Maderer, der Seifert nicht als Kandidatin der Kernstadt-CSU sondern aller drei Ortsverbände empfiehlt, über Anton Gebert, der zusichert, dass die CSU Zirndorf Südwest „wie eine Wand“ hinter der 44-Jährigen stehe, bis hin zu Wolfgang Däumler, der für den Ortsverband Bronnamberg-Weiherhof „120-prozentigen Einsatz und Rückhalt“ verspricht.

46 von 54 möglichen Stimmen wird Seifert schließlich erhalten. Ein Ergebnis, das nicht optimal, aber noch eines der besseren ist, das ein Bewerber der Christsozialen bei den drei eigenen Verbänden der Bibertstadt bisher einfuhr, wie ein altgedientes Mitglied sagt. Die Nominierte selbst nimmt es gelassen. „Ich komme aus einer Diktatur, jetzt lebe ich in einer Demokratie und da kann jeder Ja oder Nein sagen, und das ist gut so“, sagt sie.

1967 in Temeschwar — Seifert spricht von Temeschburg — im Banat an der rumänisch-ungarischen Gren-ze geboren, flüchtete die Donauschwäbin mit ihren Großeltern 1982 aus dem Regime Nicolae Ceausescus. In Nürnberg fand sie eine zweite Heimat. Dort begann sie ihre Laufbahn als Krankenschwester, bildete sich ständig fort, zur Stationsleiterin, zur Pflegedienst-Managerin, zur Fachwirtin für Soziales und Gesundheit. Inzwischen arbeitet sie beim Caritas-Verband der Stadt Erlangen und des Landkreises Erlangen/Höchstadt, wo sie für Pflege- und Sozialdienste und interne Fortbildung von 250 Mitarbeitern mitverantwortlich ist. Ihr Resümee: „Aus mir ist etwas geworden.“ An Selbstbewusstsein mangelt es der 44-Jährigen nicht. „Ich verspreche euch, dass ich mein Wissen, meine Kreativität, meine Schaffenskraft, mein ganzes positives Ich einbringen werde“, sagt sie.

Nach Zirndorf kam sie „aus dem Nichts“, wie JU-Vorsitzende Ines Grötsch meint. 2004 fand Seifert in der Vestnerstraße ein Haus, in dem sie realisieren konnte, was sie sich für ihre Familie gewünscht habe, berichtet die Kandidatin. Ein Heim, geeignet drei Generationen das Leben unter einem Dach zu ermöglichen. Die Kombination von kleinstädtischem und dörflichem Flair schätze sie in Zirndorf, sagt Seifert. Und in den Vereinen ist die Kandidatin Ines Grötsch zufolge längst ein gern gesehener Gast, teils auch in verantwortlicher Position. Bei der Frauen Union hält sie seit 2009 den Vorsitz, ein Jahr länger hat sie das Parteibuch der CSU.

Eine Vita, die von Ehrgeiz zeugt. Den attestiert der Kandidatin CSU-Fraktionschef Jürgen Grötsch, darüberhinaus „Zielstrebigkeit, Urteilskraft sowie die einzigartige Gabe, die Menschen für sich zu gewinnen und zu motivieren“. Verwaltungserfahrung habe sie sich in 20 Jahren Berufstätigkeit am Klinikum Nürnberg erworben. „Ich bin nicht rechts, ich bin nicht links, ich bin geradeaus“: Diese Selbstcharakteristik Joachim Gaucks treffe auch für Adelheid Seifert zu und das werde Zirndorf voranbringen. Womit Grötsch zum Ausdruck bringt, dass er davon ausgeht, dass Seifert das gelingt, woran er selbst vor fünf Jahren scheiterte: SPD-Mann Thomas Zwingel zu bezwingen. Dabei hatte der jetzige Bürgermeister in der Nachfolge Gert Kohls damals nicht den Amtsbonus, fünf Jahre im Sattel zu sitzen.

„Ein hartes Jahr“

Die Frage, „wie schafft sie das“, wirft die Bewerberin selbst in die Runde. „Es funktioniert, weil ich eine Familie im Hintergrund habe, aufopfernde Eltern, meine Schwester und meinen Schwager, die in jeder Lebenssituation für mich da sind.“ Über einen Ehepartner oder Lebensgefährten verliert Seifert in den Anmerkungen zu ihrer Person kein Wort. Sie ist alleinerziehend. Ihren Kindern Marie-Theres (22) und Maxl (10) verspricht sie „hier unter diesen vielen Zeugen, dass ich mir einen Tag pro Woche freihalten werde im nächsten Jahr, denn dass es ein hartes wird, ist mir klar“.

Auch Maderer rechnet mit einem schwierigen Wahlkampf, allein deshalb, weil dessen Endspurt in das Jahr fällt, in dem Zirndorf 100 Jahre Stadterhebung feiert. „So ein Jubiläum bietet einem Amtsinhaber eine Plattform, die wir nicht haben werden“, weiß auch Seifert. Trotzdem hält Maderer Zwingel für schlagbar. Nach Jahrzehnten, da in Zirndorf ein SPDler die Politik bestimmte, ist es für Anton Gebert „an der Zeit, dass wir, dem Beispiel des roten Roths folgend, aus dem roten Zirndorf ein schwarzes machen“.

Sabine Dietz

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