Freitag, 16.04.2021

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Nach tausend Jahren erstmals in Fürth

Kleine Sensation: Die „Geburtsurkunde“ von 1007 ist für fünf Wochen im Stadtmuseum - 09.03.2012 13:00 Uhr

Bitte kein Blitzlicht: Mit Samthandschuhen fassen Museumschef Martin Schramm (v.li.), OB Thomas Jung und Sparkassenvorstand Hans Wölfel das mittelalterliche Original an.

07.03.2012 © Linke


Die Strecke Bamberg-Fürth hat Martin Schramm schon häufiger zurückgelegt. So aufgeregt wie an diesem Tag war der Fürther Museumsleiter allerdings noch nie. „Hoffentlich fährt uns kein Lkw über den Haufen“, schoss es ihm durch den Kopf. Dabei fürchtete er weniger um sein Leben als um die Fracht, die in einem feuerfesten, gepolsterten Koffer ruhte: jene Urkunde, in der Fürth im Jahr 1007 erstmals Erwähnung findet.

Überhaupt zum ersten Mal in tausend Jahren Stadtgeschichte hat das edle Dokument den Weg nach Fürth gefunden. Während Papier im Lauf der Zeit zerfällt, so Schramm, ist diese Urkunde für die Ewigkeit — sofern sie nicht mutwillig zerstört wird. Wie damals üblich, besteht sie aus hochwertigem Pergament, also bearbeiteter Tierhaut, beschrieben mit einer „1a-Tinte“, wie Schramm sagt.

Zeitsprung: Im Herbst 1007 ist König Heinrich auf dem Weg nach Frankfurt, um im Beisein wichtiger Würdenträger des Reiches das Bistum Bamberg zu gründen. In seinem Gepäck befinden sich stapelweise Urkunden, die Geistliche aus seinem Hofstaat vorgefertigt haben. Es handelt sich um Schenkungsurkunden, denn eines ist klar: Der künftige Bischof und seine engsten Berater, das Domkapitel, sollen nicht selbst auf den Äckern arbeiten oder das Vieh füttern — sie müssen versorgt werden.

Indem Heinrich Fürth an Bamberg verschenkt, legt er indirekt auch fest, dass der Ort das Domkapitel in den kommenden Jahrhunderten mit Naturalien zu beliefern hat wie Schweine, Hühner, Eier und Käse. In der Urkunde, die das besiegelt, wird Fürth als „locum Furti dictum“ — der Furti genannte Ort — bezeichnet. Die erstmalige Erwähnung im Jahr 1007 heißt übrigens nicht, dass es den Ort zuvor nicht gegeben hätte — im Gegenteil. „Er hatte bereits eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung, sonst hätte es sich nicht gelohnt, ihn zu verschenken“, sagt Martin Schramm.

Bloß nicht zu warm

Dass die Urkunde nun in Fürth zu sehen ist, freut den Museumsleiter riesig. Sogar im Jahr 2007, als die Kleeblattstadt ihren 1000. Geburtstag feierte, hatte es das Staatsarchiv Bamberg noch abgelehnt, das wertvolle Stück zu verleihen. Bei dem erneuten Anlauf kamen Schramm seine Beharrlichkeit und der Umstand zugute, dass er im Staatsarchiv gearbeitet hatte, bevor er nach Fürth wechselte. Außerdem unterstützte die Sparkasse das Vorhaben, indem sie die Versicherungssumme in Höhe von 1000 Euro beglich und eine passende Vitrine zur Verfügung stellte.

Darin liegt die Urkunde nun, unter bruchsicherem Glas. Zu ihrem Schutz achtet Schramm darauf, dass Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Raum stimmen und das Licht nicht zu grell scheint. „Lokalhistorisch gesehen, gibt es nichts Großartigeres als dieses Dokument“, sagt er, vergisst aber nicht zu erwähnen, dass die Verschenkung gravierende Folgen hatte: Dass Fürth aus dem Besitz — und damit der Förderung — des Königs fiel und nur noch zur Versorgung der Bamberger Geistlichen diente, hemmte seine weitere Entwicklung.

Bis zum 15. April ist die Urkunde im Stadtmuseum zu sehen — kostenlos. Nur wer auch die Dauerausstellung besuchen möchte, zahlt Eintritt. Die Fürther, sagt Schramm, sollten sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen: Ist die Urkunde erst einmal wieder zurück im Bamberger Archiv, „werden wir sie zu Lebzeiten wohl nicht mehr zu Gesicht bekommen“.

Johannes Alles

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