Nachhaltig und fair: Shop aus Fürth verkauft unperfekte Produkte

Luisa Degenhardt
Luisa Degenhardt

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11.4.2021, 09:42 Uhr
Gründerin Jessica Könnecke im Lager in der Schwabacher Straße. Von hier aus werden nachhaltige Produkte nach ganz Deutschland und nach Europa, vor allem Österreich, verschickt.

Gründerin Jessica Könnecke im Lager in der Schwabacher Straße. Von hier aus werden nachhaltige Produkte nach ganz Deutschland und nach Europa, vor allem Österreich, verschickt. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Was dem regulären Handel nicht mehr gut genug ist, kommt Jessia Könnecke gerade recht: Über ihren Onlineshop "Mit Ecken und Kanten" vertreibt die 28-Jährige seit November 2017 Produkte, die nicht perfekt sind. Sie alle wurden fair und nachhaltig gefertigt. Will heißen: Bei ihrer Herstellung stand das Wohl von Mensch und Natur im Zentrum. Einige von ihnen haben eine beschädigte oder alte Verpackung, andere entstammen einer fehlerhaften Produktionsreihe, wieder andere haben ein knappes Mindesthaltbarkeitsdatum. Statt in der Tonne landet die B-Ware bei neuen Besitzern, die im Schnitt 40 bis 50 Prozent weniger als üblich dafür bezahlen.

Könneckes Idee findet immer mehr Unterstützer und Unterstützerinnen: Inzwischen hat der Shop fast 80.000 Follower auf der sozialen Plattform Instagram, zur Firma zählen neben Könnecke und ihrem Freund Georg 13 Mitarbeiterinnen. Kernzielgruppe sind 25- bis Ende 30-Jährige. 80 Prozent des Kundenstamms sind Frauen, "wir erreichen aber auch immer mehr Männer, die sich für das Thema interessieren". Der Markt wächst.


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Dabei sollen nicht nur die Produkte fair sein, auch die Verpackung ist möglichst nachhaltig: Kartons werden wiederverwendet; wenn das nicht geht, verwandelt der Schredder sie in Füllmaterial. Verschickt werden die Pakete mit DHL Go Green: Für die durch den Transport entstandenen CO2-Emissionen wird eine Kompensationspauschale fällig, die in Klima-Projekte fließt.

Die Pakete des Onlineshops werden innerhalb Europas versendet, Hauptabsatzmarkt ist aber Deutschland. Auch Könneckes PR-Strategie setzt aufs Internet: Auf Instagram etwa werden nicht nur Produkte mit "Ecken und Kanten" beworben, sondern es gibt auch Themenmonate. Im März lieferte das Team Tipps rund um Meditation und Achtsamkeit. Und jetzt, im April, steht faire Kleidung im Fokus.


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Die Dokumentation "The True Cost", die die Billigmode-Industrie anprangert, legte den Grundstein für Könneckes nachhaltige Lebenseinstellung. Im Keller ihres Elternhauses in Herzogenaurach startete sie ihr Unternehmen, das von dort nach Nürnberg zog und anschließend nach Fürth aufs ehemalige Barthelmess-Gelände in der Schwabacher Straße. Im Lager stapeln sich Kisten mit Lebensmitteln, Kleidung, Yogamatten und Hygieneartikeln.

"Schritt für Schritt sind wir gewachsen", sagt Könnecke. Mittlerweile würden sie potenzielle Kooperationspartner von sich aus kontaktieren. Nicht alle Anfragen nimmt sie an, denn sie hat genaue Vorstellungen: Jedes Produkt muss nachhaltig und fair sein.

Denn der Einsatz für mehr Nachhaltigkeit ist der Grundgedanke ihrer Geschäftsidee. "Ich empfinde es als Problem, dass wir als Konsumenten immer den Anspruch haben, ein perfektes Produkt zu haben", kritisiert sie.

Jessica Könnecke wünscht sich, dass die Konsumenten umdenken, dass eine abstehende Naht oder ein kleiner Kratzer kein Grund mehr fürs Zurückschicken von Produkten ist. Dazu soll "Mit Ecken und Kanten" einen Teil beitragen.

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