Sonntag, 19.01.2020

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Nach IT-Angriff: Klinikum Fürth nimmt wieder Patienten auf

Notfälle werden vor Ort versorgt - Kommunikation ist noch eingeschränkt - 16.12.2019 18:30 Uhr

Nach der Hacker-Attacke stoppte das Klinikum Fürth die Aufnahme neuer Patienten. Jetzt können Notfälle wieder gebracht werden. © Hans-Joachim Winckler


Seit Montag werden Notfallpatienten aus Fürth und Umgebung vom Rettungsdienst wieder ins Fürther Klinikum gebracht. Das Krankenhaus an der Jakob-Henle-Straße war am Nachmittag "weitestgehend" – also in den meisten seiner medizinischen Fachbereiche – aufnahmebereit, sagte Klinikumssprecher René Icgen auf Nachfrage.

Er hofft, dass damit die gravierendsten Auswirkungen der Cyber-Attacke überstanden sind. Am Freitagvormittag hatte die Klinikleitung publik gemacht, dass das Haus von einem Hackerangriff getroffen worden war, die massive Aufwirkungen hatte. Nach ersten Erkenntnissen war der Computervirus über das Öffnen eines verseuchten E-Mail-Anhangs ins System gelangt. Die Versorgung aller Patienten auf den Stationen sei gewährleistet, betonte Icgen von Anfang an. Und auch die Notaufnahme blieb geöffnet.

Vorsichtshalber aber wollte man die Zahl der untergebrachten Patienten nicht erhöhen, solange man noch nichts Genaues über den Hackerangriff wusste. Das Klinikum hatte sich daher bei der Leitstelle abgemeldet, neue Notfälle wurden auch am Wochenende noch andernorts versorgt. "Wir möchten uns bei den umliegenden Krankenhäusern bedanken", sagt Icgen, "sie haben das gut aufgefangen."

Die IT-Experten des Klinikums arbeiten unterdessen zusammen mit externen Spezialisten weiter daran, den Fall aufzuklären. Das Landeskriminalamt ist eingeschaltet. Herauszufinden, welche kriminelle Energie dahintersteckt, ist Teil der laufenden Ermittlungen.

Noch ohne externe Verbindung

Um den Schaden zu begrenzen, sind die IT-Systeme des Klinikums noch immer ohne externe Verbindung, so Icgen. Intern sei die Kommunikation gut möglich, extern sei sie eingeschränkt. So können die Mitarbeiter derzeit beispielsweise nur auf ein sehr reduziertes E-Mail-System zurückgreifen. Bisher gebe es keine Indizien dafür, dass Daten abgewandert sind, sagt der Pressesprecher.

Medizinische Geräte und wichtige Abläufe müssen in größeren Krankenhäusern auch dann funktionieren, wenn das IT-Netz gestört ist. Kliniken mit mehr als 30.000 vollstationären Patienten im Jahr sind verpflichtet, sich für Cyber-Attacken zu wappnen – ebenso wie für große Stromausfälle. 2016 war das Fürther Klinikum schon einmal Opfer von Hackern geworden, damals kam man glimpflicher davon.

Claudia Ziob

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