Regelverstöße ohne Folgen?

Nach Aufstiegsfeier: Fürths OB schreibt Brief an Minister Spahn

9.6.2021, 15:00 Uhr
Es waren Bilder wie dieses, die gemischte Reaktionen hervorriefen: Fans feierten den Aufstieg in der Gustavstraße, viele davon ohne Maske.

Es waren Bilder wie dieses, die gemischte Reaktionen hervorriefen: Fans feierten den Aufstieg in der Gustavstraße, viele davon ohne Maske. © Foto: Tim Händel

Nach der ausgelassenen Feier waren Befürchtungen laut geworden, dass die Sieben-Tage-Inzidenz in Fürth wieder steigen könnte. Zumal Stadt, Verein und Polizei wegen der damals noch angespannten Corona-Lage im Vorfeld an Fürtherinnen und Fürther appelliert hatten, vernünftig zu sein und zuhause mitzufiebern.


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Die Sorgen haben sich bislang aber als unbegründet entpuppt: Der Wert sank seit dem 23. Mai (82,5) sogar deutlich, gestern lag er bei 29,6. Damit hätte auch Fürths OB nicht gerechnet. Er hat deshalb einen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Lothar Wieler, den Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), geschrieben. "Es gab keinerlei erkennbare Auswirkung der unerlaubten Menschenansammlungen, die im Freien erfolgten", heißt es darin.

So sehr ihn diese Entwicklung freue, so sehr überrasche sie ihn. Er fordert: Wenn Regelverstöße hundertfach möglich seien ohne jeden Einfluss auf die Inzidenz, "dann sollte dies einer näheren Untersuchung auf Bundesebene zugeführt werden".


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Wenn das gleiche Phänomen auch in anderen Aufstiegsstädten beobachtet werde, könne eine solche Erhebung, beispielsweise durch das RKI, wertvolle Hinweise liefern. "Es geht mir dabei vor allem um die Ermöglichung von kulturellen, sportlichen oder Eventveranstaltungen unter freiem Himmel", so Jung. Seinen Brief will er als Anregung statt als Kritik an den bisherigen Entscheidungen der Bundesregierung verstanden wissen.

Im Gegensatz zur Entwicklung in Fürth steht eine Veröffentlichung des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim (ZEW) und der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie hatte sich mit den Folgen zweier großer "Querdenken"-Kundgebungen im November auseinandergesetzt – damals war die Inzidenz allerdings bundesweit auf hohem Niveau. Das Ergebnis: Die Proteste haben dazu beigetragen, dass sich das Virus in Deutschland stark verbreitet hat.

Etwa ein halbes Jahr später, am Tag des Aufstiegs, war OB Jung nach Spielende zum Ronhof gekommen und hatte die Corona-Verstöße mit eigenen Augen beobachtet. Zwar hatte die Polizei die Fans per Lautsprecher immer wieder auf die geltenden Regeln hingewiesen. Trotzdem ließen die Einsatzkräfte die Feiernden größtenteils gewähren. Einerseits, um keine Aggressionen zu wecken, die ein massiveres Einschreiten nötig gemacht und das Verletzungsrisiko erhöht hätten. Andererseits sei es angesichts der Menschenmenge nicht möglich gewesen, die Masken- und Abstandspflicht durchzusetzen, hatte der stellvertretende Fürther Polizeichef Mark Kohl auf Nachfrage der FN unumwunden eingeräumt.

Empörung im Internet

Nach den Feierlichkeiten wurde in den sozialen Netzwerken neben Freude über den Erfolg des Kleeblatts auch große Empörung laut angesichts der Missachtung der Vorgaben. Aufgebrachte Fürtherinnen und Fürther wandten sich zudem an den Rathauschef. Der hofft nun, dass der ausbleibende Anstieg der Inzidenz Konsequenzen nach sich zieht: "Man kann und darf ein derartiges Ereignis mit Auswirkungen, die allen bisherigen Erwartungen widersprechen, für mein Dafürhalten nicht einfach ignorieren."