Nach Attacken: Neue Gedenktafel für Fürther Nazi-Oper

26.12.2017, 06:00 Uhr
Die Erinnerungstafel ist wieder an ihrem Platz. Darüber hängt ein Banner mit der Aufschrift: Antifaschisten haben diese Birken 1930 gepflanzt, Neonazis haben sie 2017 zerstört.

Die Erinnerungstafel ist wieder an ihrem Platz. Darüber hängt ein Banner mit der Aufschrift: Antifaschisten haben diese Birken 1930 gepflanzt, Neonazis haben sie 2017 zerstört. © Pfrogner

Die Stätte an der Uferpromenade ist den vergangenen Jahren mehrfach zum Ziel von Anschlägen aus der rechtsextremen Szene geworden. Beschmiert, zerkratzt und gestohlen wurde dort eine Tafel, die an Rudolf Benario und Ernst Goldmann erinnert. Die beiden Fürther jüdischen Glaubens waren am 12. April 1933 im Konzentrationslager Dachau ermordet worden, sie hatten sich in der kommunistischen Partei engagiert.

Im vergangenen Juni nahmen Unbekannte auch die Birken an der Gedenkstätte ins Visier, die um das Jahr 1930 von Mitgliedern des Fürther Canu-Clubs am Ufer der Rednitz gepflanzt worden waren – Goldmann und Benario gehörten zu ihnen. Im Juni wurden die Bäume mit Axthieben beschädigt, im August wurden alle drei Birken so stark angesägt, dass sie wohl nicht überleben werden.

Am Freitagmittag brachten Mitarbeiter des Grünflächenamts zwischen den Bäumen ein Banner an, Weiß auf Rot ist dort zu lesen: "Antifaschisten haben diese Birken 1930 gepflanzt, Neonazis haben sie 2017 zerstört." Die Erinnerungstafel wurde nachgebaut und ist seit gestern ebenfalls wieder an Ort und Stelle. Eine Nürnberger Firma übernahm die Kosten.

Oberbürgermeister Thomas Jung nannte die Gedenkstätte einen "Ort von überragender Bedeutung". Goldmann, Benario und der Nürnberger Arthur Kahn waren die ersten Mordopfer in einem NS-Konzentrationslager, Millionen weitere sollten folgen. Die Namen der beiden Fürther stehen deshalb auch stellvertretend für alle anderen vom NS-Regime verfolgten Menschen, sagte Niklas Haupt vom Fürther Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus.

Das Bündnis lud am Freitagabend zu einer Kundgebung an den Gedenkort ein. Unter anderem las Autor Siegfried Imholz aus seinem Buch "Gebt ihnen einen Namen". Darin schildert er die Schicksale von Fürthern, die während der Nazi-Diktatur wegen ihrer politischen Einstellung weggesperrt oder sogar ermordet worden waren.

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