Morsche Barrikaden

16.7.2009, 00:00 Uhr
«Apropos Revolution»: Uwe Weiherers Spiel hat Hand und Fuß, das Stück in weiten Teilen nicht.

© Hans–Joachim Winckler «Apropos Revolution»: Uwe Weiherers Spiel hat Hand und Fuß, das Stück in weiten Teilen nicht.

Kaum mehr als ein Dutzend Zuschauer wollte das Stück über Revolte, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit am Premierenabend sehen. Die Revolution lockt eben auch nicht mehr die Massen hinterm Ofen hervor. Doch wer da war, bekam gleich den richtigen Einstieg à la française verpasst; alte Chansons und blau-weiß-rote Bühnenbeleuchtung stimmte ein auf Frankreich um 1789.

Weiherer gibt den Mit-Revoluzzer und Schriftsetzer Guerin, der dem Volk von 2009 das Hoffen und Träumen, den Aufbruch und das Scheitern der guten Idee von damals näherbringt - oder ganz einfach erst einmal erklärt. Notfalls mit bunten Bauklötzchen. Dazu gibt es enervierend viel Fakten, Fakten, Fakten, chronologische Abrisse und einiges an theoretischem Überbau. Doch Weiherer spielt trotz allem frisch auf.

Er mimt den König ebenso wirksam wie den Vertreter des Klerus oder die feine Dame im durchsichtigen Hemdchen. Mit einfachen Mitteln und bühnentauglichen Andeutungen werden da per Hackebeil Guillotinen-Hinrichtungen vorgenommen oder mit Handpuppen die Liebes- und Hoffnungsromanze der Eheleute Guerin nachgestellt.

Am überzeugendsten und nachhaltigsten ist das Stück, wenn es mit Persönlichem aufwartet und wenn die harten, historischen Fakten mit Leben und Sterben nah am Menschen gefüllt werden, unabstrakt, mitfühlend, nachvollziehbar. In vielen anderen Momenten jedoch bleibt die Revolution ein blutleeres und sprödes Konstrukt. Die tragfeste Brücke in die Gegenwart, Autor Leverrier vermag sie nicht zu bauen.

Erst zum Ende hin, wenn von Macht, Angst und Entscheidungen des Einzelnen und der Masse die Rede ist, gelingt es dem (von Regisseurin Weiherer überarbeiteten) Text, konkreter und aktueller zu werden. Dem engagierten und ehrgeizigen Spiel Uwe Weiherers tut dies keinen Abbruch, am Ende nimmt er den herzlichen Applaus sichtlich erschöpft und dankbar entgegen. CHRISTINE STUBENVOLL

«Apropos Revolution»: BiKuL, Kapellenstraße 47. Weitere Vorstellungen am 31. Juli und 4. August (jeweils 20.30 Uhr, Ticket-Tel. 74 32 59 36), sowie am 19. Juli im Rahmen des 2. Frankreichfestes «Couleurs de France» um 10.30 Uhr in der Grünen Halle (Krautheimerstraße 11).