Donnerstag, 29.10.2020

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Neubürger erzählen: Warum wollten sie Deutsche werden?

Vom Brexit bis zur Liebe: Bei der Einbürgerungsfeier sprachen wir mit Menschen aus dem Landkreis - 05.10.2020 16:00 Uhr

Georginana-Simona Beleut im Kreis ihrer Familie anlässlich der Einbürgerungsfeier des Landkreises Fürth im Steiner Faber-Castell-Schloss - im Hintergrund und mit coronabedingtem Abstand: Werner Tiefel, Bürgermeister von Seukendorf, wo die Familie lebt.

© Foto: Frank Kreuzer


Fast schon zu erwarten war es, dass Engländer in diesen Kreis auftauchen. Kevin McCarthy kam beruflich 1986 nach Deutschland, heiratete und gründete eine Familie. Bislang war er EU-Bürger, doch die politische Entwicklung in seinem Geburtsland beschleunigte seine Entscheidung, nun doch die Staatsangehörigkeit zu ändern.

Der Brexit spielte auch bei Graham Paul Roberts eine Rolle. Der entscheidende Auslöser für ihn war aber der Besuch einer Messe am St. Patricks Day, als dort der Pfarrer von seiner eigenen Einbürgerung erzählte. Da reifte bei Roberts die Erkenntnis: Nach fast 50 Jahren Leben in Deutschland, in denen sein Gastland zur Heimat geworden ist, könnte er ebenfalls diesen Schritt vollziehen.

Endlich Wahlrecht!

Gerade das Wort "Heimat" fällt an diesem Abend sehr häufig. Dragisa Nikolic, dessen Eltern Ende der 60er Jahre aus Jugoslawien nach Schwabach gekommen sind, wurde in der Goldschlägerstadt geboren. Für ihn gibt es nur diese eine Heimat, und er hat nach eigener Aussage auch typische deutsche Eigenschaften.

Trotzdem hatte er durch seine Eltern noch die serbische Staatsbürgerschaft. Mit der Einbürgerung freut er sich jetzt darauf, sein Wahlrecht ausüben zu können und über unproblematischeres Reisen mit seinem deutschen Pass.

Begrüßt wurden die Neubürger an diesem Abend auch von Landtagspräsidentin Ilse Aigner, die den Männern und Frauen für ihre bewusste Entscheidung für Deutschland dankte. Diese Wertschätzung für das Land von außen sei viel zu wenig bekannt.

Der andere Blickwinkel, beispielsweise durch ausländische Zeitungen, zeige, mit welcher Hochachtung man in anderen Ländern auf Deutschland schaue.

Natürlich spielt häufig die berufliche Veränderung eine Rolle, um nach Deutschland zu kommen. So war das bei Alexander Smirnov, der aus Belarus über Potsdam zu Siemens als Software-Spezialist gekommen ist und jetzt mit seiner Familie eingebürgert wurde.

Auch für Malgorzata Anna Podawacz-Schluck war es letztendlich der Beruf bei Areva, der sie nach Franken geführt hat. Nach dem Studium in Stettin machte sie in Schwerin und Frankfurt am Main Station und legte einen kleinen Umweg über Finnland ein. Inzwischen lebt sie in Puschendorf.

Tausende Kilometer zur Liebe

Und nicht zuletzt ist die Liebe ein wichtiger Grund für die räumliche Veränderung: Ana Freira Pinto Hebestreit reiste vor 25 Jahren aus São Luís (Brasilien) nach Deutschland und wurde auf eine Feier des Deutsch-Brasilianischen Kreises in Erlangen eingeladen.

Dort traf sie den Mann, den sie drei Jahre später heiraten sollte. Dass man tausende Kilometer reisen muss und dann die Liebe des Lebens findet, gehörte abei der Feier zu den romantischen Geschichten.

Das Fest selbst war der Auftakt zur Interkulturellen Woche des Landkreises. Seit 2018 gibt es ein Konzept, das als Grundlage für die Integrationsarbeit im Landkreis dient. In ihrem Amt als Integrationslotsin ermutigte Lena Stahl in ihrer kurzen Rede an die Neubürger, als Brücke für andere Familien und Menschen zu fungieren, die sich vielleicht noch mit der Sprache schwertun. Unterstützung bei Elterngesprächen in der Schule oder bei Amtsgängen könnten helfen, diese Personen noch besser zu integrieren.

FRANK KREUZER

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